„Ein neues Geschäftsmodell würde 80 bis 90 Prozent der Probleme lösen“: Jayco AlUla-Teammanager fordert Strukturreform, um die Zukunft des Profiradsports zu sichern
Radsport
Angesichts explodierender Betriebskosten und einer wachsenden Kluft zwischen den Elite-Teams und dem Rest des Pelotons wächst der Druck auf finanzielle Regulierung. Brent Copeland, General Manager von Team Jayco AlUla und Präsident der International Association of Professional Cycling Teams (AIGCP), hat seine Initiative für eine verpflichtende Team-Budgetobergrenze neu belebt, um die Interessen von Unternehmenskunden zu schützen und langfristige Wettbewerbsbalance zu sichern.
Die veränderte Haltung gegenüber finanzieller Regulierung
Als Copeland vor zwei Jahren erstmals Budgetobergrenzen im Peloton ansprach, stieß er auf breite Ablehnung. Inzwischen sind die Budgets der Top-Teams massiv gewachsen (Spitzenmannschaften operieren mit bis zu 60 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie das durchschnittliche WorldTeam-Budget von 32 Millionen Euro), und die Sicht vieler Teamchefs hat sich grundlegend gewandelt.
„Als ich vor zwei Jahren erstmals von einer Budgetobergrenze sprach, wurde ich von der Mehrheit unserer Mitglieder abgelehnt. Jetzt sehe ich, dass viele unserer Mitglieder sie aktiv fordern und öffentlich Interviews dazu geben, weil sie verstehen, dass die Situation untragbar wird“, sagte Copeland gegenüber Domestique.
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Copeland betonte, dass Sponsoren heute kalkulierbare Renditen und faire Rahmenbedingungen erwarten, statt eines unregulierten Ausgabenrennens, das ihre Unternehmensengagements schlagartig entwerten könnte, wenn extrem kapitalkräftige externe Akteure den Markt verzerren.
„Diese Leute sind allesamt Geschäftsleute. Sie sind Investoren. Sie investieren in viele verschiedene Sportarten. Sie wollen kein Geld einfach verbrennen. Sie wollen sicher ein konkurrenzfähiges Team, aber ebenso Sicherheit für ihre Investition. Ohne Budgetobergrenze gibt man ihnen überhaupt keine Sicherheit.“
Das Risiko unkontrollierter ausländischer Investments bleibt eine zentrale Sorge für Teams aus dem Mittelfeld, die um Premium-TV-Präsenz und Trikotflächen fürchten, wenn neue staatlich gestützte Projekte mit massiven Budgets einsteigen.
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„Denn vielleicht kommt nächstes Jahr Katar, kauft ein Team und investiert 100 Millionen. Und im Jahr darauf kommen die Saudis und investieren 150 Millionen. Dann ist Ihr zugesagtes 20-Millionen-Paket für den Titelsponsor plötzlich nur noch eine kleine Schulterlogo-Fläche wert.“

UAE Team Emirates wurde 2017 zu einem staatlich unterstützten Team
Etablierte Gehaltsmodelle adaptieren
Auf der Suche nach einem gangbaren Weg blickt Copeland auf erfolgreiche Umsetzungen finanzieller Begrenzungen in anderen internationalen Ligen wie Australiens AFL (Australian Football League) und NRL (National Rugby League).
„Ich hatte das Glück, mit Leuten zu sprechen, die in diesen beiden Sportarten die Budgetobergrenzen eingeführt haben. Die Umsetzung war definitiv komplex. Damals war die Büchse der Pandora bereits geöffnet. Es ist wertvoll, deren Sicht zu hören, wie sie den Übergangsprozess mit Bestandsschutz gestaltet haben, bis zu dem Jahr, in dem sie sagten: So, ab jetzt gilt die Budgetobergrenze.“
Der strukturelle Umbau des Sports dürfte Fahrt aufnehmen, wenn die AIGCP-Arbeitsgruppe zum Geschäftsmodell nach der Pause Ende 2025 wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Copeland betonte, dass die Lösung der kommerziellen Probleme der Schlüssel ist, um nahezu alle Konflikte des Radsports zu entschärfen.
