Die Zeit nach dem Abgang von Remco Evenepoel verlief für
Soudal Quick-Step in den ersten Monaten des Jahres 2026 nicht nach Wunsch. Erst beim
Giro d'Italia gelang es dem belgischen Team, in einer seiner traditionellen Paradedisziplinen wieder ins Rampenlicht zu treten: den Massensprints.
Maßgeblichen Anteil daran hatte
Paul Magnier. Der Franzose gewann drei der vier reinen Massensprints des Giro und sicherte sich zudem das Punktetrikot. Damit ließ er ein enttäuschendes Frühjahr eindrucksvoll hinter sich.
Zwar hatten die Teamverantwortlichen für die Frühjahrsklassiker mehr erwartet als einen elften Platz beim Omloop Het Nieuwsblad, doch Geschäftsführer Jurgen Foré betont, dass Rückschläge gerade für junge Fahrer wichtige Lernprozesse darstellen.
„Einige Leute waren im Frühjahr sehr hart zu ihm“, erklärte Foré gegenüber WielerFlits.
Dabei verweist er vor allem auf das Alter seines Schützlings.
„Paul wurde erst im März 22 Jahre alt.“
Krankheit und Pech statt fehlendes Talent
Foré erinnert daran, dass Magnier bereits zu Saisonbeginn mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte.
„Ja, wir hatten große Ambitionen für das Frühjahr, aber er war zu Beginn der Saison ziemlich krank. So etwas steckt man nicht einfach weg.“
Hinzu kamen mehrere unglückliche Umstände in den ersten Rennen des Jahres.
„Dann hatte er Pech beim Opening Weekend und bei Rennen wie In Flanders Fields, wo er normalerweise immer um die Spitzenplätze mitfährt. Vielleicht hat er aufgrund seiner fehlenden Erfahrung auch noch einige typische Anfängerfehler gemacht.“
Kein Zweifel innerhalb des Teams
Nach einem Frühjahr ohne nennenswerte Top-Ergebnisse wurden viele Experten skeptisch, ob Magnier beim Giro d'Italia gegen die besten Sprinter der Welt bestehen könnte. Insbesondere Jonathan Milan galt als großer Favorit auf die Sprintankünfte.
Kaum jemand rechnete damit, dass der Franzose den Italiener mehrfach schlagen würde. Innerhalb von
Soudal Quick-Step herrschte allerdings nie Zweifel an seinem Potenzial.
„Wir haben nie an ihm gezweifelt, aber wir mussten ihn ruhig halten“, betonte Foré.
„Jeder weiß, welche Qualitäten er besitzt. Mittlerweile sieht man auch an seiner Positionierung, dass er die entscheidenden Momente immer besser erkennt, genau weiß, wann er seinen Sprint eröffnen muss, und dann einfach bis zur Ziellinie durchzieht.“
Wichtiger Schub für das Selbstvertrauen
Mindestens genauso wichtig wie die Siege selbst war die Bestätigung, dass sich Geduld auszahlen kann. Selbst wenn die Klassiker auch künftig nicht nach Plan laufen sollten, weiß Magnier nun, dass er auf höchstem Niveau Rennen gewinnen kann.
Für Soudal Quick-Step ist das besonders wertvoll, da mit Tim Merlier bereits einer der besten Sprinter der Welt zum Team gehört. Der Belgier arbeitet derzeit nach einer Knieverletzung an seinem Comeback.
„Gegen die besten Sprinter der Welt zu gewinnen – außer gegen seinen Teamkollegen Tim Merlier natürlich – bedeutet enorm viel“, sagte Foré.
„Die komplette Weltelite war beim Giro am Start. Von den vier reinen Massensprints hat Paul drei gewonnen. Das gibt einem Fahrer mental unglaublich viel. Man erkennt dadurch, dass man auf allerhöchstem Niveau gewinnen kann.“
Giro-Auftritt macht Hoffnung auf die Klassiker
Besonders beeindruckt zeigte sich Foré von Magniers Sieg auf der 18. Etappe des Giro d'Italia. Dort musste der Franzose zunächst einen sehr steilen Anstieg überstehen, bevor er im Sprint um den Tagessieg kämpfen konnte.
Für den Teamchef ist genau diese Fähigkeit ein Hinweis darauf, dass Magnier künftig auch bei den großen Frühjahrsklassikern erfolgreich sein kann.
„Er hat mich beim Giro überrascht, weil er mehr Anstiege überstanden hat als einige andere Sprinter.“
„Wir sind überzeugt, dass er das auch bei Eintagesrennen zeigen kann. Außerdem besitzt er noch enormes Entwicklungspotenzial.“
Foré ist sich deshalb sicher, dass sein Schützling in den kommenden Jahren noch zahlreiche Erfolge feiern wird.
„Er hat definitiv einen schnellen und kraftvollen Sprint. Mit dieser Waffe wird er noch viele Rennen gewinnen“, so das Fazit des Soudal-Quick-Step-Geschäftsführers.