Diskussion – Vuelta a España, Etappe 2 – Das Rezept von Visma - Lease a Bike, um Pogačar zu schlagen, Ethan Hayters Wagnis, Pedersens Form und mehr

Radsport
Sonntag, 23 August 2026 um 21:30
Captura de ecrã 2026-08-23 164806
Etappe 2 der Vuelta a España war einer dieser Tage, an denen es lange so wirkte, als warte das gesamte Peloton schlicht auf das Finale.
Das Anfangstempo lag dennoch bei durchschnittlich 45 km/h – kein Spaziergang. Doch sobald die Gruppe stand, beruhigte sich das Rennen schnell. Ethan Hayter, Koen Bouwman, Diego Uriarte und Sinuhe Fernandez setzten die Flucht des Tages, während das Feld ihren Vorsprung nie wirklich groß werden ließ.
Lidl-Trek und Team Visma | Lease a Bike kontrollierten die Lücke und hielten das Quartett in Reichweite. Lidl hatte für den Schluss offensichtlich Mads Pedersen im Kopf, Visma wiederum gleich mehrere Gründe zu arbeiten. Sie wollten die Etappe mit Matthew Brennan oder Wout van Aert ansteuern, mussten aber auch Hayter im Blick behalten.

Hayter machte die Flucht lohnend

Für mich war Ethan Hayter über weite Teile der Etappe der spannendste Fahrer. Er sprang erst in die Ausreißergruppe, als sie bereits stand, und verfolgte klar ein Ziel: die sechs Bonussekunden beim Zwischensprint zu holen und sich dem Roten Trikot anzunähern.
Nachdem die übrigen Flüchtigen gestellt waren, fuhr Hayter solo weiter. Auf der technischen Abfahrt verteidigte er seinen Vorsprung stark, selbst als Visma und Lidl-Trek dahinter Druck machten. Zwischenzeitlich schien es, als könnte das Feld ihn noch vor dem Sprint einholen, doch Hayter behauptete sich und kassierte die vollen sechs Sekunden.
Kurz darauf wurde er gestellt, aber die Mühe war nicht vergebens. Er sammelte zudem Zähler unterwegs und übernahm die Führung in der Punktewertung. Ein mutiger Auftritt, der an einem ansonsten kontrollierten Tag echte Akzente setzte.
Auch Koen Bouwman holte aus der Flucht, was er wollte. Mit Maximalpunkten auf beiden Anstiegen wurde er erster Führender der Bergwertung. Ein Podiumsauftritt gesichert und ein erfolgreicher Tag für ihn.

Van Aert und Pogacar entzündeten den Schlusskilometer

So richtig Rennen wurde es erst auf den letzten 20 Kilometern. Das Feld sammelte sich, das Tempo zog an, und plötzlich wollten alle Teams an die Spitze.
Mit mehreren Kreisverkehren, enger werdender Straße und leicht ansteigendem Finale war Positionierung der Schlüssel. Visma, UAE Team Emirates - XRG, Lidl-Trek, Movistar, Netcompany INEOS und Groupama-FDJ United zeigten sich vorn, das Feld zog sich in die Länge.
Dann griff Wout van Aert 1,8 Kilometer vor dem Ziel an. Ein ernsthafter Vorstoß, dem Tadej Pogacar sofort folgte. Ein XDS Astana-Fahrer schloss ebenfalls auf, doch das Trio kam nicht weg.
Es zeigte dennoch, wie anspruchsvoll das Finale war. Das war kein einfacher Sprint, bei dem die Anfahrer ihre schnellen Männer schlicht auf den letzten 200 Metern abliefern.

