EILMELDUNG: Vuelta-Finale in Granada auf der Kippe – Mehrheit der Teams fordert Neutralisierung wegen Sicherheitsbedenken

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 13 September 2026 um 10:22
The race never made it to the finish on stage 3 of the Vuelta due to extreme weather
Die Schlussetappe der Vuelta a Espana 2026 könnte zumindest teilweise neutralisiert werden. Vor dem Finale am Sonntag in Granada hat die Mehrheit der teilnehmenden Teams Sicherheitsbedenken wegen des technisch anspruchsvollen Rundkurses geäußert und sich dafür ausgesprochen, die Zeiten für die Gesamtwertung vorzeitig einzufrieren.
Nach Informationen des spanischen Radsportjournalisten Dani Miranda befürwortet die große Mehrheit, wenn auch nicht die Gesamtheit der Teams eine Neutralisierung der 21. Etappe. Grund dafür ist der finale Rundkurs in Granada, der von den Mannschaften als „gefährlich“ eingeschätzt wird.

Entscheidung über Neutralisierung fällt am Samstagabend

Die Organisatoren der Vuelta a Espana und die UCI lehnen diesen Vorschlag derzeit allerdings ab. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Eine Einigung zwischen den beteiligten Parteien wird für Samstagabend nach dem Ende der 20. Etappe erwartet.
Als möglicher Kompromiss steht weiterhin eine teilweise Neutralisierung im Raum. Demnach könnte die Etappe wie geplant ausgetragen werden, während die Zeiten für die Gesamtwertung bereits zu Beginn der letzten Runde auf dem Rundkurs von Granada eingefroren werden.

Finaler Rundkurs sorgt für Sicherheitsbedenken

Die Schlussetappe führt am Sonntag über 112 Kilometer von Carrefour Granada nach Granada. Erstmals in der Geschichte der Vuelta endet die spanische Grand Tour damit in der andalusischen Stadt.
Das Peloton muss dort vier Runden auf einem lokalen Rundkurs absolvieren, zu dem auch ein kurzer und technisch anspruchsvoller Kopfsteinpflasteranstieg gehört. Die Abkehr vom traditionellen flachen Schaulaufen sollte den Fahrern eigentlich eine letzte Gelegenheit bieten, offensiv um den Etappensieg zu kämpfen. Gleichzeitig fürchten die Teams jedoch, dass Stürze oder Defekte auf dem anspruchsvollen Kurs die endgültige Gesamtwertung beeinflussen könnten.
Miranda beruft sich dabei auf Informationen der spanischen Zeitung AS. Demnach seien „die meisten Teams, wenn auch nicht 100 Prozent, für eine Neutralisierung der 21. Etappe“. Die Organisatoren der Vuelta a Espana und die UCI vertreten bislang die gegenteilige Position.
Eine Neutralisierung müsste allerdings keineswegs bedeuten, dass der sportliche Kampf um den Tagessieg beendet wäre. Die Fahrer könnten in Granada weiterhin um den Etappenerfolg kämpfen, während lediglich die für die Gesamtwertung relevanten Zeitabstände ab einem zuvor vereinbarten Punkt nicht mehr berücksichtigt würden.
Sollte der diskutierte Kompromiss einer Neutralisierung auf der letzten lokalen Runde beschlossen werden, bliebe die Gesamtwertung sowohl auf den ersten Kilometern der Etappe als auch während der ersten drei Runden in Granada vollständig aktiv. An welchem Punkt die Zeiten gegebenenfalls exakt eingefroren werden, ist bislang noch nicht bestätigt.

Mas' Gesamtsieg und Podiumskampf könnten vorzeitig eingefroren werden

Enric Mas nimmt einen Vorsprung von 2:15 Minuten auf Primoz Roglic mit auf die Schlussetappe, nachdem er die letzte große Bergprüfung am Collado del Alguacil erfolgreich überstanden hat. Bleiben ein Sturz, ein Defekt oder eine unerwartete Lücke aus, steht der Movistar-Kapitän unmittelbar vor dem ersten Grand-Tour-Gesamtsieg seiner Karriere.
Enric Mas auf Etappe 19 der Vuelta a España 2026.
Enric Mas steht vor der Schlussetappe in Granada unmittelbar vor dem Gesamtsieg der Vuelta a Espana 2026 – doch eine mögliche Neutralisierung sorgt vor dem Finale für Diskussionen.
Hinter Mas sind die Abstände allerdings deutlich geringer. Felix Gall fehlen im Kampf um den zweiten Gesamtrang lediglich 29 Sekunden auf Roglic. Sepp Kuss, der sich auf der 20. Etappe von Rang elf auf Platz fünf verbesserte, verfügt seinerseits nur über 43 Sekunden Vorsprung auf Oscar Onley.
Onley führt darüber hinaus die Nachwuchswertung mit 1:10 Minuten Vorsprung auf Jakob Omrzel an. Sollten die Zeiten bereits vor dem eigentlichen Ziel eingefroren werden, würde sich für alle Fahrer das verbleibende Zeitfenster entsprechend verkürzen, um noch Positionsverschiebungen in den verschiedenen Wertungen herbeizuführen.
Der Kampf um den Etappensieg wäre davon unabhängig. Fahrer, die bereit sind, im technisch anspruchsvollen Finale entsprechende Risiken einzugehen, könnten auch nach dem Einfrieren der Gesamtzeiten weiter um den Sieg in Granada kämpfen.

Tour-de-France-Präzedenzfall als Vorbild für möglichen Kompromiss

Ein vergleichbares Vorgehen gab es bereits auf der Schlussetappe der Tour de France 2025. Damals sorgte Regen dafür, dass das Kopfsteinpflaster rund um Montmartre zunehmend rutschig wurde. Die Tour-Organisation, die UCI-Kommissäre sowie Vertreter der Fahrer und Teams verständigten sich daraufhin darauf, die Zeiten für die Gesamtwertung bereits bei der vierten Zielpassage und damit 50,3 Kilometer vor dem Ende einzufrieren. Die Entscheidung fiel noch vor den drei abschließenden Runden über die Cote de la Butte Montmartre.
Der sportlichen Attraktivität tat diese Entscheidung keinen Abbruch. Tadej Pogacar attackierte mehrfach, obwohl sein Gesamtsieg zu diesem Zeitpunkt bereits abgesichert war. Am letzten Anstieg nach Montmartre gelang es schließlich Wout van Aert, den Mann im Gelben Trikot zu distanzieren. Der Belgier fuhr anschließend alleine zum prestigeträchtigen Sieg auf den Champs-Elysees.
Der Kopfsteinpflasteranstieg in Granada bietet durchaus Anlass für Vergleiche mit dem damaligen Finale in Paris. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Während die Neutralisierung bei der Tour de France als Reaktion auf die sich während der Etappe verschlechternden Wetterbedingungen beschlossen wurde, werden die Sicherheitsbedenken vor dem Vuelta-Finale bereits im Vorfeld diskutiert.
Die 21. und letzte Etappe der Vuelta a Espana 2026 wird am Sonntag, dem 13. September, ausgetragen. Ob tatsächlich die gesamten 112 Kilometer in die finale Gesamtwertung einfließen oder die Zeiten bereits vor dem Ziel eingefroren werden, soll am Samstagabend entschieden werden.
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