„Die Strecke kommt ihm sehr entgegen“ – Giro d'Italia 2027 wie gemacht für Jonas Vingegaard, doch Experte zweifelt an seiner Rückkehr
Radsport
Der Giro d'Italia 2027 könnte Jonas Vingegaard kaum bessere Voraussetzungen bieten, um seinen Titel erfolgreich zu verteidigen. Das anspruchsvolle Streckenprofil scheint wie maßgeschneidert für die Stärken des dänischen Kletterspezialisten. Dennoch bezweifelt der niederländische Radsportanalyst Thijs Zonneveld, dass Vingegaard nach seinen schwierigen Erfahrungen mit dem Giro-Tour-Doppel 2026 tatsächlich noch einmal bei der Italien-Rundfahrt antreten möchte.
Sieben Bergankünfte, ein anspruchsvolles Bergzeitfahren und eine spektakuläre Schlusswoche mit dem Gavia, gleich zwei Überquerungen des Mortirolo und dem berüchtigten Zoncolan versprechen eine Rundfahrt, bei der die besten Kletterer besonders gefragt sein werden. Damit unterscheidet sich das Profil des Giro deutlich von jenem der Tour de France 2027. Vor allem der hohe Zeitfahranteil in Frankreich hat bereits Diskussionen darüber ausgelöst, wie gut die Strecke dem Kapitän von Visma - Lease a Bike tatsächlich entgegenkommt.
„Er könnte dort nach Belieben fahren“ – Zonneveld sieht Vingegaard klar im Vorteil
„Die Strecke kommt ihm sehr entgegen. Er könnte dort nach Belieben fahren“, erklärte Zonneveld im Podcast In de Waaier. „Es gibt viele Bergankünfte, bei denen er den Unterschied machen kann. Sein Team kann das Rennen leicht kontrollieren, und im Bergzeitfahren kann er auf seinem Zeitfahrrad den Berg hinauffahren. Vergleicht man Giro und Tour, liegt ihm die italienische Strecke deutlich besser.“

Mit seinem Giro-Sieg 2026 vervollständigte Vingegaard seine Sammlung an Grand-Tour-Titeln
Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Grand Tours liegt in der Gestaltung der Zeitfahren. Bei der Tour de France müssen die Fahrer auf zwei relativ flachen Kursen insgesamt 71 Kilometer gegen die Uhr absolvieren. Beim Giro sind es dagegen 56,9 Kilometer, darunter ein 19,6 Kilometer langes Bergzeitfahren von Sulmona nach Campo di Giove, das den Kletterspezialisten zusätzliche Möglichkeiten eröffnen dürfte.
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Zwar warten auch bei der Frankreich-Rundfahrt anspruchsvolle Prüfungen in den Alpen und Pyrenäen, insbesondere am Grand Colombier und am Col du Portet. Allerdings stehen dort lediglich drei Bergankünfte auf dem Programm, während es beim Giro gleich sieben sind. Besonders entscheidend könnte die Schlusswoche in Italien werden, in der mehrere der schwersten Etappen aufeinanderfolgen. Eine der größten Herausforderungen wartet dabei unmittelbar nach dem zweiten Ruhetag.
Mortirolo, Gavia und Zoncolan: Warum der Giro 2027 Visma besonders entgegenkommen könnte
Die 16. Etappe von Sondrio nach Aprica dürfte zu den entscheidenden Prüfungen der gesamten Rundfahrt zählen. Auf 192 Kilometern müssen die Fahrer nicht weniger als 5.700 Höhenmeter bewältigen. Dabei stehen gleich zwei Überquerungen des gefürchteten Mortirolo sowie der Gavia auf dem Programm. Vier Tage später wartet mit dem Zoncolan eine weitere legendäre Herausforderung, die über die besonders steile Auffahrt von Ovaro in Angriff genommen wird. Vor dem abschließenden Finale in Rom bietet sich den Kletterern damit eine letzte große Gelegenheit, die Gesamtwertung noch einmal entscheidend zu verändern.
Zonneveld ist überzeugt, dass auch die Streckenführung zwischen diesen großen Bergetappen einem starken Team wie Visma - Lease a Bike entgegenkommen könnte. Eine gut organisierte Mannschaft hätte seiner Einschätzung nach zahlreiche Möglichkeiten, das Rennen zu kontrollieren und ihren Kapitän vor unangenehmen Überraschungen zu schützen. „Insgesamt haben sie eine Strecke entworfen, die den stärksten Kletterer klar bevorteilt. Außerdem dürfte sein Team diese Grand Tour recht einfach kontrollieren können“, erklärte der Niederländer. „Viele Etappen führen nach flacher Anfahrt zu einem einzigen entscheidenden Anstieg.“
Genau darin erkennt der Radsportanalyst allerdings auch eine Schwäche der Streckenplanung. Seiner Ansicht nach fehlen dem Giro 2027 abwechslungsreiche Übergangsetappen, auf denen taktische Überraschungsangriffe das Rennen auch abseits der großen Schlussanstiege prägen könnten. „Was diesem Giro wirklich fehlt, sind die Etappen dazwischen. Auf solchen Kursen kann man hinter jeder Kurve einen Hinterhalt vorbereiten“, kritisierte Zonneveld.
