„Die Investitionen sind zu groß geworden, um sich mit dem aktuellen Kalender zufriedenzugeben“: Fenix-Chef warnt, dass der Frauenradsport sich trotz boomender Tour-Zuschauerzahlen weiterentwickeln muss

Radsport
Donnerstag, 06 August 2026 um 10:00
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Die Tour de France Femmes bricht weiter TV-Rekorde, doch hinter dem rasanten Wachstum mehren sich Zweifel an der finanziellen Tragfähigkeit. Fenix-Premier Tech-Teammanager Philip Roodhooft sieht den Frauenradsport so populär wie nie, warnt jedoch, dass steigende Kosten, aufgeblähte Gehälter und ein begrenzter Rennkalender erhebliche wirtschaftliche Herausforderungen schaffen.

TV-Quoten steigen weiter

Das Eröffnungswochenende der Tour de France Femmes 2026 zeigte eindrücklich, wie weit der Frauenradsport gekommen ist. Etappe 1 verfolgten in Frankreich 2,17 Millionen Zuschauer, Etappe 2 steigerte auf 2,51 Millionen, beide Sendungen erreichten rund 80 Prozent der Quote vergleichbarer Etappen der Männer-Tour.
Für Roodhooft spiegeln diese Zahlen den bemerkenswerten Fortschritt der vergangenen fünf Jahre wider. „Es gibt definitiv Etappen, bei denen man Start und Ziel kaum vom Männerrennen unterscheiden kann. Das sagt viel darüber aus, wie sich das Frauenrennen in fünf Jahren entwickelt hat“, sagte er dem Nieuwsblad.
Er ist überzeugt, dass die Präsenz der französischen Starfahrerin Pauline Ferrand-Prévot dieses Wachstum zusätzlich beschleunigt hat. „Vor allem letztes Jahr war extrem, weil eine französische Sieganwärterin aufkam. Seither sind Atmosphäre und Begeisterung mit dem vergleichbar, was wir bei den Männern haben.“
Trotz der gestiegenen Popularität betonte Roodhooft, dass das wirtschaftliche Bild deutlich weniger positiv ist. Das Frauenpeloton spalte sich zunehmend in Teams mit großer finanzieller Rückendeckung und solche mit sehr schmalem Budget.
„Einerseits sieht man einige Teams, die zu klein werden, die immer noch im Wohnmobil zum Start kommen. Andererseits investieren einige Mannschaften massiv. Früher galt ein Frauenteam als politisch korrekt, heute wollen sie wirklich Leistung bringen. Es sind dieselben Teams wie bei den Männern: Lidl-Trek, UAE...“
„Teams, die im Männerradsport kaum eine prägende Rolle spielen, gehen große Wege, um bei den Frauen dominant zu sein, wie Movistar. Und dann gibt es die typischen Frauenteams – FdJ, Canyon-Sram, SD Worx – mit großen Budgets. In dieser Hinsicht ist die Lücke sogar größer als bei den Männern.“
Demi Vollering gewann die 5. Etappe der TDFF 2026
Demi Vollering gewann die 5. Etappe der TDFF 2026

Sponsoren fordern zunehmend Frauenteams

Roodhooft sieht auch eine deutlich veränderte kommerzielle Landschaft. Am eigenen Beispiel erläutert er, dass Sponsor Fenix die Chance nutzte, als Titelsponsor des Frauenteams einzusteigen.
„Sie waren sehr glücklich, als sie Hauptsponsor der Frauen werden konnten. Weil sie das Potenzial sahen. AG Insurance sponsert ebenfalls ausschließlich Frauen. Vor allem aber zeigt sich: Jedes Herrenteam braucht heute auch eine Frauenmannschaft, sonst gelingt es nicht mehr, die richtigen finanziellen Partner zu gewinnen.“
Trotz steigender Investitionen hält Roodhooft den aktuellen Rennkalender nicht mehr für ausreichend, um diese Kosten zu rechtfertigen. „Die Investitionen sind zu groß geworden, um sich mit dem derzeitigen Kalender zufriedenzugeben.“
Zudem warnt er, dass der schnelle Anstieg der Gehälter den verfügbaren Talentpool überholt. „Es werden Gehälter bezahlt, die jeder Logik trotzen. Es gibt nicht genug Talent, um alle Plätze zu besetzen, dadurch werden gute Fahrerinnen überbezahlt. Daher muss im Gegenzug etwas geliefert werden. Allerdings gibt es noch zu viele Rennen mit zu wenig medialer Aufmerksamkeit, um die Investitionen in den Frauenradsport zu rechtfertigen.“
Mit Blick nach vorn skizziert er, was dem Frauenradsport aus seiner Sicht noch fehlt, um sein volles Potenzial zu erreichen. „Mehr talentierte Fahrerinnen, ein breiterer Kalender, mehr Konkurrenz im Sprint, und wir würden uns auch noch mehr belgische Talente wünschen. Dass sich damit nichts verdienen lässt, darf kein Argument mehr sein.“
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