Brennan bestätigt seine Klasse

Am Ende war Matthew Brennan der Stärkste. Der junge Visma-Profi wählte den perfekten Moment und schlug Pau Miquel, Pogacar und Pedersen zum Etappensieg.
Ein weiteres Ausrufezeichen dafür, wie komplett Brennan schon ist. Er überstand die Anstiege, behielt im nervösen Finale die Ruhe und hatte dennoch genug Speed, um den Sack zuzumachen. Fahrer wie Pogacar und Pedersen auf ansteigender Zielgerade zu schlagen, ist nie eine Kleinigkeit.
Der zweite Platz von Pau Miquel war wohl die größte Überraschung, während Pogacar erneut zeigte, dass er in fast jedem Finale mitmischen kann. Pedersen wird sich nach viel Arbeit von Lidl-Trek mit Rang vier schwertun, doch der Schluss war schlicht chaotischer als ein normaler Massensprint.
Insgesamt eine eher ruhige Etappe mit sehr unterhaltsamem Ende. Hayter belebte die Rennmitte, Van Aert und Pogacar attackierten spät, doch Brennan sprach das letzte Wort. Und ehrlich: Nach der Art, wie Visma den Tag kontrollierte, war es wohl das verdiente Ergebnis.

Matthew Brennan holt ersten Grand-Tour-Sieg nach Vismas überraschendem Lead-out

Javier Rampe von CiclismoAlDia erlebte das Drama und die Action der zweiten Etappe aus nächster Nähe und sagte am Ende des Tages.
Eine Übergangsetappe nach einem Auftaktzeitfahren, das die Gesamtwertung von Beginn an prägte. Eine Viererflucht mit Ethan Hayter, der La Vuelta ehrte, indem er alles investierte, um Tadej Pogacar das Rote Trikot abzunehmen.
Für den britischen Soudal-Fahrer wurde es nichts, doch der Sieg ging an einen Landsmann Hayters: Matthew Brennan. Eines der größten Talente seiner Generation. Der vielseitige Visma-Profi wurde vom niederländischen Team in einem überraschend konsequent umgesetzten Lead-out geführt – überraschend, weil sie es schafften, obwohl sie zwei Kilometer vor Ziel Wout van Aert lanciert hatten. Dennoch sicherte sich Brennan seinen ersten Grand-Tour-Erfolg bei der Vuelta a España.
Am längsten Tag der diesjährigen Spanien-Rundfahrt kontrollierte das Peloton eine Vierergruppe nahezu perfekt bis etwa 30 Kilometer vor dem Ziel. An Tagen wie diesen, wenn das Terrain kaum mehr als schmale Straßen und gelegentliche kurze Abfahrten bietet, gibt es wenig Spielraum.
Frag einfach Sergio Chumil, Cian Uijtdebroeks oder Sergio Samitier. Von den drei Fahrern musste nur der Guatemalteke das Rennen wegen starker Schmerzen am Schlüsselbein aufgeben. Ein echter Verlust, denn sein Aus bedeutet, dass in den Mittelgebirgs-Etappen eine wertvolle Karte fehlt. Unterdessen steht Movistars belgischer Kapitän kurz davor, auch den letzten Rest Vertrauen der Teamunterstützer zu verspielen – sofern davon überhaupt noch etwas übrig ist.
Er sollte zum Anführer des spanischen Teams reifen und der natürliche Nachfolger von Enric Mas werden. Viele glaubten sogar, er sei angriffsfreudiger als der Balearen-Profi. Doch wenn er den Tag auf dem Asphalt oder krank verbringt, kann er einem Team, das dringend UCI-Punkte durch starke Gesamtwertungsplätze und – noch wichtiger – Siege braucht, nur wenig beitragen.
Cian Uijtdebroeks enttäuscht beim Movistar Team erneut. Hoffentlich findet er bald die Wende – für sich und für die Fans.
Sergio Chumil am Boden
Sergio Chumil stürzte und war der erste Aussteiger der Vuelta a España 2026.

