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„Dieser Giro spricht die Champions an“ – Ivan Basso schwärmt von der Strecke 2027 und sieht auch für Remco Evenepoel große Chancen

Radsport
durch Nic Gayer
Remco Evenepoel ahead of Il Lombardia 2026
Für Ivan Basso ist der Giro d'Italia 2027 weit mehr als nur die nächste Austragung der italienischen Landesrundfahrt. Der zweimalige Gesamtsieger blickt mit besonderer Vorfreude auf eine Strecke, die einige der legendärsten Anstiege seiner eigenen Karriere zurückbringt. Mit dem Mortirolo, dem Passo Gavia und dem Monte Zoncolan stehen gleich mehrere Berge auf dem Programm, die eng mit seinen Triumphen von 2006 und 2010 verbunden sind.
„Diese Strecke hat etwas Besonderes, weil sie die legendären Anstiege meiner beiden Giro-Siege umfasst“, erklärte Basso im Interview mit La Gazzetta dello Sport. Besonders die Valtellina, in der 2027 einige der wichtigsten Etappen ausgetragen werden, besitzt für den ehemaligen italienischen Radprofi aus Varese eine außergewöhnliche persönliche Bedeutung.

„Mit zwölf fuhr ich erstmals über den Mortirolo“ – Bassos besondere Verbindung zur Valtellina

Die enge Beziehung des früheren Giro-Siegers zu dieser Bergregion reicht weit über seine aktive Laufbahn hinaus. Seine Mutter Nives stammt aus der Valtellina, weshalb Basso bereits als Kind einen großen Teil seiner Sommerferien in der Gegend verbrachte.
Felix Gall, Jonas Vingegaard und Jai Hindley auf dem Abschlusspodium des Giro d’Italia 2026.
Das Abschlusspodium des Giro d'Italia 2026: Gesamtsieger Jonas Vingegaard feiert seinen historischen Triumph als erster dänischer Giro-Sieger. Neben ihm stehen der zweitplatzierte Österreicher Felix Gall und der drittplatzierte Australier Jai Hindley.
Schon damals entdeckte er seine Begeisterung für die berühmten Alpenpässe, die später zu den Schauplätzen seiner größten sportlichen Erfolge werden sollten. „Durch die Herkunft meiner Mutter Nives kenne ich die Gegend. Während meiner Kindheit verbrachte ich dort einen Großteil meiner Sommer. Der erste große Berg, den ich erklommen habe, war der Aprica, da war ich acht Jahre alt. Mit elf kam der Stelvio, und mit zwölf fuhr ich zum ersten Mal mit dem Mountainbike über den Mortirolo“, erinnerte sich Basso.
Insbesondere der Mortirolo sollte in seiner Profikarriere eine entscheidende Rolle spielen. Sowohl bei seinem ersten Giro-Triumph 2006 als auch bei seinem zweiten Gesamtsieg 2010 überquerte der Italiener den Gipfel als Erster. Die sportliche Ausgangslage hätte bei diesen beiden Gelegenheiten allerdings kaum unterschiedlicher sein können.
„Alles verändert sich. 2006 war der Giro bereits gewonnen, 2010 musste ich ihn noch erobern. Es waren unterschiedliche Momente, ebenso wie mein Alter und meine persönliche wie berufliche Situation“, erklärte der frühere Spitzenfahrer.

„Manche Berge entscheiden über dein Schicksal“ – Mortirolo und Zoncolan als Schlüssel zum Giro-Sieg

Für Basso sind Anstiege wie der Mortirolo weit mehr als bloße sportliche Herausforderungen. Sie besitzen eine besondere Bedeutung, weil sie über den Ausgang einer gesamten dreiwöchigen Rundfahrt entscheiden können. Entsprechend intensiv dürften sich die Favoriten bereits Monate vor dem Start mit den entscheidenden Bergetappen beschäftigen.
„Manche Berge entscheiden über dein Schicksal. Wer den Giro gewinnen will, muss sich auf sie vorbereiten. Schon heute überlegen die Anwärter auf das Rosa Trikot, wo sie an diesem Tag sein wollen“, betonte der zweimalige Giro-Sieger.
Auf die Frage, welchen Rat er den Fahrern für die Ausgabe 2027 mit auf den Weg geben würde, verwies Basso vor allem auf die Etappe über den Mortirolo. Sie könnte seiner Einschätzung nach bereits eine Vorentscheidung im Kampf um die Maglia Rosa und die Podiumsplätze herbeiführen.
„Ich muss ihnen keinen Rat geben. Es gibt Champions, die wissen, wie man solche Etappen gewinnt. Aber ich glaube, die Mortirolo-Etappe könnte entscheiden, wer den Giro gewinnt und wer auf dem Podium steht. Danach wird die Zoncolan-Etappe den Sieger krönen“, erklärte der Italiener.
Gerade diese Kombination aus geschichtsträchtigen Anstiegen und der Aussicht auf einen weiteren Grand-Tour-Triumph könnte nach Bassos Überzeugung zahlreiche internationale Spitzenfahrer anlocken. Auch die Diskussion darüber, ob sich bestimmte Stars wegen des Streckenprofils eher für die Tour de France entscheiden könnten, ändert für ihn nichts an der besonderen Anziehungskraft des Giro.
„Dieser Giro spricht die Champions an, denn er bietet legendäre Etappen, die sie ihrer Erfolgsbilanz hinzufügen können. Es heißt, Evenepoel werde wegen der Zeitfahrkilometer die Tour wählen. Doch Remco ist auch in den Bergen nicht langsam. Der Giro ist der Giro, und Champions wollen ihn gewinnen“, sagte Basso.

