Die Zukunft von Equipo
Kern Pharma steht trotz sportlicher Erfolge auf wackligen Beinen. Das spanische ProTeam hat zwar alle erforderlichen Unterlagen eingereicht, um auch 2027 als UCI ProTeam registriert zu werden, doch ohne einen neuen Titelsponsor ist die Finanzierung der Professional-Lizenz derzeit nicht gesichert.
Geschäftsführer Juan José Oroz kann zwar weiterhin auf die Unterstützung langjähriger Partner wie Radhersteller Giant und Bekleidungsausrüster Etxeondo bauen, doch diese reichen nicht aus, um den Fortbestand des Teams auf ProTeam-Niveau zu gewährleisten.
Erfolgreiche Nachwuchsarbeit trotz finanzieller Unsicherheit
Seit seiner Gründung im Jahr 2020 hat sich das in Navarra beheimatete Team bemerkenswert entwickelt. Bereits 2021 erhielt Equipo Kern Pharma den ProTeam-Status, ein Jahr später folgte das Debüt bei der Vuelta a España.
Pablo Castrillo zählt zu den erfolgreichsten Fahrern, die Equipo Kern Pharma in den vergangenen Jahren in die WorldTour entwickelt hat.
Inzwischen hat sich die Mannschaft als feste Größe in der ProSerie etabliert. Gemeinsam mit ihrer Amateur-Entwicklungsstruktur brachte sie bereits sechs Fahrer in die WorldTour hervor: Raúl García Pierna, Roger Adrià, Igor Arrieta,
Pablo Castrillo, Pau Miquel und Haimar Etxeberria.
Zum Projekt gehört außerdem ein internationales Nachwuchsprogramm, mit dem Kern Pharma vielversprechende Talente aus aller Welt – insbesondere aus Ostasien – zu Sichtungslehrgängen einlädt. Der taiwanische Profi Yen Yi Ho ist eines der bekanntesten Beispiele dieses von Giant unterstützten Förderprogramms.
„Wir glauben weiterhin, dass dieses Projekt der Ausbildung von Radfahrern von der Basis aus, im Sinne unserer Philosophie, Sinn ergibt“, sagte Oroz gegenüber dem Diario de Navarra. „Man muss sich nur die Fahrer ansehen, die wir haben und die hier waren. Mit ihnen könnten wir ein formidables Team aufbauen.“
Titelsponsor steigt aus – Fahrer erhielten freie Hand
Trotz der positiven sportlichen Entwicklung befindet sich Equipo Kern Pharma in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. In der aktuellen UCI-Weltrangliste liegt das Team auf Rang 27 und hätte damit gute Chancen auf eine Wildcard für die Vuelta a España 2027. Dennoch endet zum Jahreswechsel das Engagement von Titelsponsor Kern Pharma – und die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwieriger als erwartet.
Deshalb entschied sich die Teamleitung bereits im Juni zu einem ungewöhnlichen Schritt. Sämtliche Fahrer – unabhängig davon, ob ihre Verträge Ende 2026 auslaufen oder darüber hinaus gültig sind – erhielten die Erlaubnis, sich bereits jetzt nach einem neuen Team für die Saison 2027 umzusehen.
„Wir haben ihnen diese Möglichkeit angeboten, weil es uns als ehrlichste Lösung erschien. Wir haben von Anfang an Klartext gesprochen, und die Reaktionen waren durchweg positiv. Einige haben sich umorientiert, andere haben sich fürs Bleiben entschieden. Und ich bin auf alle stolz, denn jeder gibt in dieser Situation alles – und das ist alles andere als einfach.“
Oroz hofft weiterhin, noch vor dem Start der nächsten Vuelta a España (22. August bis 13. September) eine positive Lösung präsentieren zu können. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Sponsorensuche möglicherweise nicht den erhofften Erfolg bringt.
Sollte sich kein neuer Geldgeber finden, will der Teamchef das Projekt dennoch nicht aufgeben. Stattdessen könnte Equipo Kern Pharma vorübergehend auf Continental-Niveau weitermachen. Oroz zeigt sich überzeugt, dass sich zumindest ein solches Modell finanzieren ließe.
„Sollten wir ein Continental-Team aufstellen, wäre das wie ein Neustart. Aber wir würden es tun, weil wir an diese Idee glauben. Als Adrià, Arrieta, Castrillo, … gingen, dachten viele, es werde schwer, wieder dieses Niveau zu erreichen. Doch eines fehlt uns nicht: Talente aus unserer Akademie. Das wäre kein Problem.“