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Juri Hollmann vom Team Alpecin - Deceuninck endete die Karriere auf der 6. Etappe des Giro d’Italia im vergangenen Jahr abrupt. Der Deutsche geriet in einen folgenschweren Massensturz, der den gesamten Renntag überschattete. Nun spricht er offen über seine schweren Verletzungen - und darüber, wie knapp er dem Tod entkam.
Die sechste Etappe wurde von einem Crash mit Dutzenden Fahrern auf einer Abfahrt geprägt. Technisch galt sie nicht als besonders anspruchsvoll, doch die extrem rutschige Fahrbahn verwandelte sie in eine gefährliche Rutschbahn. Mehrere Profis gingen zu Boden, andere konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen und stürzten ebenfalls. Neben Jai Hindley und Jan Hirt zog sich auch Hollmann rennbeendende Verletzungen zu - doch den heute 26-Jährigen traf es am schlimmsten.
„Ich prallte mit 70 Kilometern pro Stunde gegen ein Verkehrsschild“
„Ich prallte mit 70 Kilometern pro Stunde gegen ein Verkehrsschild. Die Ärzte vermuten, dass mein Oberschenkel das Schild traf, es in mein Becken drückte und so einen offenen Bruch verursachte“,
berichtet Hollmann in der Dokumentation „Die dunkle Seite des Radsports“, die Ex-Profi und Landsmann
Rick Zabel teilte.
Er erlitt schwere Brüche am Becken und am Arm, die eine intensive medizinische Behandlung erforderten. Kurz darauf verschärfte eine Lungenembolie die Situation dramatisch. „Blutgerinnsel hatten meine Lunge komplett blockiert. Es war knapp. Ehrlich gesagt ist es ein Wunder, dass ich überlebt habe“, erklärt er.
Drei Monate im Rollstuhl nach dem Sturz
Im Sommer und Herbst zeichnete sich immer deutlicher ab, dass seine Karriere wegen der langen Rehabilitationsphase auf der Kippe stand. Vier Platten und 24 Schrauben stabilisierten die Frakturen. Drei Monate verbrachte er im Rollstuhl, mehrere Klinikaufenthalte begleiteten seinen Genesungsprozess.
Erst nachdem die Ärzte die Lungenembolie behandelt hatten, konnten sie das zertrümmerte Becken operieren. Nach dem Eingriff mit vier Platten und 24 Schrauben blieb Hollmann weitere fünf Wochen in Antwerpen. Anschließend wechselte er für acht Wochen zur Reha in eine Berliner Klinik.
Insgesamt saß er drei Monate im Rollstuhl. Erst im August kehrte er nach Hause zurück, im Oktober konnte er erstmals ohne Krücken gehen. Eine Rückkehr in den Profi-Radsport blieb jedoch ausgeschlossen, da Nervenschäden ihm nur noch Fahrten von maximal zwei Stunden pro Tag erlauben.
Hollmann bleibt dem Pro-Team dennoch erhalten - künftig als Mitglied des Staffs. Zudem erhält er die Möglichkeit, im Gelände für eines der Canyon-Teams Rennen zu bestreiten.