„Kein Druck“ – Marcel Kittel setzt auf Dylan Groenewegen, der bei seinem Traum‐Giro‐Debüt im Trikot der Unibet Rose Rockets liefern soll

Radsport
Freitag, 08 Mai 2026 um 15:30
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Vor zehn Jahren streifte Marcel Kittel nach seinem Sieg auf der Auftaktetappe in Arnheim beim Giro d’Italia die Maglia Rosa über. Nun ist der frühere Sprintstar in Bulgarien angekommen, um Dylan Groenewegen dabei zu helfen, dieses Kunststück zu wiederholen, während sich Unibet Rose Rockets auf die erste Grand Tour der Teamgeschichte vorbereiten.
Im Gespräch mit IDL Pro Cycling vor der Grande Partenza des Giro d’Italia 2026 räumte Kittel ein, dass die Aussicht, Groenewegen könne sofort um Rosa kämpfen, offensichtliche Parallelen zu seinen eigenen Giro-Erinnerungen aus dem Jahr 2016 weckt.
„Kein Druck“, scherzte Kittel, als er daran erinnert wurde, dass es exakt zehn Jahre her ist, seit er das einzige Mal in seiner Karriere Rosa trug. Hinter dem Scherz steckt jedoch eine echte Chance.
Groenewegen reist in möglicherweise seiner besten Form seit Jahren zum Giro, nach einem Frühjahr mit mehreren Siegen, darunter der erste WorldTour-Erfolg der Unibet Rose Rockets bei der Tour of Bruges. Der niederländische Sprinter ist zum klaren Fixpunkt des ambitionierten Giro-Projekts des Teams geworden und trägt nun ihre Hoffnungen in den bislang größten Auftritt.

Kittel denkt noch immer wie ein Sprinter

Obwohl Kittel inzwischen als Sportdirektor und nicht mehr als Fahrer arbeitet, zeigte seine Analyse der Giro-Auftaktetappe, wie sehr er Rennen weiterhin durch die Brille eines Sprinters betrachtet. „Ich glaube, ich könnte diese Etappe aus dem Gedächtnis fahren, ganz ohne Navigation“, erklärte Kittel und sezier­te sofort die Schlüsselmomente rund um das Finale in Burgas.
„Die Kurve 3,6 Kilometer vor dem Ziel ist wichtig“, sagte er. „Dort verlässt man im Prinzip die Autobahn und fährt in den Stadtbereich von Burgas hinein, von drei auf zwei Spuren.“
Laut dem Deutschen könnte dieser Übergang entscheidend sein, ob Groenewegen und Unibet Rose Rockets in der Position bleiben, um um den Sieg zu kämpfen. „In dieser Phase die Position zu halten, ist die Herausforderung“, erklärte Kittel.
Auch der Sprint selbst dürfte besonders chaotisch werden, wie so oft bei Grand-Tour-Auftakten, wenn Sprintzüge und Gesamtklassement-Favoriten gleichzeitig um die Straßenposition ringen. „Der erste Tag ist immer speziell“, sagte Kittel. „Die Dynamik im Feld ist noch nicht etabliert. Alles muss sich erst formen, und jeder glaubt, ganz vorne sitzen zu können.“

Groenewegen eröffnet ein neues Kapitel für die Rockets

Die Tragweite des Giros reicht weit über die 1. Etappe hinaus. Für Unibet Rose Rockets markiert das Rennen den bisher größten Meilenstein im rasanten Aufstieg des von Bas Tietema initiierten Projekts, vom YouTube-Außenseiter zur ernsthaften Grand-Tour-Equipe. Und Groenewegens Ankunft in dieser Saison war zentral für diesen Wandel.
Nach Jahren in größeren WorldTour-Strukturen wirkt der Niederländer als unangefochtener Sprintkapitän im Rockets-Projekt neu belebt. Seine Resultate zu Saisonbeginn unterstreichen das: Siege bei Rennen wie Tour of Bruges, GP Monseré und Bredene Koksijde Classic haben das Vertrauen gestärkt, dass er weiterhin mit den Schnellsten der Welt konkurrieren kann. Der Giro stellt nun eine ganz andere Prüfung dar.
Anders als bei kleineren Eintagesrennen müssen die Rockets wiederholt Hochdruck-Finali gegen Fahrer wie Jonathan Milan, Kaden Groves, Paul Magnier und Tobias Lund Andresen überstehen. Kittel selbst betonte, wie sehr Organisation und Positionierung in der ersten Woche zählen werden.
Dylan Groenewegen bei der Clasica de Almeria 2026
Dylan Groenewegen bei der Clasica de Almeria 2026

Den Sprintzug aufbauen

Der Deutsche berichtete zudem, wie Verletzungen und Krankheiten die Mannschaft zwangen, die geplante Anfahrtsstruktur bis zur Anreise nach Bulgarien mehrfach anzupassen. „Es begann eigentlich schon im März, als wir Rory Townsend verloren“, erklärte Kittel. „Er war ursprünglich für diese Position im Lead-out vorgesehen.“
Die Rückschläge setzten sich fort, als Karsten Feldmann später erkrankte, was eine weitere Umstellung im Sprintzug nötig machte. Zum Glück, so Kittel, seien Ersatzleute wie Matyas Kopecky vor dem Giro wirkungsvoll eingesprungen. Im Idealfall baut der Lead-out nun über Kubis, Kopecky und Reinders auf, bevor Groenewegen auf den letzten Metern lanciert wird. „Das ist natürlich das Ultimative“, räumte Kittel ein, als er über die Möglichkeit sprach, dass Groenewegen dem Team den Traumstart in den Giro beschert.
Für Unibet Rose Rockets wirkt dieser Traum inzwischen greifbar. Aus einer vermeintlichen Außenseiter-Geschichte ist ein Team geworden, das zum Giro mit echten Etappensieg-Ambitionen anreist – geführt von einem der erfahrensten Sprintdenker der Moderne und angeführt von einem Fahrer, der an die beste Form seiner Karriere anknüpft.
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