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„Er kann sich nicht mehr viele Fehltritte leisten“ – Bahrain Victorious erhöht Druck auf Antonio Tiberi und plant Giro-Chance für 2027

Radsport
durch Nic Gayer
Antonio Tiberi in Aktion auf Etappe 6 der Tour de France 2026
Antonio Tiberi steht bei Bahrain Victorious zunehmend unter Druck. Nach einer enttäuschenden Saison 2026 hat Sportdirektor Franco Pellizotti deutliche Kritik am italienischen Rundfahrtspezialisten geübt. Der 25-Jährige sei in zahlreichen Rennen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Gleichzeitig stellt ihm die Mannschaft für 2027 eine neue Chance beim Giro d'Italia in Aussicht – allerdings verbunden mit einer klaren Warnung.
Vor allem die fehlende Konstanz bereitet Pellizotti Sorgen. Dabei hatte Tiberi im Februar mit einem eindrucksvollen Etappensieg und dem zweiten Gesamtrang bei der UAE Tour einen nahezu perfekten Saisonauftakt hingelegt. Sein Triumph am anspruchsvollen Anstieg zum Jebel Mobrah ließ auf eine erfolgreiche Saison hoffen. Doch in den folgenden Monaten konnte der Italiener diese Leistungen kaum noch bestätigen.

Nach starkem Saisonauftakt folgt die Ernüchterung – Tiberi enttäuscht bei der Tour de France

Bei Tirreno-Adriatico, der Baskenland-Rundfahrt Itzulia, der Tour de Romandie und der Tour de Suisse blieb Tiberi weitgehend hinter den Erwartungen zurück. Über diese vier Rundfahrten hinweg gelangen ihm lediglich zwei Platzierungen unter den besten zehn Fahrern. Auch bei der Tour de France fand er nicht zu seiner gewohnten Stärke und beendete die Frankreich-Rundfahrt ohne nennenswerte Akzente auf dem enttäuschenden 37. Gesamtrang.
Antonio Tiberi vor Il Lombardia 2026.
Antonio Tiberi soll nach einer enttäuschenden Saison 2026 beim Giro d'Italia 2027 eine neue Chance erhalten. Bahrain-Victorious-Sportdirektor Franco Pellizotti fordert vom Italiener jedoch deutlich konstantere Leistungen.
Erst im September zeigte seine Formkurve wieder leicht nach oben. Bei drei italienischen Klassikern fuhr Tiberi jeweils in die Top Ten, ehe er bei der CRO Race den zweiten Gesamtrang belegte. Diese Ergebnisse konnten die insgesamt ernüchternde Saisonbilanz allerdings nur teilweise aufwerten. Nach seinem starken Auftritt bei der UAE Tour waren die Erwartungen an den Italiener deutlich höher gewesen.
Aus Sicht von Pellizotti hätte Tiberi möglicherweise besser daran getan, 2026 den Giro d'Italia statt der Tour de France zu bestreiten. Gerade bei der Frankreich-Rundfahrt vermisste der Sportdirektor die nötige Initiative. Statt selbst Akzente zu setzen, sei sein Fahrer dem Renngeschehen über weite Strecken lediglich hinterhergefahren.
„Wir hatten große Erwartungen an Antonio, aber bei vielen seiner Rennen blieb er weitgehend unauffällig“, erklärte Pellizotti gegenüber der Lega del Ciclismo Professionistico.

