„Giulio kam mindestens zehnmal fragen“ – Vismas Campenaerts schildert Ciccones unerbittliches Drängen auf Freigabe für die Ausreißergruppe

Radsport
Montag, 18 Mai 2026 um 12:00
Collage_VictorCampenaertsGiulioCiccone
Hinter den Kulissen eines Profi-Radrennens gibt es viele Absprachen, Arrangements und Gentlemen’s Agreements, die außen nie sichtbar werden. Manchmal greifen aber nicht einmal die. Victor Campenaerts verriet, dass auf der 9. Etappe Giulio Ciccone mehrfach bei Visma um Freifahrt für die Tagesflucht bat. Am Ende jagte jedoch ein anderes Team hinterher.
„Wir dachten, wir geben es an die Ausreißer weg. Die Gruppe zu kontrollieren hätte viel Energie gekostet, aber mein guter Freund Oliver Naesen sagte ziemlich schnell: ‚Wenn ihr es nicht macht, machen wir es‘“, sagte Campenaerts bei Sporza.
Der Decathlon-Profi hatte Campenaerts die Teampläne für den Tag gesteckt: eine Etappe lang Tempo, um Felix Gall die Chance auf den Tagessieg zu eröffnen. Während Jonas Vingegaard Zweiter wurde, war es fürs Gesamtklassement dennoch ein sehr ertragreicher Tag für die französische Mannschaft.
„Ich will ihm nicht zu viel Lorbeeren geben, aber sie haben einen sehr guten Job gemacht. Und Felix Gall wurde Zweiter, ich denke, damit sind sie zufrieden, weil andere Fahrer Zeit verloren haben.“

Visma lässt Ciccone in die Flucht, doch es sollte nicht sein

Nicht alle waren jedoch mit der Arbeit von Decathlon einverstanden. Manche waren extrem unglücklich, etwa Giulio Ciccone. Der Italiener fand keine Mitstreiter und verlor sein Rosa Trikot auf der 5. Etappe nach nur einem Tag; auf der 8. Etappe erhielt er keinen Freifahrtschein für die siegreiche Gruppe und wurde persönlich vom Gesamtführenden Afonso Eulálio gedeckt.
Auf der 9. Etappe wurde er am Start erneut eng bewacht. „Die Decathlon-Jungs haben mich ständig zurückgeholt. Ich habe da durch die vielen Versuche viel Energie verschwendet.“ Ciccone kam später am Tag doch noch nach vorn, doch Decathlons Tempoarbeit stellte ihn kurz vor der Flamme Rouge.
Und das nach zahlreichen Gesprächen mit Visma-Fahrern, um abzuklären, ob er dürfe oder nicht. „Schade für die Ausreißer. Giulio [Ciccone] kam bestimmt zehnmal fragen, ob es für uns okay sei, und das war es. Tja, so läuft es: Decathlon CMA CGM fuhr auf der Ebene, wir positionierten uns am Berg. Aber Jonas sagte: ‚Jungs, ich fühle mich sehr gut.“

Einzelzeitfahren spielt Visma in die Karten

Für das niederländische Team lief es ideal: Vorsprung auf die Hauptkonkurrenten ausgebaut, den Etappensieg geholt, an die Spitze der Mannschaftswertung geklettert und das nahezu ohne eigene Führungsarbeit über weite Teile der Etappe.
Der Dienstag bringt mit Etappe 10 ein Schlüssel-Zeitfahren, in dem Jonas Vingegaard die Gesamtführung übernehmen dürfte. „Er ist super stark, und wir hatten vorher schon Vertrauen. Gall fährt ebenfalls fantastisch, ist aber vielleicht ein etwas weniger begnadeter Zeitfahrer.“
„Wir sind zuversichtlich, dass das Zeitfahren zu unseren Gunsten ausgeht. Wir liegen bereits auf einem schönen zweiten Platz und gehen mit gutem Gefühl in den Ruhetag.“
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