„Er hat Dinge getan, über die ich nicht einmal öffentlich sprechen kann“ – Greg LeMond erhebt schwere Vorwürfe gegen Lance Armstrong und verteidigt Tadej Pogacar
Radsport
Greg LeMond hat seinen langjährigen Rivalen Lance Armstrong erneut scharf attackiert. Der dreimalige Tour-de-France-Sieger wirft seinem Landsmann vor, gezielt seine geschäftlichen Interessen angegriffen und sogar seine Familie in den seit Jahrzehnten andauernden Konflikt hineingezogen zu haben. Armstrong habe Dinge getan, über die er bis heute nicht öffentlich sprechen könne, erklärte LeMond. Zugleich deutete er an, möglicherweise eines Tages weitere Einzelheiten bekannt zu geben.
Mehr als ein Jahrzehnt nach der Aberkennung von Armstrongs sieben Tour-de-France-Titeln ist das Verhältnis der beiden US-Amerikaner weiterhin zutiefst zerrüttet. In einem ausführlichen Interview für die Sendung „Ravito“ von Le Télégramme sprach LeMond über die persönlichen und wirtschaftlichen Folgen ihrer Auseinandersetzung. Dabei richtete er deutliche Vorwürfe auch gegen den früheren US-Postal-Teamchef Johan Bruyneel und widersprach Vergleichen zwischen Armstrong und Tadej Pogacar.
„Er hat Dinge getan, über die ich nicht einmal öffentlich sprechen kann“
Der inzwischen 65-jährige LeMond macht keinen Hehl daraus, wie sehr ihn der Konflikt bis heute beschäftigt. Schon lange bevor das Ausmaß von Armstrongs Dopingpraktiken öffentlich bekannt wurde, hatte der frühere Tour-Sieger die Leistungen seines Landsmanns kritisch hinterfragt. Die Konsequenzen dieser Haltung seien für ihn weit über den Radsport hinaus spürbar gewesen.

Greg LeMond hat Lance Armstrong erneut scharf kritisiert. Der dreimalige Tour-de-France-Sieger wirft seinem Landsmann vor, seinen geschäftlichen Interessen geschadet und sogar seine Familie in den jahrzehntelangen Konflikt hineingezogen zu haben.
„Er wollte mich zerstören. Er hat Dinge getan, über die ich nicht einmal öffentlich sprechen kann, weil sie meine Familie betreffen“, sagte LeMond. „Er ist ein schlechter Mensch. Er hat immer wieder schlecht über mich gesprochen. Das hat mich wirklich mitgenommen.“
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Welche konkreten Handlungen Armstrong seiner Familie gegenüber begangen haben soll, erläuterte LeMond nicht. Seine Aussagen lassen jedoch erkennen, dass sich die Vorwürfe nicht ausschließlich auf die Zeit vor Armstrongs Dopingsperre beziehen. Vielmehr deutete er an, dass der Konflikt auch Jahre später noch schwerwiegende Folgen gehabt habe.
„Eines Tages werde ich darüber sprechen, denn was er vor sieben oder acht Jahren getan hat, war verrückt“, fügte LeMond hinzu.
Streit seit 2001: Wie Armstrongs Einfluss LeMonds Fahrradgeschäft belastete
Die Ursprünge der erbitterten Auseinandersetzung reichen bis ins Jahr 2001 zurück. Damals äußerte LeMond öffentlich Zweifel an Armstrongs Zusammenarbeit mit dem italienischen Arzt Michele Ferrari, der im professionellen Radsport bereits wegen möglicher Dopingpraktiken in den Fokus geraten war.
Armstrong befand sich zu diesem Zeitpunkt mitten in seiner Serie von Tour-de-France-Erfolgen. Nach seiner überstandenen Krebserkrankung war er in den Spitzensport zurückgekehrt und zu einem der bekanntesten und meistgefeierten Athleten der Welt aufgestiegen. LeMond, der die Frankreich-Rundfahrt 1986, 1989 und 1990 gewonnen hatte, gehörte zu den prominentesten ehemaligen Champions, die bereit waren, diese Erfolgsgeschichte öffentlich zu hinterfragen.
Der Konflikt beschränkte sich allerdings nicht auf sportliche Fragen. Auch LeMonds geschäftliche Interessen gerieten zunehmend unter Druck. Seine eigene Fahrradmarke wurde seit 1995 vom Hersteller Trek produziert und vertrieben. Da Trek zugleich enge geschäftliche Verbindungen zu Armstrong unterhielt, verschärften LeMonds wiederholte öffentliche Äußerungen zum Thema Doping die Spannungen zwischen den Beteiligten.
2008 eskalierte die Auseinandersetzung schließlich zu einem Rechtsstreit. LeMond warf Armstrong vor, seinen Einfluss auf Trek genutzt zu haben, um seine Kritik zum Schweigen zu bringen. Gleichzeitig beschuldigte er den Fahrradhersteller, seine Marke nicht ausreichend unterstützt zu haben. Trek bestritt diese Vorwürfe und argumentierte seinerseits, LeMonds öffentliche Aussagen hätten dem Geschäft geschadet.
2010 wurde der Rechtsstreit außergerichtlich beigelegt. Zu einer gerichtlichen Entscheidung, die LeMonds Anschuldigungen gegen Armstrong bestätigt hätte, kam es nicht.
