Der Giro d’Italia 2026 findet vom 08. bis 31.05. statt. Er ist die erste Grand Tour der Saison, mit 21 Etappen durch zahlreiche italienische Metropolen, die mythischen Alpen und tückische Abschnitte – jede kann die Hoffnungen der Kletterer zerstören. Wir blicken auf Etappe 7, die voraussichtlich um 10:55 startet und gegen 16:45 endet.
Profil Etappe 7: Formia - Blockhaus
Etappe 7: Formia - Blockhaus, 245 Kilometer
Die längste Etappe des Rennens, und der Giro serviert etwas Seltenes: eine Bergetappe mit über 200 Kilometern. Tour und Vuelta haben dieses Format fast völlig aufgegeben, der Giro belebt die klassische Formel neu.
Brutal ist sie nicht, doch im Apennin gibt es kaum flache Straßen, und die zweite Rennhälfte ist bereits vor dem Blockhaus sehr anspruchsvoll. Der Start in Formia bringt sofort Kletterterrain, ideal für eine starke Ausreißergruppe.
Es ist jedoch eine sehr lange Etappe, Ausdauer zählt, und Kräfte sparen bis zum Schlussanstieg ist entscheidend. Dadurch können die Abstände deutlich wachsen. 4400 Höhenmeter sind zu bewältigen, bislang die härteste Prüfung der Corsa Rosa. Ein Großteil davon liegt in den letzten 110 Kilometern mit vier Anstiegen – nur einer klassifiziert – vor dem Finale.
Dieses führt hinauf zum mythischen Blockhaus, vielleicht dem härtesten Berg im Apennin. Die gewählte Seite ist nicht die längste, aber die 13 Kilometer ziehen extrem steil und gleichmäßig an und werden große Unterschiede schaffen.
Die Durchschnittssteigung beträgt 8,6%, ähnlich der Alpe d’Huez, jedoch auf einer deutlich exponierteren Straße, auf der auch der Wind eine Rolle spielen kann. Als erste echte Bergetappe wird sie die Anwärter auf den Gesamtsieg klar von den übrigen trennen und die Hierarchie im Rennen deutlich ordnen.
Die Favoriten
Jonas Vingegaard – Der Mann, den es für Etappe und Gesamtwertung zu schlagen gilt. Bahrain wird den extrem langen Tag mitkontrollieren wollen, um Rosa zu verteidigen. Kaum ein anderes Team wird Verantwortung übernehmen wollen oder müssen. Visma hat zudem einen Fahrer verloren, der Abstand der Flucht kann daher groß werden. Am Schlussanstieg ist die Müdigkeit aber maximal und der Berg brutal, daher ist Vingegaard klarer Topfavorit. An so einem Tag kann er, hat er die Beine, riesige Lücken reißen, und Visma wird am Schlussanstieg das Tempo forcieren.
Giulio Pellizzari – Für alle anderen gilt: folgen, bis Vingegaard attackiert, dann im eigenen Rhythmus bis ins Ziel. Keine unnötigen Risiken, keine falschen Entscheidungen. Bei BORA sollten weder Pellizzari noch
Jai Hindley füreinander fahren, sondern jeweils ihr eigenes Tempo wählen. Der Italiener ist wohl Favorit Nummer zwei, doch die Lücke zu Vingegaard dürfte substanziell sein.
Afonso Eulálio – Wie gesagt, Bahrain ist das einzige Team mit echtem Interesse an Tempoarbeit. Nicht verbrennen, aber die Basis legen. Hat sich Eulálio von seinem Sturz auf Etappe 5 erholt, ist eine starke Kletterleistung möglich, vielleicht ein Top-10-Resultat. Dann dürfte er Rosa bis ins Zeitfahren verteidigen; er ist ein sehr starker Pur-Kletterer und liebt solche Steigungen. Damiano Caruso wird an seiner Seite bleiben und führen, wichtig ist, dass die Blessuren abgeklungen sind.
Igor Arrieta von UAE dürfte ebenfalls auf ein Spitzenresultat zielen, ein Giro-Top-10 liegt im Bereich des Möglichen. Auf dem Papier ist dies der erste große GC-Tag, viele werden testen, wo sie im Kräfteverhältnis stehen.
Wie bei Pellizzari sind Attacken dieser Fahrer eher nicht zu erwarten, eher ein Formbarometer. Auf dem Profil ist ein sehr starker Felix Gall zu erwarten; Thymen Arensman und Michael Storer sind aus meiner Sicht die zwei weiteren Hauptkandidaten fürs Podium.
Heimnah und in Form dürfte Giulio Ciccone hier eine gute Etappe zeigen, auch wenn er die Gesamtwertung wohl nicht langfristig fährt – diese Verantwortung liegt eher bei Derek Gee, dessen Formkurve aber noch steigen muss.
Egan Bernal, Ben O'Connor, Enric Mas, Mathys Rondel und Lennert van Eetvelt gehören zu den weiteren Namen, die um die Top 10 kämpfen werden.
Geht die Etappe an die Ausreißer – was gut möglich ist, denn einen 245-Kilometer-Bergtag zu kontrollieren ist selbst bei Absicht schwer – rücken einige Fahrer in den Fokus, die bereits Zeit verloren haben, aber stark bergauf sind. Javier Romo, Einer Rubio, Harold Martín López, Andreas Leknessund, Filippo Zana, Wout Poels und Alessandro Pinarello sind Namen, die man auf dem Zettel haben sollte.
Prognose Giro d’Italia 2026 Etappe 7
⭐⭐⭐ Jonas Vingegaard
⭐⭐ Giulio Pellizzari, Thymen Arensman, Felix Gall
⭐ Jai Hindley, Giulio Ciccone, Derek Gee, Michael Storer, Enric Mas, Lennert van Eetvelt, Einer Rubio, Alessandro Pinarello, Filippo Zana, Wout Poels
Tipp: Jonas Vingegaard
Wie: Solosieg.