„Die Leute erinnern sich daran, wer eine Etappe gewonnen hat“ – Kim Le Court erklärt ihren spektakulären Tour-Erfolg

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 06 August 2026 um 21:00
Kim Le Court interview after stage 6
Kim Le Court hat bei der Tour de France Femmes ihren zweiten Etappensieg in Folge gefeiert. Die Fahrerin aus Mauritius setzte sich auf der sechsten Etappe in Tournon-sur-Rhône nach einem spektakulären Rennverlauf durch und belohnte sich für eine beeindruckende Aufholjagd mit dem nächsten Erfolg.
Die anspruchsvolle Etappe mit zahlreichen Anstiegen und permanenten Tempowechseln kam der Klassiker-Spezialistin perfekt entgegen. Nach dem Rennen schilderte Le Court, wie sie trotz eines Defekts und einer kräftezehrenden Verfolgungsjagd den Grundstein für ihren Triumph legte.

Defekt wirft Le Court zunächst zurück

Die sechste Etappe war mit sechs kategorisierten Anstiegen und ständig wechselndem Terrain wie gemacht für offensive Fahrerinnen. Während ab der Königsetappe die reinen Kletterinnen in den Fokus rücken, bot sich Le Court auf diesem Profil eine der letzten großen Chancen auf einen Tagessieg.
Kim Le Court gewinnt die 6. Etappe der Tour de France Femmes 2026
Kim Le Court gewinnt die 6. Etappe der Tour de France Femmes 2026
Zunächst verpasste sie allerdings den entscheidenden Vorstoß. Gemeinsam mit Riejanne Markus schloss sie später zur Spitzengruppe um Elisa Longo Borghini auf, die sich von der Gruppe um Gesamtführende Marlen Reusser gelöst hatte und den Etappensieg schließlich unter sich ausmachte.
„Es war ein verrücktes Rennen. Ich hatte auf der Abfahrt vor dem letzten Anstieg ein mechanisches Problem. Ich musste dort das Rad wechseln und war plötzlich weit zurück“, berichtete Le Court nach dem Rennen.
„Zum Glück brachten mich meine Teamkolleginnen wieder ins Feld. Oben auf dem letzten Anstieg war ich wieder vorn, wenn auch nach einem harten Kraftakt. Ich musste geduldig bleiben und gut regenerieren.“
Gemeinsam mit Markus schloss die 30-Jährige anschließend die Lücke zur Spitzengruppe.
„Riejanne Markus und ich versuchten, die Lücke zur Spitze zu schließen. Als wir dran waren, wollte naturgemäß niemand mit mir arbeiten, aber ich war einfach froh, dass ich es probiert hatte.“
Kurz darauf kämpfte die Spitzengruppe bereits um den Etappensieg. „Vier Kilometer vor dem Ziel öffnete sich plötzlich eine kleine Lücke für mich, aber Elisa (Longo Borghini, Anm.) zog mich bald wieder zurück.“

„Ich war kurz davor aufzugeben“

In der Schlussphase musste Le Court gleich mehrere gefährliche Attacken von Riejanne Markus parieren. Auf diese Angriffe hatte sie sich allerdings bereits eingestellt.
„Ich wusste, dass Riejanne es danach erneut versuchen würde. So kann sie ein Rennen wie dieses gewinnen. So kam es, und ich musste die Lücke selbst schließen, war dabei aber am Limit.“
Trotz der kräftezehrenden Verfolgungsarbeit fand Le Court im Sprint noch einmal die entscheidenden Reserven. Gegen starke Konkurrentinnen wie Puck Pieterse setzte sie sich souverän durch und feierte einen weiteren prestigeträchtigen Etappensieg.
„Ich kann kaum glauben, dass ich noch sprinten konnte. Ich war kurz davor aufzugeben, aber nach der ganzen Arbeit des Teams ging das nicht.“
Mit ihrem Erfolg verbesserte sich Le Court zugleich wieder in die Top 10 der Gesamtwertung und machte vier Positionen gut. Für die Mauritierin stand jedoch den gesamten Tag über ausschließlich der Kampf um den Etappensieg im Mittelpunkt.
„Nach dem Zeitfahren war es hart. Aber ich denke, das macht unsere Tour aus. Wir hatten und haben Ambitionen für die Gesamtwertung, aber ein Etappensieg ist etwas Besonderes.“
Besonders deutlich wurde ihre Sicht auf den Stellenwert eines Tageserfolgs in ihrem abschließenden Fazit:
„Die Leute erinnern sich nicht immer daran, wer in der Gesamtwertung in die Top 5 oder Top 10 gefahren ist, aber sie wissen, wer eine Etappe gewonnen hat.“
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