Die körperlichen Folgen von Mads Pedersens Sturz am Eröffnungstag der
Volta a la Comunitat Valenciana standen binnen Stunden fest: Handgelenk gebrochen. Schlüsselbein gebrochen. Ein Saisondebüt, das fast so schnell endete, wie es begonnen hatte.
Weniger sichtbar, aber ebenso aufschlussreich ist, wie der Ex-Weltmeister diesen Rückschlag mental verarbeitet.
Ein Rückschlag, der den Fokus schärft
Laut dem früheren dänischen Nationalcoach Anders Lund reagierte Pedersen zunächst mit tiefer Frustration – zugleich aber mit geschärftem Fokus. „Er ist extrem verbittert; daran besteht kein Zweifel. Aber er ist auch extrem zielorientiert“, sagte Lund in einer Analyse für
Eurosport.dk.
Pedersen stürzte und gab die Auftaktetappe der spanischen Rundfahrt am Mittwoch auf,
Lidl-Trek bestätigte anschließend Frakturen an Handgelenk und Schlüsselbein. Es war der denkbar schlechteste Start in eine Saison, die akribisch auf frühe Frühjahrshöhepunkte ausgerichtet war.
Lund, der während seiner Zeit als dänischer Nationaltrainer eng mit Pedersen arbeitete, erkennt in dieser emotionalen Reaktion ein bekanntes Muster – kein Signal für Entgleisung. „Es ist fast so, als ob solche Rückschläge seine Konzentration schärfen“, erklärte er. „Zweifellos ist es ein konzentrierter und entschlossener Mads P., der heute Morgen aufwacht und bereits beginnt, einen neuen Plan zu entwerfen, an den er glaubt.“
Diese Reaktion ist entscheidend. Pedersen fehlte es nie an Widerstandsfähigkeit, doch das Timing der Verletzung macht die psychologische Antwort besonders wichtig. Frühe Saisonstürze können mental nachwirken – vor allem, wenn sie monatelange Vorbereitung unterbrechen und sofortige Neujustierung erzwingen.
Lunds Lesart fällt klar aus: eher das Gegenteil tritt ein. „Wenn möglich, [wird er] noch kompromissloser auf die Ziele fokussiert sein, die er erreichen will“, ergänzte er.
Die Genesung steuern, ohne die Richtung zu verlieren
Neben der emotionalen Ebene zählt nun vor allem die praktische Seite der Genesung. Lund schätzte, dass Frakturen dieser Art typischerweise rund drei Wochen benötigen, wies jedoch darauf hin, dass Handgelenksverletzungen oft komplizierter sind – wegen der ständigen Vibrationen, denen Fahrer ausgesetzt sind, insbesondere in den Rennen, die Pedersen anpeilt.
Vor dem Sturz standen für den Dänen Starts bei der Tour de la Provence ab 14.02. und bei Paris–Nizza ab 08.03. im Kalender, mit Mailand–Sanremo am 21.03. als erstem Monument der Saison.
Diese Pläne geraten nun in Bewegung. Doch Lund richtet den Blick nicht auf Panik oder Frustration, die in Unentschlossenheit münden könnten. Stattdessen beschreibt er einen Fahrer, der sich mental bereits wieder vollständig der kommenden Aufgabe widmet.
Der Sturz hat Pedersens Charakter in diesem Sinne nicht verändert. Er hat ihn nur früher als geplant aktiviert.