Wout van Aert war bei
Dwars door Vlaanderen 2026 nur wenige Meter vom Sieg entfernt, wurde nach einem langen Solo jedoch im finalen Sprint von
Filippo Ganna gestellt. Auf dem Papier wirkt es wie ein weiterer knapp verpasster Coup, doch eine der prägendsten Stimmen im belgischen Radsport zeichnet ein anderes Bild.
„Man darf Filippo Ganna nicht unterschätzen“, sagte José De Cauwer bei Sporza nach dem Rennen. „Der Kerl war letztes Jahr in Sanremo mit Van der Poel und Pogacar dabei. Wenn er in Form ist, hat er immer noch einen starken Sprint. Ich denke, ihn zu schlagen, war schwierig.“
Gannas Leistung rückt Van Aerts Niederlage in ein neues Licht
Van Aert hatte das Rennen am Eikenberg geprägt, die entscheidende Selektion erzwungen und sich dann in den Schlusskilometern voll committed. Von dort fuhr er allein vorweg, hielt ein zersplittertes, sich aber zunehmend organisierendes Verfolgerfeld lange auf Distanz.
Als der Vorsprung im letzten Kilometer zu schmelzen begann, änderte sich die Dynamik. Aus der reinen Kollektivjagd wurde die Frage, wer nach einem schnellen, zermürbenden Tag noch den letzten Antritt parat hatte.
De Cauwer verwies in seiner Analyse genau auf diesen Unterschied. „Ganz und gar nicht, denn er weiß, dass er ein starkes Rennen gefahren ist und Eindruck hinterlassen hat“, antwortete er auf die Frage, ob die Niederlage schwer wiegen werde. „Dieser Van Aert ist völlig bereit für die Flandern-Rundfahrt.“
Damit verschiebt sich der Fokus weg von dem, was Van Aert verpasst hat, hin zu dem Niveau, das nötig war, um ihn an diesem Tag zu schlagen.
Taktische Fragen, aber keine Reue
Im Finale blieben dennoch Szenen, die man diskutieren kann. Als die Verfolger dahinter Ordnung fanden, beeinflussten Entscheidungen in der Gruppe, wie schnell die Lücke schrumpfte. „Ich hätte früher und aggressiver blockiert“, sagte De Cauwer. „Manchmal kann das auch nach hinten losgehen. Und dann war da noch diese späte Ablösung von
Florian Vermeersch.“
Der Belgier stellte rasch klar, dass es nicht um Schuldzuweisungen gehe, sondern um die minimale Differenz im Endergebnis. „Er will zurückkommen, hat aber nicht mehr die Beschleunigung von Ganna. Der hatte noch etwas übrig. Hätte Vermeersch es anders gefahren, wären sie nicht so nahe herangekommen. Aber Vermeersch fährt, um zu gewinnen.“
Formnachweis vor Flandern
Entscheidend blieb die übergeordnete Schlussfolgerung unverändert. Van Aerts Auftritt, vom Angriff am Eikenberg bis zum langen Solo an der Spitze, hinterließ vor der Flandern-Rundfahrt einen klaren Eindruck. „Ganz und gar nicht, denn er weiß, dass er ein starkes Rennen gefahren ist und Eindruck hinterlassen hat“, wiederholte De Cauwer. „Dieser Van Aert ist völlig bereit für die Flandern-Rundfahrt.“
Im Zusammenspiel mit dem Verweis auf Gannas Niveau ergibt sich eine eindeutige Botschaft. Es war keine Niederlage, die Schwächen offenlegte, sondern eine, die den Standard an der Spitze der Klassiker unterstrich.
Van Aert brach im Finale nicht ein. Er wurde von einem Fahrer eingeholt, der eine Leistung auf höchstem Niveau abrufen konnte – wenige Meter vor der Linie.