UAE Team Emirates - XRG sieht sich bei der
Tour de France ungewohnter Kritik ausgesetzt. Dabei geht es nicht um mangelnde Leistungen, sondern vielmehr um das Gegenteil: Die Mannschaft dominiert bislang die Bergetappen und hügeligen Finals und steht wegen ihrer konsequenten Rennkontrolle im Fokus.
Florian Vermeersch, der einen Großteil dieser Arbeit übernimmt, kann die Vorwürfe allerdings nicht nachvollziehen.
Mit Etappensiegen von Isaac del Toro und Tadej Pogacar auf den Etappen zwei, drei und sechs sowie der erfolgreichen Verteidigung des Gelben Trikots bis in die zweite Rennwoche hat das Team seine Ambitionen eindrucksvoll unterstrichen. Für Diskussionen sorgte jedoch insbesondere die 9. Etappe, auf der UAE Team Emirates - XRG den gesamten Tag die Nachführarbeit übernahm, die Ausreißer letztlich aber dennoch nicht mehr einholen konnte.
Vermeersch zeigt kein Verständnis für die Vorwürfe
Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgten die Aussagen von Movistar-Sportdirektor José Joaquin Rojas am Ruhetag. „Was UAE gestern gemacht hat, ergab keinen Sinn“, sagte er. „Ich spreche mit 85 Prozent der Sportdirektoren und alle sehen das gleich. UAE kann machen, was es will, so ist der Radsport, aber es gibt auch ungeschriebene Regeln, die man respektieren sollte.“
Welche ungeschriebene Regel Rojas konkret meint, bleibt allerdings offen. Seine Kritik reiht sich in den Vorwurf ein, UAE Team Emirates - XRG lasse Ausreißergruppen kaum gewähren und kontrolliere Fluchtversuche konsequent. Auffällig ist dabei, dass Movistar bei dieser Tour de France nahezu ausschließlich auf Etappensiege aus Ausreißergruppen setzt. Das spanische Team hat keinen Sprinter im Aufgebot und verlor mit Cian Uijtdebroeks früh seine Option auf eine gute Platzierung im Gesamtklassement.
Für Florian Vermeersch, dessen Aufgabe es ist, das Gelbe Trikot zu verteidigen und die Interessen seiner Mannschaft durchzusetzen, entbehrt diese Kritik jeder Grundlage. Aus seiner Sicht läuft der Vorwurf letztlich darauf hinaus, dass UAE Team Emirates - XRG anderen Teams bewusst Etappensiege überlassen solle.
„Ich finde nicht, dass wir unser hohes Niveau rechtfertigen müssen. Oder anders gesagt: Man kann doch nicht erwarten, dass wir absichtlich schlechter fahren, nur damit es spannender wird“, erklärte Vermeersch im Gespräch mit
Het Laatste Nieuws.
„Jedes Team würde in unserer Situation genauso handeln“
Der Belgier hatte bereits im Frühjahr einen wichtigen Anteil an den Erfolgen von Tadej Pogacar und überzeugte mit starken Helferdiensten. Seine konstanten Leistungen brachten ihm schließlich einen Platz im Tour-Aufgebot ein. Gemeinsam mit Nils Politt, Tim Wellens und Felix Grossschartner trägt er maßgeblich dazu bei, Ausreißergruppen unter Kontrolle zu halten.
Genau dieses dominante Auftreten brachte UAE Team Emirates - XRG in den sozialen Medien den Vorwurf ein, besonders gierig zu agieren und möglichst jeden Erfolg an sich reißen zu wollen. Vermeersch hält diese Kritik jedoch für unbegründet. Aus seiner Sicht würde jede Spitzenmannschaft in derselben Situation identisch handeln.
„Schwieriger finde ich den Vorwurf, wir seien gierig und gönnten niemandem etwas. Jeder Fahrer und jedes Team würde in unserer Situation dasselbe tun.“