„Er fuhr ständig hinterher“ – Pellizotti fordert mehr Eigeninitiative

Der frühere italienische Profi sieht vor allem im Giro d'Italia eine Rundfahrt, die Tiberi zusätzliche Motivation geben könnte. Bei der Tour de France hätte er sich dagegen zumindest mit offensiven Aktionen und dem Kampf um Etappensiege bemerkbar machen müssen.
„Für einen italienischen Fahrer bietet der Giro mehr Motivation. Bei der Tour de France hätte er zumindest um Etappensiege kämpfen müssen. Er hätte in Ausreißergruppen gehen können. Stattdessen fuhr er ständig hinterher“, kritisierte Pellizotti.
Für die Saison 2027 zeichnet sich deshalb eine Rückkehr Tiberis zur italienischen Grand Tour ab. Bahrain Victorious möchte dem 25-Jährigen bei der Corsa Rosa eine neue Gelegenheit geben, sein Potenzial unter Beweis zu stellen. Allerdings ist das Vertrauen der Teamführung nicht mehr uneingeschränkt. Weitere enttäuschende Auftritte könnten seine Stellung innerhalb der Mannschaft gefährden, zumal mehrere jüngere Fahrer ebenfalls auf größere Verantwortung hoffen.
Pellizotti formulierte die Erwartungen entsprechend deutlich: „Von jetzt an kann er sich jedoch nicht mehr viele Fehltritte leisten. Wir haben auch andere junge Talente im Team, die sich entwickeln.“

Junge Teamkollegen überzeugen bei den Grand Tours – Tiberi muss sich behaupten

Dass Bahrain Victorious inzwischen über weitere vielversprechende Rundfahrtspezialisten verfügt, zeigte sich bereits in der Grand-Tour-Saison 2026. Während Tiberi bei der Tour de France enttäuschte, sorgten andere Fahrer der Mannschaft für deutlich positivere Schlagzeilen.
Beim Giro d'Italia überzeugte Afonso Eulalio mit dem sechsten Gesamtrang und durfte zwischenzeitlich sogar die Maglia Rosa des Gesamtführenden tragen. Lenny Martinez belegte bei der Tour de France einen starken fünften Platz. Bei der Vuelta a Espana feierte Jakob Omrzel einen Etappensieg und schloss die Rundfahrt auf dem siebten Gesamtrang ab.
Diese Ergebnisse unterstreichen, dass sich Tiberi seine Führungsrolle künftig verstärkt verdienen muss. Die Mannschaft verfügt über mehrere Fahrer, die bei dreiwöchigen Rundfahrten bereits bewiesen haben, dass sie um Spitzenplatzierungen kämpfen können.

Giro d'Italia 2027 als Neuanfang: „Antonio braucht die Unterstützung der Fans“

Trotz der öffentlichen Kritik hält Bahrain Victorious vorerst an Tiberi als möglichem Kapitän für den Giro d'Italia 2027 fest. Nach der Präsentation der neuen Streckenführung bestätigte Pellizotti gegenüber Tuttobiciweb, dass der Italiener aktuell für die Heimrundfahrt vorgesehen ist.
„Im Moment ist Tiberi für den Giro eingeplant. Antonio braucht die Unterstützung der Fans“, erklärte der Sportdirektor.
Eine Rückkehr zur Corsa Rosa könnte für Tiberi tatsächlich die passende Gelegenheit sein, seine Karriere wieder in die richtige Richtung zu lenken. Schließlich verbindet er mit dem Giro besonders positive Erinnerungen. Bei der Ausgabe 2024 belegte er den fünften Gesamtrang und gewann als bester Nachwuchsfahrer das Weiße Trikot.
Auch in den folgenden Jahren bewies er mehrfach, dass er bei hochklassigen Etappenrennen zu den stärksten Fahrern gehören kann. Podiumsplätze bei Tirreno-Adriatico und der Tour de Pologne sowie sein zweiter Gesamtrang bei der UAE Tour 2026 unterstreichen seine Fähigkeiten.
Nun kommt es darauf an, diese Leistungen wieder regelmäßig abzurufen. Der Giro d'Italia 2027 könnte für Antonio Tiberi damit weit mehr als nur die nächste Grand Tour werden: Er bietet ihm die Chance, das Vertrauen von Bahrain Victorious zurückzugewinnen und sich im wachsenden internen Konkurrenzkampf erneut als einer der wichtigsten Rundfahrtspezialisten der Mannschaft zu behaupten.
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