Ciccone, Pellizzari, Piganzoli und Finn: Bassos Hoffnungen für den italienischen Radsport

Neben den internationalen Favoriten beschäftigt sich Basso auch intensiv mit den Chancen der italienischen Fahrer. Besonders vier Namen hat der ehemalige Profi dabei im Blick: Davide Piganzoli, Giulio Ciccone, Giulio Pellizzari und das junge Ausnahmetalent Lorenzo Finn.
Große Hoffnungen setzt Basso insbesondere in Piganzoli, dessen Fähigkeiten er aus eigener Erfahrung gut kennt. Der junge Italiener vereine starke Kletterqualitäten mit guten Leistungen im Kampf gegen die Uhr. Hinzu kommt seine besondere Verbindung zur Valtellina, die ihm auf den heimischen Straßen zusätzliche Motivation verleihen könnte.
„Ich kenne Piganzoli gut. Mit Blick auf die Zukunft vereint er Kletterstärke und Zeitfahrqualitäten besonders gut. Als jemand aus der Valtellina stelle ich mir vor, dass er davon träumt, allein über den Mortirolo-Gipfel zu fahren und sich anschließend in Richtung Aprica zum Sieg abzusetzen“, erklärte Basso.
Auch Giulio Ciccone traut der zweimalige Giro-Gewinner eine wichtige Rolle zu. Der erfahrene Italiener habe längst bewiesen, dass er sich mit den stärksten Fahrern der Welt messen könne. Zudem sieht Basso in einem möglichen Tapetenwechsel auf Teamebene eine zusätzliche Chance für seine weitere Entwicklung.
„Auch Ciccone gehört dazu. Er hat den Status eines großen Fahrers, wie er bei der Radsport-WM gezeigt hat. Auf ihn ist Verlass, er ist gereift, und ein Teamwechsel könnte ihm zusätzlichen Schub geben“, erklärte Basso.
Mit Giulio Pellizzari nennt der ehemalige Giro-Champion einen weiteren Fahrer, dem er zutraut, sich bei großen Rundfahrten dauerhaft in der Spitze zu etablieren. Trotz einiger Schwierigkeiten bei seiner jüngsten Giro-Teilnahme habe der junge Italiener seine Entwicklung konsequent fortgesetzt und seine Qualitäten bei mehrtägigen Rennen bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
„Und dann ist da Pellizzari. Trotz einiger Probleme bei der letzten Ausgabe entwickelt er sich weiter und hat gezeigt, dass er bei Etappenrennen stark ist“, sagte Basso.
Besonders gespannt blickt der frühere Radprofi schließlich auf Lorenzo Finn. Der Nachwuchsfahrer hat mit seinen Gesamtsiegen beim Giro Next Gen und bei der Tour de l'Avenir bereits außergewöhnliche Erfolge gefeiert. Basso sieht ihn auf einer Stufe mit den vielversprechendsten Talenten seiner Generation und hält einen frühen Einstieg in die größten Rundfahrten durchaus für denkbar.
„Und schließlich Finn: Er ist jung, hat den Giro Next Gen und die Tour de l'Avenir gewonnen und bringt außergewöhnliche Voraussetzungen mit. Er gehört derselben Generation wie Seixas an. Wenn Paul die Tour gefahren ist, sehe ich keinen Grund, warum Finn das nicht auch könnte. Man muss nur sehen, wie stark Widar bei seiner ersten Vuelta und Seixas bei seiner ersten Tour waren“, schloss Basso.
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