GP de Québec 2026: Vorschau, Strecke, Favoriten und Prognosen – Evenepoel, Seixas, Del Toro und Pidcock im direkten Duell am 17-Prozent-Schlussanstieg

Radsport
Donnerstag, 10 September 2026 um 14:08
Tom Pidcock
Der GP de Québec ist der erste der beiden kanadischen WorldTour-Klassiker, die am zweiten Septemberwochenende stattfinden. Am 11.09. tritt das explosive Eintagesrennen die Bühne für Sprinter und Klassikerjäger frei, die um einen wichtigen Sieg kämpfen. Wir blicken auf das Profil.
Das Rennen wurde 2010 gemeinsam mit seinem „Zwilling“, dem GP de Montréal, erstmals ausgetragen. Von Beginn an war es hochkarätig besetzt: Thomas Voeckler gewann die Premiere, 2011 siegte Philippe Gilbert in seinem goldenen Jahr. Über das Jahrzehnt dominierten meist Puncheure, auffällig dabei: Sowohl Peter Sagan als auch Michael Matthews gewannen in den späten Jahren jeweils zweimal in Serie.
2022, nach der Covid-19-Pause, triumphierte Benoît Cosnefroy in Québec. 2023 gewann Arnaud De Lie, 2024 drehte Michael Matthews die Uhr zurück und siegte erneut; 2025 öffnete der neu gestaltete Rundkurs das Rennen, Julian Alaphilippe holte dort seinen letzten Karrieresieg.

Streckenprofil: Québec - Québec

Profil des GP de Québec 2026
Québec - Québec, 205 Kilometer
Der GP de Québec führt über 205 Kilometer, verteilt auf 18 Runden von knapp 12,5 km, mit insgesamt rund 2.500 Höhenmetern. Es ist ein welliges Rennen, jede Runde enthält einen Anstieg, doch dieses Jahr gibt es im Finale eine markante Änderung.
Die erste Hälfte des Rundkurses führt aus der Innenstadt von Québec hinab zum Fluss und deckt die ersten fünf Kilometer ab. Die folgenden vier sind flacher und geben den Teams Zeit, sich zu ordnen und ihre Kapitäne vor den entscheidenden Anstiegen zu positionieren.
Der Schluss ist deutlich härter als in den vergangenen Jahren. Statt der vertrauten doppelten Rampe mit Abfahrt dazwischen wartet nun die Côte de la Montagne, gefolgt von einem direkten Anzug zur Ziellinie. 600 Meter mit 8 % im Schnitt — mit Rampen bis 17 % — machen diesen brutalen, explosiven Anstieg zum Terrain für Puncheure und Kletterer, nicht für Sprinter. Vom Scheitel bleiben nur 1,2 km falsche Ebene bis ins Ziel. Ein Finale, das späte Attacken einlädt und den schnellen Männern die Beine leert.

