„Heute isst du den ganzen Tag wie verrückt“ – Mads Pedersen sagt, das moderne Peloton habe mit dem Sport, dem er 2015 beitrat, kaum noch etwas gemein

Radsport
Samstag, 03 Januar 2026 um 19:00
pedersen
Als Mads Pedersen 2015 Profi wurde, war der Radsport bereits fordernd und datengetrieben. Zehn Jahre später erkennt der Däne die Welt, in die er einst einstieg, kaum wieder.

Mads Pedersen über den Wandel im Radsport – von Instinkt zu Kontrolle

Auf dem jüngsten Medientag von Lidl-Trek zeichnete Pedersen ein schonungsloses Bild davon, wie radikal sich der Sport entwickelt hat – vor allem in seiner Fixierung auf Details, Ernährung und Kontrolle. Was einst auf hartem Training und Instinkt beruhte, ist, so sagt er, zu einem Umfeld geworden, in dem kaum noch etwas dem Zufall überlassen bleibt.
„Selbst seit ich Profi geworden bin, hat sich der Radsport komplett verändert“, erklärte Pedersen in Zitaten, die Ekstra Bladet gesammelt hat. „Wenn du früher abnehmen wolltest, bist du einfach trainieren gegangen, hattest ein bisschen Wasser am Rad, einen Energieriegel, vielleicht eine Banane und einen Kaffee auf halber Strecke, und das war’s. Du warst bereit. Heute isst du den ganzen Tag wie verrückt.“
Der Satz war mit einem Lächeln versehen, doch die Botschaft dahinter war ernst. Für Pedersen verlangt das moderne Peloton ein Maß an Hingabe, das außerhalb des Sports nur wenige wirklich begreifen.
„Radsport ist heute völlig anders“, sagte er. „Du musst extrem fokussiert und sehr ernsthaft sein. Das hätte ich nie erwartet, ganz sicher nicht. Aber man wächst hinein. Man akzeptiert es. Wenn du im Sport bleiben willst, musst du es tun. Wenn du es nicht willst, musst du dir etwas anderes suchen.“

Aufgewachsen vor der Daten-Explosion

Pedersens Laufbahn schlägt eine Brücke zwischen zwei Epochen. Er lernte sein Handwerk, bevor Ernährungspläne grammgenau getaktet und bevor jedes Trainingsintervall, jeder Schlafzyklus und jede Aeroposition unerbittlich überwacht wurden.
Gefragt, ob er froh sei, nicht unter den heutigen hyperwissenschaftlichen Bedingungen im Sport aufgewachsen zu sein, zeigte sich der 30-Jährige eher nachdenklich als nostalgisch.
„Ehrlich gesagt denke ich nicht besonders viel darüber nach“, sagte er. „Ich bin zufrieden mit der Situation, in der ich jetzt bin. Ich bin glücklich über die Erfahrungen, die ich aus dem, was sich seltsam ‚alter Radsport‘ nennen lässt, mitgenommen habe. Ich bin froh, Teil dieser Reise gewesen zu sein.“
Anstatt sich dem Wandel zu widersetzen, sieht sich Pedersen als jemand, der sich parallel zum Sport angepasst hat – lernte, in einem zunehmend kontrollierten Umfeld zu agieren und dabei auf die Instinkte zurückzugreifen, die er früher in seiner Karriere entwickelt hat.
„Ich bin auch neugierig, wo wir landen, bevor ich aufhöre zu fahren“, fügte er hinzu. „Es ist spannend zu sehen, wie sich alles entwickelt. Im Moment geht alles unglaublich schnell. Die Technologie spielt in allen Lebensbereichen verrückt, also ist es im Radsport natürlich genauso.“
Was Pedersen beschreibt, ist keine Nostalgie und keine Kritik, sondern Realität. Der Sport, in den er vor gut einem Jahrzehnt eingetreten ist, existiert in dieser Form nicht mehr – ersetzt durch ein Umfeld, in dem Präzision, Kontrolle und ständige Optimierung unverhandelbar sind.
Für das heutige Peloton ist dieser Wandel schlicht der Ausgangspunkt. Für Fahrer, die ihn miterlebt haben, ist die Transformation total – und wie Pedersen klar macht, sie beschleunigt sich weiter.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Loading