„Er ist der römische Gott des Radsports“ – Robbie McEwen ordnet Jonathan Milan in die Reihe der italienischen Giro-d’Italia-Sprintlegenden Cipollini und Petacchi ein

Radsport
Freitag, 08 Mai 2026 um 16:00
Jonathan Milan
Lange bevor der Giro d’Italia 2026 überhaupt die Berge erreicht, zeichnet sich Jonathan Milan bereits als eine der prägenden Geschichten der Rundfahrt ab.
Nicht nur wegen seiner Geschwindigkeit. Nicht nur, weil er als Favorit auf das Ciclamino startet. Sondern weil der Lidl-Trek-Sprinter in den Augen von TNT-Sports-Analyst Robbie McEwen zu dem geworden ist, wonach der italienische Radsport seit Jahren sucht: ein überlebensgroßer heimischer Sprint-Superstar, der die Atmosphäre des Giro trägt.
„Er ist der römische Gott des Radsports“, sagte McEwen vor der Grande Partenza in Bulgarien.
Der Vergleich kam nicht von ungefähr. McEwen stellte Milan direkt in die Linie ikonischer italienischer Sprinter, die frühere Giro-Generationen geprägt haben. „Er erinnert die Leute an die großen italienischen Sprinter der letzten Jahrzehnte, Mario Cipollini und Alessandro Petacchi“, erklärte der Australier.

Warum Milan Italiens große Sprint-Hoffnung ist

Milan reist nach einer erneut starken Frühphase der Saison zum Giro und untermauert damit seinen Status als wohl schnellster reiner Sprinter des Pelotons. Der 25-Jährige besitzt bereits mehrere Giro-Etappensiege und zwei Ciclamino-Trikots, doch die diesjährigen Auftaktetappen in Bulgarien eröffnen die Chance auf etwas Größeres: endlich die Maglia Rosa zu übernehmen.
Diese Aussicht schürt die Erwartungen an den Italiener in seiner Heim-Grand-Tour zusätzlich. „Ich glaube, die italienischen Fans lieben das“, erklärte McEwen. „Sie lieben die große Persönlichkeit, das große Ego, die große Präsenz.“
Der frühere Gewinner des Grünen Trikots ist überzeugt, dass Milans physische Präsenz und sein explosiver Sprintstil perfekt zu dem Image passen, das italienische Fans beim Giro traditionell feiern. „Er ist ein richtig großer Kerl, und die Menschen schauen in jeder Hinsicht zu ihm auf“, sagte McEwen. „Ich glaube, die italienischen Fans lieben genau das.“
Jonathan Milan sprintet in diesem Jahr auf der 7. Etappe von Tirreno–Adriatico zum Sieg
Jonathan Milan sprintet zum Sieg auf der 7. Etappe von Tirreno–Adriatico Anfang dieses Jahres

Mehr als nur rohe Kraft

Laut McEwen beginnt Milans Dominanz mit einem physischen Motor, dem in der modernen Szene nur wenige gewachsen sind. „Er hat einfach enorme Power, einen riesigen Motor“, erklärte der Australier. „Wenn er antritt und drauftritt, bringt er eine Leistung, die fast niemand im Straßenradsport matchen kann.“
Diese Mischung aus roher Geschwindigkeit und Physis macht Milan zum klaren Maßstab für viele der zu erwartenden Sprintetappen des Giro, zumal Lidl-Trek in Bulgarien stark darauf ausgerichtet ist, flache Finals zu kontrollieren und die Punktewertung ins Visier zu nehmen.
Der Italiener profitiert zudem von einem der stärksten Sprintzüge im Rennen, in dem Fahrer wie Simone Consonni in der Auftaktwoche zentrale Rollen im Lead-out übernehmen sollen.

Die Sprint-Rivalen, die ihn stoppen wollen

Trotz Milans Favoritenrolle ist das Sprintfeld dieses Giro eines der tiefsten der vergangenen Jahre. Kaden Groves reist nach einer weiteren starken Grand-Tour-Vorbereitung an und bleibt vor allem auf härteren Sprintfinals und reduzierten Ankünften gefährlich, während Dylan Groenewegen in exzellenter Form als Aushängeschild der ersten Grand-Tour-Kampagne von Unibet Rose Rockets startet.
McEwen selbst hob Groenewegen als einen der Fahrer hervor, die beim Giro zur großen Geschichte werden könnten. „Das ist ihre Zeit, im großen Rampenlicht zu glänzen“, sagte er über Unibet Rose Rockets. „Sie haben sich die Einladung hart erarbeitet, jetzt wollen sie dorthin fahren und ein Ergebnis holen, auf das sie ihre ganze Saison aufbauen können.“
Neben Groenewegen und Groves sorgen Fahrer wie Paul Magnier, Arnaud De Lie und Tobias Lund Andresen für zusätzliche Tiefe im Sprintfeld.

Warum sich der Giro anders anfühlt

Für McEwen reicht die Faszination des Giro über einzelne Fahrer oder Sprintduelle hinaus. Der Australier ist überzeugt, dass die Rundfahrt eine völlig andere Persönlichkeit als die Tour de France trägt. „Es gibt mehr italienisches Chaos, mehr italienisches Kino“, sagte er. „Es ist weniger kontrolliert. Weniger formelhaft.“
Diese Unberechenbarkeit, gepaart mit der emotionalen Bindung Italiens an das Rennen, erklärt, warum Milans Präsenz schon vor dem Start zu einem zentralen Thema geworden ist.
Das Land hat immer charismatische Sprinter gefeiert, die flache Etappen dominieren und zugleich die Atmosphäre der Rundfahrt prägen. McEwen ist überzeugt, dass Milan fest in dieser Tradition steht.
Und sollte der Lidl-Trek-Profi in der Auftaktwoche in Bulgarien tatsächlich die Maglia Rosa übernehmen, dürfte der Lärm um Italiens jüngstes Sprintphänomen noch deutlich anschwellen.
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