Juan Ayuso reiste zur Tour Auvergne-Rhône-Alpes als einer der Topfavoriten für den Gesamtsieg und um sein Standing mit Blick auf die kommende Tour de France zu untermauern. Seine Auftritte in Frankreich hinterließen jedoch mehr Fragezeichen als Gewissheiten und entfachten eine hitzige Debatte über sein tatsächliches aktuelles Niveau.
Im Podcast von CiclismoAlDía analysierten Juan Larra und Javier Rampe die Leistung des Spaniers und kamen überein, dass der Vergleich mit Isaac del Toro zu den prägenden Erkenntnissen der Woche gehört. Der Mexikaner ging klar gestärkt hervor, während bei Ayuso deutliche Zweifel blieben.
Für Juan Larra fällt das Fazit nicht gänzlich negativ aus. Er verwies darauf, dass der Spanier nach einer von diversen körperlichen Problemen zerrissenen Saison kam und dennoch über weite Strecken ein konkurrenzfähiges Niveau zeigte.
Ayusos Niveau wird sichtbar
„Er hat es probiert. Die Form wirkte ordentlich. Wir wussten nicht, wie er ankommt“, erklärte Larra und erinnerte an die Rückschläge in den ersten Monaten des Jahres. „Er ist ein weiterer Fahrer mit schwierigem Saisonstart. Dann konnte er nach einem Sturz und so weiter nicht liefern.“
Dennoch habe das Frankreich-Rennen geholfen, Ayusos Standortbestimmung vor seinem großen Jahresziel zu schärfen. Die Tour Auvergne-Rhône-Alpes bot eine klare Messlatte für seine aktuellen Chancen gegen die Weltspitze.
„Jetzt haben wir einen Referenzpunkt. Wir kennen Juan Ayusos Niveau heute“, sagte er. Daraus leitet sich eine klare Forderung ab: „Wir wissen, dass er zulegen muss, wenn er um das Tour-de-France-Podium kämpfen will.“
Larra betonte zudem, dass die Teamerwartungen sehr hoch seien. Der Spanier sei genau dafür verpflichtet worden, Rennen dieser Kategorie zu gewinnen und bei großen Rundfahrten auf internationalem Kalender die Kapitänsrolle zu übernehmen.
„Lidl Trek hat Ayuso auch verpflichtet, um genau solche Rennen zu gewinnen“, stellte er klar. Deshalb sei ein verpasster Sieg in einem Feld ohne Tadej Pogacar oder Jonas Vingegaard ein Resultat unter den Erwartungen.
Juan Ayuso, Star von Lidl-Trek
Kritik an Juan Ayusos Dauphiné
„Ohne Vingegaard oder Pogacar auf der Startliste nicht gewinnen zu können, ist objektiv am Ziel vorbei“, merkte er an. Von einem kompletten Fehlschlag wollte er jedoch nicht sprechen, schließlich stand der Spanier am Ende auf dem Podium.
Größere Sorge bereitet dem Journalisten weniger das Resultat als vielmehr der Name des Fahrers, der ihn schlug. Der Aufstieg von Isaac del Toro provoziert im internationalen Peloton erneut unvermeidliche Vergleiche.
„Von einem wie Del Toro geschlagen zu werden, kann beunruhigen“, sagte er. „Das kann für Lidl Trek und für Juan Ayusos Ambitionen bei der nächsten Tour de France etwas beunruhigend sein.“
Javier Rampe fiel deutlich schärfer aus und machte seine Haltung zum Spanier von Beginn an klar. Er sieht Ayusos Hauptlimit nicht im Talent, sondern in der Anpassung an dreiwöchige Grand Tours.
„Bei Juan Ayuso bin ich sehr konträr“, räumte er ein. Dann wurde er noch deutlicher: „Ich glaube nicht, dass er ein Dreiwochen-Fahrer ist. Er ist kein Tour-de-France-Fahrer.“
Rampe weitete seine Analyse sogar auf die anderen Grand Tours aus und stellte infrage, ob der Spanier realistisch um Siege bei dreiwöchigen Rundfahrten kämpfen kann. Das Problem sei in den vergangenen Jahren mehrfach aufgetreten.
„Ich glaube auch nicht, dass er einer für den Giro d’Italia wäre. Drei Wochen schnüren ihn zu“, sagte er. Ayusos Profil passe deutlich besser zu einwöchigen Rundfahrten, wo er bereits hohes Niveau gezeigt habe.
„Ich finde, er sollte sich auf einwöchige Rundfahrten konzentrieren, wie die, die er zu Jahresbeginn gewinnt“, ergänzte er. Diese Einschätzung kontrastiert mit den aktuellen Erwartungen im internationalen Feld.
Zur Tour Auvergne-Rhône-Alpes lehnt Rampe zudem die Form als Hauptursache für den Ausgang ab. Aus seiner Sicht wirft die Situation mit Blick auf die Tour de France sogar noch mehr Fragen auf.
Isaac del Toro, ein Podium bei der Tour de France?
„Wenn er beim Dauphiné [Tour Auvergne-Rhône-Alpes] schon am Limit war, stellt euch vor, wie es bei der Tour de France wird“, sagte er. Für ihn gehörte der Spanier zu den großen Verlierern des Frankreich-Rennens.
„Juan Ayuso ist der große Verlierer. Er hat das Dauphiné [Tour Auvergne-Rhône-Alpes] gegen einen Helfer verloren, nämlich Isaac del Toro“, argumentierte er. Er schließt zudem nicht aus, dass der Mexikaner ihn auch bei der Frankreich-Rundfahrt im nächsten Monat wieder schlägt.
„Schließen wir nicht aus, dass UAE Isaac del Toro aufs Podium in Paris bringt“, so seine Prognose. Das spiegele den großen Sprung wider, den der junge Mexikaner in dieser Saison gemacht habe.
Rampen Ausblick auf Ayusos Tour fällt ebenfalls wenig optimistisch aus. Er glaubt, dass der Spanier noch viel beweisen muss, um sich auf Augenhöhe mit den Top-GC-Fahrern zu bewegen.
„Er muss extrem viel beweisen. Ich glaube nicht, dass er leistet, um bei der Tour de France in die Top 5 zu fahren“, sagte er. Auch die Struktur um ihn herum biete nicht die gleichen Garantien wie die dominierenden Blöcke des Rennens.
„Lidl ist auch kein stabiles Team für drei Wochen“, schloss er. Er rundete seine Analyse mit einem direkten Vergleich ab, der viel der aktuellen Debatte zusammenfasst: „Isaac del Toro kommt mit besseren Beinen.“