Eine mögliche Ausnahme bildet die 199 Kilometer lange Etappe von Rovereto nach Sacile, die unmittelbar vor der Zoncolan-Prüfung ausgetragen wird. Mit rund 3.000 Höhenmetern und abwechslungsreicherem Terrain könnte sie Raum für unerwartete Rennsituationen bieten. Über weite Teile der Rundfahrt bleibt es jedoch bei jenem Muster, das Zonneveld beschreibt: Die größten Schwierigkeiten konzentrieren sich auf klar definierte Bergetappen, während andere Teilstücke vergleichsweise leicht zu kontrollieren sein dürften.
Wie gut Vingegaard mit einem solchen Streckenprofil zurechtkommt, demonstrierte er bereits bei seinem Giro-Debüt 2026. Der Däne dominierte die Italien-Rundfahrt, gewann insgesamt fünf Etappen und sicherte sich den Gesamtsieg mit einem beeindruckenden Vorsprung von 5:22 Minuten auf Felix Gall. Vor allem in den Bergen war er nahezu unschlagbar: Fünf der sechs Bergankünfte entschied er für sich.
Mit diesem Triumph schrieb Vingegaard zugleich dänische Radsportgeschichte. Als erster Fahrer seines Landes gewann er den Giro d'Italia und vervollständigte damit seine Sammlung an Grand-Tour-Titeln. Nach seinen beiden Gesamtsiegen bei der Tour de France 2022 und 2023 sowie dem Erfolg bei der Vuelta a Espana 2025 durfte er nun auch die Maglia Rosa in seine Erfolgsliste aufnehmen.
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„Ich glaube nicht, dass es seiner Form bei der Tour gutgetan hat“ – das Risiko des Giro-Tour-Doppels
So überzeugend Vingegaards Auftritt in Italien auch gewesen war, so schwierig gestaltete sich seine anschließende Rückkehr zur Tour de France im Juli. Nach drei Wochen voller Dominanz beim Giro konnte der Däne dem Tempo von Tadej Pogacar in Frankreich nicht folgen. Bereits in der ersten Rennhälfte verlor er erheblich an Boden, ehe ein schwerer Sturz seine Hoffnungen auf eine erfolgreiche Tour endgültig zunichtemachte.
„Wird er das Doppel noch einmal in Angriff nehmen? Ich glaube nicht, dass es seiner Form bei der Tour de France besonders zuträglich war, auch wenn er den Giro gewonnen hat“, erklärte Zonneveld. „Ich kann schwer einschätzen, wie motiviert er wäre, es noch einmal zu versuchen.“
Auf der 15. Etappe hatte Vingegaard bereits einen Rückstand von vier Minuten und 30 Sekunden auf Pogacar in der Gesamtwertung. Rund 20 Kilometer vor dem Ziel kam er auf dem Weg zum Schlussanstieg nach Plateau de Solaison zu Fall. Dabei brach er sich das Schlüsselbein und musste sich anschließend einer Operation unterziehen.
Durch die Verletzung verlor Vingegaard jede Möglichkeit, in der letzten Tour-Woche noch einmal in den Kampf um den Gesamtsieg einzugreifen. Allerdings hatte er schon vor seinem Sturz beträchtlich an Zeit auf Pogacar eingebüßt. Ob die körperliche Belastung durch den vorangegangenen Giro tatsächlich zu diesen Schwierigkeiten beigetragen hatte, lässt sich nicht eindeutig beurteilen. Auch Zonneveld vermeidet es deshalb, das Giro-Tour-Doppel als direkte Ursache für Vingegaards Probleme bei der Frankreich-Rundfahrt darzustellen.
Hinzu kommt, dass sich die sportlichen Prioritäten des Dänen inzwischen verändert haben könnten. Nachdem er 2026 auch den Giro gewonnen hat, stehen nun alle drei Grand Tours in seiner Siegerliste. Der besondere Anreiz, mit dem ersten Erfolg bei der Italien-Rundfahrt seine Sammlung zu vervollständigen, ist damit weggefallen. Ein weiterer Triumph bei der Tour de France hätte dagegen eine ganz andere historische Bedeutung: Mit seinem dritten Gesamtsieg würde Vingegaard zu Greg LeMond, Louison Bobet und Philippe Thys aufschließen und zugleich die Erfolgsserie seines großen Rivalen Pogacar beenden.
Auch der Rennkalender lässt 2027 nur wenig Spielraum für eine vollständige Erholung zwischen den beiden großen Rundfahrten. Der Giro d'Italia endet am 30. Mai in Rom, während die Tour de France bereits am 2. Juli in Edinburgh beginnt. Zwischen dem Ende der Italien-Rundfahrt und dem Start in Frankreich liegen damit lediglich 33 Tage – eine kurze Zeitspanne, um sich nach drei kräftezehrenden Rennwochen zu regenerieren und erneut in absolute Bestform zu kommen.
Eine endgültige Entscheidung über Vingegaards Rennprogramm hat Visma - Lease a Bike bislang nicht bekannt gegeben. Die Titelverteidigung beim Giro bleibt damit eine reizvolle Möglichkeit, aber keineswegs eine Verpflichtung. Für die Mannschaft stellt sich vor allem die Frage, wie viel Energie sie in einen erneuten Angriff auf die Maglia Rosa investieren möchte, bevor im Juli die Tour de France ansteht. Dort wartet auf Vingegaard schließlich eine Herausforderung, die seit 2023 unerfüllt geblieben ist: die Rückkehr auf die oberste Stufe des Siegerpodests.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026







