Der
GP de Québec ist der erste der beiden kanadischen WorldTour-Klassiker, die am zweiten Septemberwochenende stattfinden. Am 11.09. tritt das explosive Eintagesrennen die Bühne für Sprinter und Klassikerjäger frei, die um einen wichtigen Sieg kämpfen. Wir blicken auf das Profil.
Das Rennen wurde 2010 gemeinsam mit seinem „Zwilling“, dem GP de Montréal, erstmals ausgetragen. Von Beginn an war es hochkarätig besetzt: Thomas Voeckler gewann die Premiere, 2011 siegte Philippe Gilbert in seinem goldenen Jahr. Über das Jahrzehnt dominierten meist Puncheure, auffällig dabei: Sowohl Peter Sagan als auch Michael Matthews gewannen in den späten Jahren jeweils zweimal in Serie.
2022, nach der Covid-19-Pause, triumphierte Benoît Cosnefroy in Québec. 2023 gewann Arnaud De Lie, 2024 drehte Michael Matthews die Uhr zurück und siegte erneut; 2025 öffnete der neu gestaltete Rundkurs das Rennen, Julian Alaphilippe holte dort seinen letzten Karrieresieg.
Streckenprofil: Québec - Québec
Québec - Québec, 205 Kilometer
Der GP de Québec führt über 205 Kilometer, verteilt auf 18 Runden von knapp 12,5 km, mit insgesamt rund 2.500 Höhenmetern. Es ist ein welliges Rennen, jede Runde enthält einen Anstieg, doch dieses Jahr gibt es im Finale eine markante Änderung.
Die erste Hälfte des Rundkurses führt aus der Innenstadt von Québec hinab zum Fluss und deckt die ersten fünf Kilometer ab. Die folgenden vier sind flacher und geben den Teams Zeit, sich zu ordnen und ihre Kapitäne vor den entscheidenden Anstiegen zu positionieren.
Der Schluss ist deutlich härter als in den vergangenen Jahren. Statt der vertrauten doppelten Rampe mit Abfahrt dazwischen wartet nun die Côte de la Montagne, gefolgt von einem direkten Anzug zur Ziellinie. 600 Meter mit 8 % im Schnitt — mit Rampen bis 17 % — machen diesen brutalen, explosiven Anstieg zum Terrain für Puncheure und Kletterer, nicht für Sprinter. Vom Scheitel bleiben nur 1,2 km falsche Ebene bis ins Ziel. Ein Finale, das späte Attacken einlädt und den schnellen Männern die Beine leert.
Vorschau GP de Quebec 2026
Remco Evenepoel – Der Olympiasieger reist ohne allzu
großen Druck nach Quebec. Sein großes Ziel sind die Weltmeisterschaften,
während Montreal das Rennen sein dürfte, auf das er an diesem Wochenende
besonders abzielt. Das könnte bedeuten, dass Evenepoel bereits früh in die
Offensive geht, um seine Form zu testen und wieder in den Rennrhythmus zu
kommen. Will er dagegen konservativer fahren und um den Sieg kämpfen, besitzt
er auch im Sprint die nötigen Qualitäten. Dafür müsste allerdings ein anderes
Team das Rennen am gesamten Schlussanstieg extrem hart machen.
UAE – UAE Team Emirates - XRG tritt hier mit einer
Mannschaft an, die auch bei der Tour de France stehen könnte: Isaac del
Toro, Brandon McNulty, Jhonatan Narvaez, Adam Yates, Tim Wellens, Felix
Grossschartner und Florian Vermeersch. Luxus pur – entsprechend groß
dürfte der Druck sein, ein Ergebnis zu liefern. Vermeersch und Grossschartner
sollten vor allem als Helfer eingesetzt werden, während Tour-of-Britain-Sieger
Tim Wellens gemeinsam mit Brandon McNulty bei frühen taktischen Angriffen
mitgehen oder diese sogar selbst initiieren könnte. Adam Yates ist kein
explosiver Fahrer und dürfte eine unterstützende Rolle übernehmen. Er kann
jedoch enorm wertvoll sein, um das Rennen vor einer Attacke am Anstieg schwer
zu machen.
Das Team besitzt zwei Hauptoptionen auf den Sieg. Del Toro
könnte attackieren, verfügt aber möglicherweise auch über die Beine, um im
Sprint zu gewinnen. Narvaez wiederum ist der stärkste reine Puncheur im Rennen.
Sollte er sich entsprechend gut fühlen, wäre es keine Überraschung, wenn Del
Toro entweder früh angreift oder am Schlussanstieg das Tempo für seinen
Teamkollegen verschärft.
Paul Seixas – Unterstützt von Tiesj Benoot, Paul
Lapeira und Nicolas Prodhomme kehrt der Franzose nach der Tour de France ins
Renngeschehen zurück. Es ist nicht davon auszugehen, dass er seinen
Wiedereinstieg ruhig angehen wird. Seine Form sollte gut sein, und obwohl das
Rennen nicht perfekt zu seinem Profil passt, dürfte der Decathlon-Kapitän
durchaus konkurrenzfähig sein. Unter den Kletterern gehört er zwar nicht zu den
schnellsten Sprintern, besitzt aber dennoch einen guten Endspurt und kommt mit
kurzen, intensiven Belastungen hervorragend zurecht. Sollte Seixas tatsächlich
das Gefühl haben, den Unterschied machen zu können, wäre sogar eine späte
Attacke denkbar.
Tom Pidcock – Der Brite kann nicht auf die gleiche
mannschaftliche Stärke wie einige seiner Konkurrenten bauen. Seine beste
Strategie dürfte deshalb darin bestehen, das Feld möglichst lange
zusammenzuhalten und auf einen Sprint zu setzen. Pidcock kommt unmittelbar von
seinem Sieg bei den Mountainbike-Weltmeisterschaften, sodass an seiner Form
kaum Zweifel bestehen. Kurze Belastungen liegen ihm perfekt, zudem besitzt er
einen starken Sprint. Pidcock könnte sowohl die Beine haben, um Attacken zu
folgen, als auch genau die richtige Mischung an Fähigkeiten für einen Sprint
bei diesem Bergauf-Finale mitbringen.
Doch auch abseits der großen Favoriten und Topteams gibt es
enorm viel zu beachten. Einige Mannschaften sind in der Breite sogar noch
stärker aufgestellt. Lidl-Trek beispielsweise geht mit Juan Ayuso, Giulio
Ciccone, Derek Gee, Quinn Simmons, Tom Skujins und Matteo Sobrero an den
Start. Damit steht in Kanada praktisch eine komplette Tour-de-France-Mannschaft
am Start. Da das Team keinen eindeutigen Topfavoriten besitzt, dürfte Lidl-Trek
das Rennen offensiv gestalten.
Visma - Lease a Bike besitzt mit Matteo Jorgenson und
Louis Barre zwei Fahrer für Attacken, EF kann auf Ben Healy und Alex
Baudin setzen, Lotto auf Lennert van Eetvelt und Jenno Berckmoes,
während INEOS mit Andrew August und Magnus Sheffield vertreten
ist. Auch Fahrer wie Mauro Schmid, Afonso Eulalio, Marc Hirschi und Yannis
Voisard müssen berücksichtigt werden.
Und was passiert, wenn es auf einen Sprint hinausläuft?
Historisch gesehen war das häufig der Fall. Im vergangenen Jahr wurde der
Rundkurs jedoch schwieriger gestaltet, und am Schlussanstieg bleibt den
Sprintern kaum noch eine Möglichkeit zur Erholung – wenn überhaupt. Die
Belastung ist nun deutlich kontinuierlicher und kommt damit den Puncheuren und
insbesondere den Kletterern stärker entgegen.
Dennoch werden einige Teams ein großes Interesse daran
haben, das Rennen zu kontrollieren. Selbst wenn zwischenzeitlich eine
gefährliche Gruppe davonzieht, könnte es bei erfolgreicher Verfolgung am Ende
noch zu einem Sprint um den Sieg kommen. Michael Matthews sticht für
dieses Szenario besonders hervor, da er die perfekte Kombination aus
Kletterstärke und Sprintfähigkeit besitzt. Auch Corbin Strong ist
hervorragend für ein solches Finale geeignet. Beide benötigen dafür allerdings
ihre absolute Topform – und die ist nicht immer garantiert.
Anders Foldager, Edoardo Zambanini, Quinten Hermans,
Kaden Groves und Guillermo Tomas Silva gehören ebenfalls zu den
Fahrern, die auf genau dieses Szenario hoffen dürften.
Prognose GP de Québec 2026:
*** Isaac del Toro, Tom Pidcock, Remco Evenepoel
** Paul Seixas, Jhonatan Narváez, Michael Matthews
* Brandon McNulty, Tim Wellens, Giulio Ciccone, Quinn Simmons, Jenno Berckmoes, Lennert van Eetvelt, Louis Barré, Matteo Jorgenson, Corbin Strong, Guillermo Thomas Silva, Mauro Schmid
Unser Tipp: Isaac del Toro
Wie? Sprint aus der kleinen Gruppe.
Siegerliste GP de Québec
| Jahr | 1. | 2. | 3. |
| 2025 | Julian Alaphilippe | Pavel Sivakov | Alberto Bettiol |
| 2024 | Michael Matthews | Biniam Girmay | Rudy Molard |
| 2023 | Arnaud De Lie | Corbin Strong | Michael Matthews |
| 2022 | Benoît Cosnefroy | Michael Matthews | Biniam Girmay |
| 2021 | — | — | — |
| 2020 | — | — | — |
| 2019 | Michael Matthews | Peter Sagan | Greg Van Avermaet |
| 2018 | Michael Matthews | Greg Van Avermaet | Jasper Stuyven |
| 2017 | Peter Sagan | Greg Van Avermaet | Michael Matthews |
| 2016 | Peter Sagan | Greg Van Avermaet | Anthony Roux |
| 2015 | Rigoberto Urán | Michael Matthews | Alexander Kristoff |
| 2014 | Simon Gerrans | Tom Dumoulin | Ramūnas Navardauskas |
| 2013 | Robert Gesink | Arthur Vichot | Greg Van Avermaet |
| 2012 | Simon Gerrans | Greg Van Avermaet | Rui Costa |
| 2011 | Philippe Gilbert | Robert Gesink | Rigoberto Urán |
| 2010 | Thomas Voeckler | Edvald Boasson Hagen | Robert Gesink |