„Heute kann ich sagen: Ich habe mir meinen Traum erfüllt“ – Giulio Ciccone kostet seinen Kindheitstraum aus, nachdem er die Maglia Rosa des Giro d’Italia übernommen hat

Radsport
Dienstag, 12 Mai 2026 um 20:30
Giulio Ciccone speaks to the media after stage 4 of the 2026 Giro d'Italia
Giulio Ciccone hat bereits Gelb bei der Tour de France getragen, große Bergetappen gewonnen und sich den Ruf als einer der explosivsten italienischen Grand-Tour-Fahrer erarbeitet, doch das Überstreifen der Maglia Rosa beim Giro d’Italia hatte eine andere Bedeutung.

Giulio Ciccone erobert beim Giro d’Italia 2026 die Maglia Rosa

Nach Rang zwei hinter Jhonatan Narvaez auf der 4. Etappe übernahm Ciccone die Gesamtführung des Giro d’Italia 2026 und zog nach einem hektischen Tag von Catanzaro nach Cosenza erstmals das Rosa Trikot über.
Für Lidl-Trek war es die Ernte eines Tages, den Movistar mit langem Druck prägte, an dem Guillermo Thomas Silvas Zeit in Rosa endete und an dem ein später Kampf um Bonifikationen die Spitze der Gesamtwertung komplett neu ordnete. Für Ciccone reichte die Emotion jedoch über Zahlen hinaus.
Im Gespräch mit Cycling Pro Net im Ziel machte der Italiener deutlich, wie viel ihm das Trikot bedeutet. „Es ist definitiv eines der schönsten Trikots der Welt“, sagte er. „Es war ein wirklich besonderer Moment, aber ich muss sagen, das Rosa Trikot ist auch etwas Besonderes, gerade für mich, weil ich mit genau diesem Traum überhaupt erst mit dem Radfahren angefangen habe. Heute kann ich sagen, dass ich meinen Kindheitstraum verwirklicht habe.“

Ciccone zollt Derek Gee Tribut nach Rettungsaktion von Lidl-Trek

Ciccones Sprung in Rosa gelang nur dank interner Teamarbeit und Verzicht. Derek Gee, der bereits in den Sturz auf Etappe 2 verwickelt war und auf der 4. Etappe zudem einen Defekt hatte, spielte spät dennoch eine Schlüsselrolle, um die Position des Italieners abzusichern.
Ciccone betonte das sofort. „Ich muss diesem Jungen wirklich danken. Er ist ein Held“, sagte er über Gee. „Er ist vor ein paar Tagen gestürzt. Heute hatte er einen Platten und Matteo hat angehalten, um auf seine Gruppe zu warten, und im Finale waren sie dann zusammen da, um mir zu helfen.“
Die Geste bedeutete Ciccone sichtlich viel, denn Gee selbst hat weiterhin Ambitionen im Gesamtklassement. Statt die Hilfe des Kanadiers als Routine zu betrachten, stellte Ciccone sie als etwas dar, das er im weiteren Rennverlauf zurückzahlen möchte.
„Derek hat auch GC-Ambitionen und war trotzdem vorn, um mir zu helfen. Ich glaube, das sagt viel aus“, so Ciccone. „Ich hoffe, ich kann ihm diesen Gefallen zurückgeben. Ich bin überzeugt, dass er einen richtig starken Giro fahren kann. Wir kennen ihn alle. Er ist wie ein Diesel. Er braucht Zeit, aber sicher wird er nächste Woche oder in den kommenden Etappen auf Top-Niveau sein. Ich werde mein Bestes geben, um ihn zu unterstützen.“

Rosa bedeutet für Ciccone etwas anderes

Ciccone wurde auch gebeten, die Maglia Rosa mit dem Gelben Trikot zu vergleichen, das er einst bei der Tour de France trug. Seine Antwort unterstrich den Unterschied zwischen einem unerwarteten Moment früher in seiner Karriere und einem Trikot, von dem er als Kind geträumt hatte. „Als ich das Gelbe Trikot hatte, war ich wirklich jung, ich hatte nicht damit gerechnet, es zu tragen“, erklärte er.
Das Rosa Trikot traf hingegen einen persönlicheren Nerv. Ciccone galt lange als Fahrer, der den Giro zum Leuchten bringen kann, doch an diesem Tag rückte er endlich ins symbolische Zentrum des Rennens.
Die Etappe selbst war alles andere als simpel. Movistar sprengte das Rennen am Cozzo Tunno, ließ Silva, Paul Magnier, Jonathan Milan, Dylan Groenewegen und eine lange Liste weiterer Sprintstarker zurück. Egan Bernal verlor kurz den Anschluss, bevor Ben Turner ihn zurückbrachte, während Jan Christen am Red-Bull-Kilometer sechs Bonifikationssekunden holte und dann innerhalb der letzten 2 Kilometer attackierte.
Christens Vorstoß wurde schließlich gestellt, bevor Narvaez zum Sieg sprintete, doch Ciccones zweiter Platz reichte, um die Maglia Rosa zu übernehmen. Nach drei chaotischen Tagen in Bulgarien und einer ersten aggressiven Etappe auf italienischem Boden hat der Giro nun einen italienischen Leader.
Für Ciccone war es mehr als ein taktischer Erfolg oder ein Update der Wertung. Es war ein Kindheitstraum, der sich in Rosa erfüllte.
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