Etappe 6 der
Tour de France 2022 wurde für
Quinn Simmons zum echten Weckruf. Obwohl der US-Meister heute zu den besten Rouleuren der Welt zählt, denkt er noch immer an die gemeinsame Flucht mit
Wout van Aert zurück – und daran, wie brutal deutlich ihm damals das Niveau an der absoluten Spitze vor Augen geführt wurde.
Es war der sechste Tag der Rundfahrt, Ziel in Longwy, weitgehend flach und 219 Kilometer lang. Ein klassischer Ausreißertag mit erbittertem Kampf um die Gruppe – inklusive Van Aert im Gelben Trikot. „Zweieinhalb Stunden Kampf um die Ausreißergruppe“, schilderte Simmons später im
Podcast Watts Occurring.
Van Aert zu folgen wurde zum Albtraum
Am Ende fand sich Simmons gemeinsam mit Van Aert und Jakob Fuglsang an der Spitze wieder. „Plötzlich waren wir drei weg, und ich dachte: ‚Na gut, jetzt sind wir committed.‘“ Es war die Hochphase Van Aerts: drei Etappensiege bei der Tour, das Grüne Trikot; im Gelben gewann er solo, sprang in Fluchten und zog Jonas Vingegaard über das Pavé und durch die Berge.
Für Simmons, damals 21 Jahre alt und bei seiner Tour-Premiere, wurde schnell klar, wie tief er gehen musste, um mit den Allerbesten mitzuhalten.
„Er hat mich behandelt, als würde er mich hinterm Motorrad pacen. Es war irre“, sagte Simmons über den Belgier. „Es ging leicht bergan, er saß im Sattel, und ich fuhr um die 650 Watt am Hinterrad des Typen – und er fährt mir einfach davon.“
Die riskante Flucht zahlte sich am Ende nicht aus, trotz der monströsen Leistungsspitzen an der Spitze. „Es ist nicht so, dass ich explodiert bin. Es war das erste Mal eins gegen eins, dass ich wirklich gespürt habe, wie gut die Besten der Welt sind.“
Ein Moment, der sich eingebrannt hat – und der Simmons bis heute begleitet.