Die
Strade Bianche Donne 2026 lieferten genau das Spektakel, das viele erwartet hatten. Mehrere Topfavoritinnen verloren ihre Chancen, nachdem sie versehentlich einem Motorrad vom Kurs gefolgt waren. Defekte und Platten wirbelten das Rennen zusätzlich durcheinander. Attacken auf den Schottersektoren brachten keine klare Vorentscheidung - und nach der brutalen Via Santa Caterina fiel die Entscheidung erst im Sprint mehrerer Fahrerinnen. Am Ende feierte
Elise Chabbey von FDJ United - Suez den größten Sieg ihrer Karriere.
Ein klassischer Ausreißversuch kam an diesem Tag nie wirklich zustande. Die Mischung aus kurzen, steilen Anstiegen, engen und technisch anspruchsvollen Straßen sowie den legendären Schotterpassagen sorgte permanent für Positionskämpfe im Feld. Das Tempo blieb hoch, niemand konnte sich entscheidend absetzen. Wer früh Kräfte investierte, bekam dafür keinen entscheidenden Vorsprung.
Chaos durch Defekte und Fehlleitung des Feldes
Das Rennen entwickelte sich stattdessen zu einem gnadenlosen Ausscheidungsfahren. Defekte und Reifenschäden trafen schon früh mehrere Favoritinnen. Unter anderem mussten Anna van der Breggen, Pauline Ferrand-Prevot und
Demi Vollering Probleme lösen. Besonders bitter: Vollering und Ferrand-Prevot verloren Zeit bei der ersten Passage des Schlüsselabschnitts Le Tolfe. Genau in diesem Moment nutzte
Elisa Longo Borghini die Situation, attackierte entschlossen und sprengte das Feld. Nach der ersten entscheidenden Sektorenkombination blieben nur noch rund ein Dutzend Fahrerinnen an der Spitze, dahinter formierte sich eine stark besetzte Verfolgergruppe.
32 Kilometer vor dem Ziel nahm das Rennen dann eine dramatische Wendung. Ein vorausfahrendes Motorrad führte die Verfolgergruppe in die falsche Richtung und nahm sie damit faktisch aus dem Rennen. Fahrerinnen wie Vollering, van der Breggen, Ferrand-Prevot, Lotte Kopecky und Kim Le Court verloren schlagartig massiv Zeit. Für sie waren die realistischen Siegchancen damit endgültig dahin.
Die Entscheidung musste somit in der Spitzengruppe fallen. Am Colle Pinzuto - rund 18 Kilometer vor dem Ziel - griffen Elisa Longo Borghini und Elise Chabbey an und setzten sich kurzzeitig ab. Das Feld reagierte jedoch schnell und stellte das Duo wieder. Wenige Kilometer später entstand auf dem Schotter von Le Tolfe eine neue Spitzengruppe mit Longo Borghini, Puck Pieterse und Katarzyna Niewiadoma.
Doch auch dieses Trio fand keinen perfekten Rhythmus. In den folgenden Kilometern gelang es mehreren Fahrerinnen, wieder aufzuschließen. Sieben Athletinnen erreichten gemeinsam den Schlussanstieg nach Siena. Marianne Vos musste jedoch bereits am Fuß der Via Santa Caterina abreißen lassen und verlor den Anschluss endgültig.
Elisa Longo Borghini führte die Gruppe über die brutale Rampe mit bis zu 16 Prozent Steigung und erreichte als Erste die Kuppe. Vier Fahrerinnen blieben danach gemeinsam an der Spitze und eröffneten einen packenden Sprint durch die engen Gassen von Siena. Elise Chabbey positionierte sich in den technischen Kurven perfekt und setzte auf der Piazza del Campo den entscheidenden Sprint. Die Schweizerin gewann vor Katarzyna Niewiadoma und Franziska Koch. Longo Borghini musste sich nach einem enormen Kraftakt mit Rang vier zufriedengeben.