Die Vuelta hat noch kaum begonnen, doch Matthew Brennan fliegt bereits

Rúben Silva von CyclingUpToDate verfolgte die Etappe vom Start im Fürstentum Monaco eng und teilte am Ende des Tages seine Einschätzung mit uns.
Ein Tag, der in Summe über weite Strecken zäh war und kaum Action bot. Im Finale, mit frischen Beinen, dann das genaue Gegenteil. Vorweg: Ich bin absolut kein Fan einer kompletten Vuelta-Etappe auf französischem Terrain.
Morgen wird es ähnlich. Dass die Vuelta in Monaco startet und zwei volle Tage in Frankreich verbringt, nimmt mich nicht mit, um es so zu sagen. Es fehlt an Atmosphäre, man wartet im Grunde darauf, dass das „eigentliche Rennen“ beginnt, während diese Auftakttage (wie oft beim Giro) ereignisarm verlaufen, bis in den letzten Kilometern plötzlich alles passiert.
Sportlich war es gut zu sehen, wie Ethan Hayter attackierte, die Gruppe des Tages suchte und sich mit ein paar Sekunden zwischenzeitlich an die Spitze schob. Fahrer, die mit ungewöhnlichen, cleveren Taktiken ihre Performance oder Präsenz im Rennen verbessern: Genau das sollte Radsport sein, ist es bei Grand Tours aber oft nicht.
In klassischer Ethan-Hayter-Manier trug er dann doch nicht Rot, denn wie seit Jahren kann er sich im Feld schlicht nicht positionieren. Durch die entstandenen Löcher am Schlussanstieg rollte er nicht einmal im zweiten Peloton ins Ziel.
An der Spitze des Feldes hatte Visma einen Plan. Wout Van Aert war im Sprint wohl nicht der Favorit auf Rot, selbst wenn es rechnerisch möglich war. Pogacar zu stark, Hayter vermeintlich voraus… Van Aert musste angreifen – und tat es an einer klar verabredeten Stelle, die viele auf dem falschen Fuß erwischte.
Ohne Pogacar hätte er den Sieg wohl geholt. Pogacar sprang hinterher, zahlte dafür aber im Finale. Ehrlich gesagt: Matthew Brennan wirkte so überragend, dass heute wohl niemand ihn geschlagen hätte.
Mads Pedersen zeigte, dass er nicht in Topform ist. Pau Miquel fuhr auf Rang zwei – vielleicht ohne große Schlagzeilen, aber absolut erwähnenswert. Währenddessen verloren Felix Gall und João Almeida 18 Sekunden in einem Finale, in dem Zeitverlust vermeidbar war.
Team Visma | Lease a Bike und Lidl-Trek kontrollierten das Feld über die gesamte 2. Etappe der Vuelta a España.
Team Visma | Lease a Bike und Lidl-Trek kontrollierten das Feld über die gesamte 2. Etappe der Vuelta a España.

Fazit

Etappe 2 wird nicht für unablässige Action in Erinnerung bleiben, doch das Finale bot genug Spannung, um einen sonst kontrollierten Tag zu retten. Ethan Hayter gab der Fluchtgruppe mit der Jagd nach Bonifikationen einen Zweck, während Koen Bouwman das Bergtrikot sicherte. Lidl-Trek und Visma hielten das Rennen fest im Griff, bevor auf dem Anlauf nach Manosque das Tempo explodierte.
Wout van Aerts späte Attacke war mutig und perfekt getimt, doch Tadej Pogacar zeigte einmal mehr, warum er so schwer zu überraschen ist. Seine sofortige Reaktion beendete Van Aerts Hoffnungen auf Etappen- und Rotcoup, auch wenn ihn dieses Manöver im Sprint Körner kostete.
Den letzten Akzent setzte Matthew Brennan. Der junge Brite blieb in zwei chaotischen Schlusskilometern cool und zündete am ansteigenden Ziel die stärkste Beschleunigung. Pau Miquels zweiter Platz war eine der Leistungen des Tages, während Mads Pedersen die Arbeit von Lidl-Trek nicht veredeln konnte. Eine stille Etappe mit stürmischem Finale – Brennans erster Grand-Tour-Sieg war ein würdiger Schlusspunkt.
Wie bewertest du die zweite Etappe der Vuelta a España 2026? Teile deine Eindrücke zu Schlüsselmomenten, Top-Leistungen sowie den großen Diskussionsthemen und Vorfällen. Lief die Etappe wie erwartet, und welche Fahrer überzeugten oder enttäuschten? Schreib deine Meinung in die Kommentare und diskutiere mit.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading