Gijs Leemreize ist in diesem Jahr der einzige Fahrer, der sowohl den Giro d'Italia als auch die Tour Auvergne-Rhône-Alpes bestreitet. Da zwischen dem Ende der ersten Grand Tour des Jahres und dem Start des neu benannten Critérium du Dauphiné nur eine Woche liegt, ist es wenig überraschend, dass sich kaum ein Fahrer für ein solches Programm entschieden hat.
Tatsächlich war auch für den Fahrer von
Team Picnic PostNL ursprünglich ein anderer Saisonplan vorgesehen.
„Eigentlich nicht“, erklärte Leemreize gegenüber In de Leiderstrui. „Kurz vor Saisonbeginn habe ich mir allerdings das Schlüsselbein gebrochen. Deshalb hatte ich vor dem Giro nicht viele Renntage in den Beinen. In dieser Phase des Jahres stehen normalerweise Rennen wie die Dauphiné, die Tour de Suisse oder die Belgien-Rundfahrt auf dem Programm.“
Personalprobleme zwingen zum Umdenken
Durch zahlreiche Ausfälle innerhalb des Teams musste die sportliche Leitung kurzfristig umplanen. Dadurch landete Leemreize schließlich bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes.
„Wir brauchen im Moment einfach Fahrer“, erklärte der Niederländer. „Deshalb kam die Dauphiné plötzlich ins Spiel.“
Ganz glücklich war er über diese Entscheidung allerdings nicht. „Wenn ich ehrlich bin, hätte ich lieber die Tour de Suisse gefahren.“ Dort hätte er nach dem Giro eine zusätzliche Woche zur Regeneration gehabt.
„Ich hatte jetzt eine Woche Pause. Am ersten Tag lief es wirklich nicht gut, aber inzwischen fühle ich mich wieder einigermaßen in Ordnung.“
Die Nachwirkungen des Giro
Die Belastungen einer Grand Tour hinterlassen ihre Spuren. Das bekam Leemreize vor allem auf der ersten Etappe der Rundfahrt zu spüren. Die Strecke mit über 3200 Höhenmetern traf ihn besonders hart.
„Manche sagen, man sollte zwischen Giro und Dauphiné ein wenig weitertrainieren. Ich war allerdings viel zu müde zum Radfahren. Ich bin einmal eine Stunde gefahren und habe ansonsten nur ausgeruht.“
Deshalb sei die schwache Leistung auf der ersten Etappe keine Überraschung gewesen.
„Man fühlt sich am ersten Tag einfach schlecht. Das hatten wir einkalkuliert.“
Nachdem er die Auftaktetappe gemeinsam mit den Sprintern und João Almeida in der Gruppetto-Gruppe beendet hatte, lief es auf der zweiten Etappe bereits deutlich besser.
„Am nächsten Tag war es nicht so schlimm wie erwartet. Eigentlich war es sogar besser als beim Giro.“
Die Formkurve zeigte also nach oben. Deshalb versuchte Leemreize am Mittwoch sogar, in die Ausreißergruppe des Tages zu springen. Der Versuch scheiterte zwar, doch angesichts des späteren Etappenverlaufs war das besonders ärgerlich. Die Fluchtgruppe durfte am Ende tatsächlich um den Sieg kämpfen.
Schwierige Lage bei Picnic PostNL
Währenddessen steckt Picnic PostNL weiterhin in einer sportlich schwierigen Situation. In der UCI-Teamwertung liegt die Mannschaft aktuell nur auf Rang 28 und hat bereits mehr als 3000 Punkte Rückstand auf Platz 18, den derzeit Groupama-FDJ belegt.
Da mehrere Leistungsträger mit Problemen kämpfen, scheint eine schnelle Wende derzeit nicht in Sicht.
Wie wird die Situation innerhalb des Teams wahrgenommen?
„Eigentlich ist die Stimmung im Team noch immer gut“, erklärte Leemreize. „Von Seiten des Teams wird kein zusätzlicher Druck aufgebaut. Aber ich denke, jeder spürt den Druck selbst.“
Die sportliche Bilanz lasse sich schließlich nicht schönreden. „Jeder sieht, dass es momentan nicht besonders gut läuft.“
Der Druck wächst
Auch wenn Leemreize das Wort Druck nur ungern verwendet, spürt er, dass die Situation die Fahrer beschäftigt.
„Wir haben einfach keine Ergebnisse. Deshalb beginnt man automatisch, etwas Druck zu verspüren.“
Ganz so dramatisch wolle er die Lage allerdings nicht darstellen.
„Druck ist vielleicht ein starkes Wort. Aber der Wunsch, endlich einmal etwas zu zeigen, ist definitiv groß.“
Damit bringt der Niederländer die aktuelle Stimmung bei Picnic PostNL wohl treffend auf den Punkt. Trotz der schwierigen sportlichen Lage herrscht intern keine Panik. Gleichzeitig wächst jedoch bei allen Beteiligten die Sehnsucht nach einem Erfolgserlebnis, das die bislang enttäuschende Saison endlich in eine andere Richtung lenken könnte.