LeMonds Kritik richtet sich jedoch nicht nur gegen Armstrongs Verhalten ihm gegenüber. Auch dessen Umgang mit anderen Fahrern stößt dem früheren Tour-Sieger bis heute auf. Besonders erinnert er sich an das angespannte Verhältnis zwischen Armstrong und Marco Pantani bei der Tour de France 2000 und ihre Auseinandersetzung am Mont Ventoux.
„Er behandelt mich schon seit Langem furchtbar. Ich erinnere mich an den Tag, an dem er Marco Pantani am Mont Ventoux bedrohte“, sagte LeMond. „Mir gefällt nicht, wie er mit anderen Fahrern umgeht. Das macht mich wütend.“
2012 wurde Armstrong nach den Ermittlungen der US-Anti-Doping-Agentur zum systematischen Doping innerhalb der Mannschaften US Postal und Discovery Channel lebenslang gesperrt. Seine sieben Tour-de-France-Gesamtsiege aus den Jahren 1999 bis 2005 wurden nachträglich aus den Ergebnislisten gestrichen. Im Januar 2013 gestand der US-Amerikaner schließlich öffentlich den Gebrauch verbotener Substanzen.
Auch für Johan Bruyneel, der als Teamchef eine zentrale Rolle bei Armstrongs früheren Erfolgen gespielt hatte, fand LeMond drastische Worte. „Er ist ein schlechter Mensch. Er und Johan Bruyneel sind zwei Arschlöcher“, erklärte er. Darüber hinaus beschuldigte LeMond Armstrong, bis heute Gerüchte über ihn zu verbreiten.
„Tadej hingegen ist ein außergewöhnliches Talent“ – LeMond widerspricht Armstrong-Vergleichen
Mit Tadej Pogacars Aufstieg zur dominierenden Persönlichkeit des modernen Radsports sind auch Vergleiche zwischen dem Slowenen und Armstrongs früherer Vorherrschaft bei der Tour de France aufgekommen. Für LeMond sind solche Parallelen jedoch kaum gerechtfertigt.
„Bei der diesjährigen Tour de France wollte er Tadej mit Armstrong vergleichen“, sagte LeMond. „Ich habe Armstrongs VO₂max gesehen. Ohne enorme Unterstützung, die weit über Doping hinausging, hätte er die Tour nicht gewinnen können. Tadej hingegen ist ein außergewöhnliches Talent.“
Damit geht LeMond in seiner Bewertung deutlich über Armstrongs nachgewiesene Dopingverstöße hinaus. Seine Einschätzung der physiologischen Leistungsfähigkeit des ehemaligen Tour-Siegers stellt für sich genommen allerdings keinen Beleg dafür dar, dass neben dem dokumentierten Doping weitere Formen der Unterstützung eine Rolle gespielt haben.
Auch Armstrongs frühere Beziehungen zum Radsport-Weltverband UCI betrachtet LeMond kritisch. Er äußerte den Verdacht, finanzielle Zuwendungen des US-Amerikaners an den Verband könnten mit einer bevorzugten Behandlung in Zusammenhang gestanden haben.
Tatsächlich hatte Armstrong Zahlungen an die UCI geleistet. Die Cycling Independent Reform Commission kam in ihrem Untersuchungsbericht von 2015 jedoch zu dem Ergebnis, dass keine Belege für einen Zusammenhang zwischen diesen Zahlungen und einer mutmaßlichen Vertuschung eines positiven Dopingtests bei der Tour de Suisse 2001 vorlagen. Gleichzeitig kritisierte die Kommission ausdrücklich, dass der Weltverband Spenden eines Fahrers angenommen hatte, gegen den bereits Dopingverdacht bestand.
LeMonds große Wertschätzung für Pogacar steht damit in deutlichem Gegensatz zu seiner Haltung gegenüber Armstrong. Der Slowene hat inzwischen viermal die Tour de France gewonnen und sich als einer der erfolgreichsten Profis seiner Generation etabliert. LeMonds eigene drei Gesamtsiege aus den Jahren 1986, 1989 und 1990 stammen dagegen aus einer mittlerweile weit zurückliegenden Epoche des Radsports.
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Jahrzehntelanger Konflikt bleibt ungelöst – LeMond deutet weitere Enthüllungen an
Mit Armstrongs lebenslanger Dopingsperre endete eine Ära, in der LeMond zu den prominentesten und hartnäckigsten Kritikern seines Landsmanns gehört hatte. Eine persönliche Aussöhnung brachte die spätere Aufarbeitung des Dopingskandals jedoch nicht.
Das jüngste Interview macht deutlich, dass die Auseinandersetzung für LeMond keineswegs abgeschlossen ist. Besonders seine Andeutungen über angebliche Handlungen gegen seine Familie zeigen, wie tief die persönlichen Verletzungen nach wie vor sitzen. Ob der dreimalige Tour-Sieger seine angekündigten weiteren Vorwürfe eines Tages konkretisieren wird, bleibt offen. Nach seiner Darstellung betreffen sie jedenfalls auch Ereignisse, die sich erst Jahre nach Armstrongs lebenslanger Sperre abgespielt haben sollen.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
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