Vorschau GP de Quebec 2026

Remco Evenepoel – Der Olympiasieger reist ohne allzu großen Druck nach Quebec. Sein großes Ziel sind die Weltmeisterschaften, während Montreal das Rennen sein dürfte, auf das er an diesem Wochenende besonders abzielt. Das könnte bedeuten, dass Evenepoel bereits früh in die Offensive geht, um seine Form zu testen und wieder in den Rennrhythmus zu kommen. Will er dagegen konservativer fahren und um den Sieg kämpfen, besitzt er auch im Sprint die nötigen Qualitäten. Dafür müsste allerdings ein anderes Team das Rennen am gesamten Schlussanstieg extrem hart machen.
UAE – UAE Team Emirates - XRG tritt hier mit einer Mannschaft an, die auch bei der Tour de France stehen könnte: Isaac del Toro, Brandon McNulty, Jhonatan Narvaez, Adam Yates, Tim Wellens, Felix Grossschartner und Florian Vermeersch. Luxus pur – entsprechend groß dürfte der Druck sein, ein Ergebnis zu liefern. Vermeersch und Grossschartner sollten vor allem als Helfer eingesetzt werden, während Tour-of-Britain-Sieger Tim Wellens gemeinsam mit Brandon McNulty bei frühen taktischen Angriffen mitgehen oder diese sogar selbst initiieren könnte. Adam Yates ist kein explosiver Fahrer und dürfte eine unterstützende Rolle übernehmen. Er kann jedoch enorm wertvoll sein, um das Rennen vor einer Attacke am Anstieg schwer zu machen.
Das Team besitzt zwei Hauptoptionen auf den Sieg. Del Toro könnte attackieren, verfügt aber möglicherweise auch über die Beine, um im Sprint zu gewinnen. Narvaez wiederum ist der stärkste reine Puncheur im Rennen. Sollte er sich entsprechend gut fühlen, wäre es keine Überraschung, wenn Del Toro entweder früh angreift oder am Schlussanstieg das Tempo für seinen Teamkollegen verschärft.
Paul Seixas – Unterstützt von Tiesj Benoot, Paul Lapeira und Nicolas Prodhomme kehrt der Franzose nach der Tour de France ins Renngeschehen zurück. Es ist nicht davon auszugehen, dass er seinen Wiedereinstieg ruhig angehen wird. Seine Form sollte gut sein, und obwohl das Rennen nicht perfekt zu seinem Profil passt, dürfte der Decathlon-Kapitän durchaus konkurrenzfähig sein. Unter den Kletterern gehört er zwar nicht zu den schnellsten Sprintern, besitzt aber dennoch einen guten Endspurt und kommt mit kurzen, intensiven Belastungen hervorragend zurecht. Sollte Seixas tatsächlich das Gefühl haben, den Unterschied machen zu können, wäre sogar eine späte Attacke denkbar.
Tom Pidcock – Der Brite kann nicht auf die gleiche mannschaftliche Stärke wie einige seiner Konkurrenten bauen. Seine beste Strategie dürfte deshalb darin bestehen, das Feld möglichst lange zusammenzuhalten und auf einen Sprint zu setzen. Pidcock kommt unmittelbar von seinem Sieg bei den Mountainbike-Weltmeisterschaften, sodass an seiner Form kaum Zweifel bestehen. Kurze Belastungen liegen ihm perfekt, zudem besitzt er einen starken Sprint. Pidcock könnte sowohl die Beine haben, um Attacken zu folgen, als auch genau die richtige Mischung an Fähigkeiten für einen Sprint bei diesem Bergauf-Finale mitbringen.
Doch auch abseits der großen Favoriten und Topteams gibt es enorm viel zu beachten. Einige Mannschaften sind in der Breite sogar noch stärker aufgestellt. Lidl-Trek beispielsweise geht mit Juan Ayuso, Giulio Ciccone, Derek Gee, Quinn Simmons, Tom Skujins und Matteo Sobrero an den Start. Damit steht in Kanada praktisch eine komplette Tour-de-France-Mannschaft am Start. Da das Team keinen eindeutigen Topfavoriten besitzt, dürfte Lidl-Trek das Rennen offensiv gestalten.
Visma - Lease a Bike besitzt mit Matteo Jorgenson und Louis Barre zwei Fahrer für Attacken, EF kann auf Ben Healy und Alex Baudin setzen, Lotto auf Lennert van Eetvelt und Jenno Berckmoes, während INEOS mit Andrew August und Magnus Sheffield vertreten ist. Auch Fahrer wie Mauro Schmid, Afonso Eulalio, Marc Hirschi und Yannis Voisard müssen berücksichtigt werden.
Und was passiert, wenn es auf einen Sprint hinausläuft? Historisch gesehen war das häufig der Fall. Im vergangenen Jahr wurde der Rundkurs jedoch schwieriger gestaltet, und am Schlussanstieg bleibt den Sprintern kaum noch eine Möglichkeit zur Erholung – wenn überhaupt. Die Belastung ist nun deutlich kontinuierlicher und kommt damit den Puncheuren und insbesondere den Kletterern stärker entgegen.
Dennoch werden einige Teams ein großes Interesse daran haben, das Rennen zu kontrollieren. Selbst wenn zwischenzeitlich eine gefährliche Gruppe davonzieht, könnte es bei erfolgreicher Verfolgung am Ende noch zu einem Sprint um den Sieg kommen. Michael Matthews sticht für dieses Szenario besonders hervor, da er die perfekte Kombination aus Kletterstärke und Sprintfähigkeit besitzt. Auch Corbin Strong ist hervorragend für ein solches Finale geeignet. Beide benötigen dafür allerdings ihre absolute Topform – und die ist nicht immer garantiert.
Anders Foldager, Edoardo Zambanini, Quinten Hermans, Kaden Groves und Guillermo Tomas Silva gehören ebenfalls zu den Fahrern, die auf genau dieses Szenario hoffen dürften.

Prognose GP de Québec 2026: 

*** Isaac del Toro, Tom Pidcock, Remco Evenepoel
** Paul Seixas, Jhonatan Narváez, Michael Matthews
* Brandon McNulty, Tim Wellens, Giulio Ciccone, Quinn Simmons, Jenno Berckmoes, Lennert van Eetvelt, Louis Barré, Matteo Jorgenson, Corbin Strong, Guillermo Thomas Silva, Mauro Schmid
Unser Tipp: Isaac del Toro
Wie? Sprint aus der kleinen Gruppe.

Siegerliste GP de Québec

Jahr 1. 2. 3.
2025 Julian Alaphilippe Pavel Sivakov Alberto Bettiol
2024 Michael Matthews Biniam Girmay Rudy Molard
2023 Arnaud De Lie Corbin Strong Michael Matthews
2022 Benoît Cosnefroy Michael Matthews Biniam Girmay
2021
2020
2019 Michael Matthews Peter Sagan Greg Van Avermaet
2018 Michael Matthews Greg Van Avermaet Jasper Stuyven
2017 Peter Sagan Greg Van Avermaet Michael Matthews
2016 Peter Sagan Greg Van Avermaet Anthony Roux
2015 Rigoberto Urán Michael Matthews Alexander Kristoff
2014 Simon Gerrans Tom Dumoulin Ramūnas Navardauskas
2013 Robert Gesink Arthur Vichot Greg Van Avermaet
2012 Simon Gerrans Greg Van Avermaet Rui Costa
2011 Philippe Gilbert Robert Gesink Rigoberto Urán
2010 Thomas Voeckler Edvald Boasson Hagen Robert Gesink
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