Die
Tour de France entwickelt sich im Kampf um das Gelbe Trikot zunehmend zu einem Déjà-vu der vergangenen Ausgabe.
Tadej Pogacar präsentiert sich einmal mehr als dominierende Kraft im Gesamtklassement. Hinter den Kulissen ist EF Education-EasyPost-Profi
Michael Valgren, Landsmann von
Jonas Vingegaard, überzeugt, dass der Weltmeister seinen größten Rivalen mit einer ganz besonderen Motivation bekämpft.
„Gegenüber den Medien ist Pogi fröhlich und all das, aber ich glaube, er hegt so etwas wie einen Groll gegen Jonas“, erklärte Valgren im
Domestique Hotseat Podcast. „Er will ihn in einen Sarg legen, zumindest mental.“
Valgren sieht Pogacar in einem besonderen Modus
Seine Einschätzung äußerte Valgren während der laufenden Tour de France, bei der er selbst mit EF Education-EasyPost im Kampf um das Gesamtklassement keine Rolle spielt. Dennoch bestimmt das Duell zwischen Pogacar und Vingegaard erneut die Schlagzeilen des Rennens.
Tadej Pogacar könnte laut Michael Valgren die 10. Tour-Etappe nutzen, um den Vorsprung auf Jonas Vingegaard weiter auszubauen.
Seit 2021 haben Pogacar und Vingegaard bei jeder Austragung der Grande Boucle die ersten beiden Plätze im Gesamtklassement belegt. Auch 2026 deutet vieles darauf hin, dass sich daran nichts ändern wird. Auf der Etappe nach Gavarnie nahm der Slowene der Konkurrenz bereits deutlich Zeit ab und verschaffte sich damit eine komfortable Ausgangsposition.
Nachdem Vingegaard die Tour de France 2022 und 2023 gewann und damit Pogacars angestrebte Siegesserie unterbrach, die inzwischen bei sechs Gesamterfolgen stehen könnte, ist Valgren überzeugt, dass insbesondere Visma - Lease a Bike und dessen Rennstrategie den Slowenen zusätzlich motivieren. Aus seiner Sicht geht es Pogacar inzwischen nicht mehr ausschließlich darum, die Tour zu gewinnen.
Auf der 10. Etappe spielt das Profil mit seinen kürzeren Anstiegen Pogacar in die Karten. Valgren erwartet deshalb, dass UAE Team Emirates - XRG die Gelegenheit nutzen wird, um den Druck auf die Konkurrenz weiter zu erhöhen und den Vorsprung im Gesamtklassement auszubauen – ausgerechnet auf den Straßen, auf denen Vingegaard den Slowenen vor zwei Jahren bezwingen konnte.
„Ich denke, sie werden Vollgas geben und versuchen, Jonas noch einmal zu begraben, ihn mental richtig weichzukochen“, sagte der Däne. „Es ist fast, als ob Pogačar denkt: ‚Das war das letzte Mal, dass er mich geschlagen hat, aber jetzt schlage ich ihn umso eindeutiger.‘ Das ist meine Sorge für morgen.“
EF Education-EasyPost setzt alles auf den Etappensieg
Für die Ausreißer des Tages sind diese Aussichten alles andere als vielversprechend – das weiß auch Valgren. „Vielleicht sind wir einzeln betrachtet nicht die Stärksten. Aber als Gruppe sind wir hier wohl die beste Ausreißer-Mannschaft.“
Richard Carapaz war als Kapitän von EF Education-EasyPost in die Tour gestartet, spielt im Gesamtklassement inzwischen jedoch keine Rolle mehr. Da das Team weder einen aussichtsreichen Sprinter für die Flachetappen noch einen Spezialisten für das Zeitfahren im Aufgebot hat, richtet sich der Fokus konsequent auf Etappensiege aus Fluchtgruppen.
Der große Erfolg blieb bislang zwar aus, doch Alex Baudin konnte zwischenzeitlich das Bergtrikot übernehmen, und mehrere Fahrer präsentierten sich in guter Verfassung. Entsprechend fällt Valgrens Zwischenfazit differenziert aus: „Ich würde nicht sagen, dass es eine erfolgreiche Tour war, wenn wir jetzt stoppen, aber es wäre auch nicht das Schlimmste.“