„Ein neues Geschäftsmodell zu finden, neue Einnahmen für die Teams zu erschließen, ein Format zu entwickeln, das die Teamlizenzen aufwertet, würde 80 bis 90 Prozent der Probleme lösen, in denen sich der Radsport befindet.“
Ein zentrales Nebenprodukt des instabilen Finanzumfelds ist der Druck auf Fahrer und Staff. Er schafft ein Ökosystem, in dem Sicherheit häufig leidet, weil in der Jagd nach UCI-Punkten und Jobs Risiken hochgeschraubt werden.
„Das ist Sicherheit. Die Fahrer gehen ans Limit. Sie wollen Verträge, sie kämpfen verzweifelt um Verlängerungen, und es ist vollkommen verständlich, dass sie dafür die Grenzen ausreizen. Die Teams setzen die Fahrer unter Druck, Punkte zu holen, weil sie die Punkte für die Rangliste brauchen. So entsteht ein Teufelskreis, der nicht sicher ist.“
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Peloton-Dynamik und die Rolle von SafeR
Als Mitglied des Aufsichtsrats von SafeR verteidigte Copeland zudem das Gremium und erläuterte, dass Fans und Medien die logistischen Hürden bei der Organisation moderner Profirennen oft unterschätzen.
„Leider sehen viele nicht, was im Hintergrund geleistet wird, um den Radsport sicherer zu machen. Es ist sehr einfach, aus der Ferne oder vom TV-Sofa aus zu kritisieren, aber vor Ort erkennt man die Herausforderungen, die Veranstalter bewältigen müssen, um ein sicheres Rennumfeld zu schaffen.“
Zu den viel diskutierten SafeR-Maßnahmen gehören Mindestbreiten für Lenker, eine Reaktion auf veränderte Peloton-Dynamik und steigende Geschwindigkeiten. „Die erste Diskussion drehte sich eher um die Fahrtechnik im Feld. Der Radsport hat sich in den letzten fünf Jahren enorm entwickelt, ganz zu schweigen von zehn Jahren, und die Geschwindigkeiten steigen rasant.“
Copeland wandte sich gegen die Darstellung, diese Materialanpassungen seien willkürliche Entscheidungen ohne Rücksprache mit der breiteren Radsportgemeinschaft. „Es gab viele Diskussionen, bevor diese Entscheidung getroffen wurde. Es war nicht einfach jemand, der sagte: Lasst uns einen schmaleren Lenker nehmen und gut ist. Ich kann verstehen, dass das aus Sicht der Öffentlichkeit oft so wirkt. Man schaut drauf und sagt: ein paar Leute im Büro, die UCI trifft die Entscheidung. Das ist nicht der Fall.“
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Rechtliche Hürden und die Notwendigkeit einheitlichen Fortschritts
Die progressive Agenda der Sicherheitsinstanz erlitt zuletzt einen Rückschlag, als die Belgische Wettbewerbsbehörde einen geplanten Testlauf zur Begrenzung der maximalen Übersetzungen blockierte, was zu einer rechtlichen Anfechtung durch die UCI führte. Obwohl die AIGCP gegen die Finanzierung dieses spezifischen Rechtsstreits stimmte, unterstützt Copeland weiterhin ausdrücklich laufende Experimente zur Weiterentwicklung von Sicherheitsmaßnahmen.
„Hoffen wir, dass das kein Präzedenzfall für die Zukunft wird, denn ich persönlich halte Tests für unglaublich wichtig. Ohne Tests kann der Sport sich nicht wirklich weiterentwickeln.“
Letztlich ist Copeland überzeugt, dass internes Fingerzeigen die Probleme bei Sicherheit und Finanzen verschärft. Er ruft alle Interessengruppen zu geschlossenem Vorgehen auf, um den Profiradsport zu stabilisieren.
„Wir müssen das größere Ganze betrachten. Wir haben ein fragiles Geschäftsmodell, wir haben einen fragilen Sport an sich, in dem wir alle die Situationen und Schwierigkeiten kennen, denen viele von uns gegenüberstehen – sei es Sicherheit, das Geschäftsmodell des Radsports usw. Wenn wir anfangen, innerhalb des Sports mit dem Finger auf andere zu zeigen, macht uns das alle schwächer.“
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Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Anfang 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de. Er berichtet dort über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf aktuellen Rennberichten, Einordnungen und Hintergrundtexten, mit denen er sportliche Entwicklungen im Peloton verständlich und präzise erklärt. Bei großen Renntagen arbeitet er zudem mit Live-Formaten, um das Geschehen fortlaufend zu dokumentieren und zeitnah einzuordnen.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er sportlich selbst aktiv und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










