Jonas Vingegaard betont, dass seine Form für den
Giro d’Italia exakt dort ist, wo sie sein muss – auch wenn
Team Visma | Lease a Bike weiterhin die Folgen des heftigen Sturzes auf Etappe 2 spürt, der die erste Rennwoche bereits geprägt hat.
Der Däne kam durch die bulgarische Grande Partenza ohne Zeitverlust und zeigte seine erste echte Beschleunigung des Rennens am Anstieg zum Kloster Lyaskovets, wo er sich kurz mit Giulio Pellizzari und Lennert Van Eetvelt absetzte. Der Vorstoß brachte weder Etappensieg noch Zeitgewinn, unterstrich aber, dass Vingegaard mit scharfer Form zum Giro angereist ist.
Im Gespräch mit Cycling Pro Net vor Etappe 4 machte Vingegaard deutlich, dass sein Selbstvertrauen ungebrochen ist.
„Ich bin wirklich zufrieden, wie alles läuft“, sagte er. „Die Form ist gut und die Leistungswerte stimmen bereits, daher bin ich happy und freue mich auf die kommenden Etappen.“
Vingegaard bleibt ruhig trotz Visma-Rückschlag
Diese Botschaft kam an einem Tag, an dem Visma ohne
Wilco Kelderman starten musste. Er wurde nach den anhaltenden Folgen des Sturzes auf Etappe 2 aus dem Rennen genommen. Für Vingegaard ist der Verlust eines wichtigen Berghelfers so früh im Giro alles andere als ideal, zumal das Rennen noch auf seinen ersten echten Hochgebirgstest wartet.
Kelderman war als Teil des Schutzwalls um den Dänen für die anstehenden italienischen Abschnitte eingeplant, wo Positionierung, Erfahrung und Klettertiefe immer wichtiger werden. Sein Ausstieg lässt Visma in der Umgebung von Vingegaard eine Option weniger, zu einem Zeitpunkt, an dem mehrere Konkurrenzteams ihre Pläne bereits neu zeichnen mussten.
Vingegaard klang jedoch fokussiert auf das, was funktioniert hat, statt auf das, was verloren ging. Sein Angriff auf Etappe 2 war nicht nur ein Test für die Konkurrenz. Er rahmte ihn erneut als Sicherheitsmaßnahme, um vor einer schwierigen Abfahrt und einem technischen Finale das Risiko zu reduzieren.
„Natürlich wäre es schön gewesen, etwas Zeit gutzumachen“, sagte er. „Aber andererseits war es auch, um es ein bisschen sicherer zu spielen, mit einer kleineren Gruppe in die Abfahrt zu gehen. Das ist mir ebenfalls gelungen.“
Etappe 4 dürfte keine GC-Offensive auslösen
Nach Ruhe- und Reisetag nimmt der Giro in Italien mit Etappe 4 von Catanzaro nach Cosenza wieder Fahrt auf. Die Strecke bietet Anstiege und einen zähen Schlussabschnitt, doch Vingegaard rechnet nicht damit, dass die Klassementfahrer daraus einen großen Test machen.
„Ich glaube nicht, dass das GC daraus Vorteile zieht“, sagte er. „Ich denke, es wird eher ein Tag für die Ausreißer oder einen Sprint. Das sind die zwei Optionen, die ich sehe – vielleicht ein Sprint eines reduzierten Feldes –, aber ich sehe die GC-Jungs heute nicht dafür gehen.“
Diese Einschätzung passt zum bisherigen Grundton von Vingegaards Giro. Er wirkt wachsam, stark und bereit, im richtigen Moment zu agieren, doch Vismas Priorität bleibt, die entscheidenden Bergetappen mit einem unversehrten Kapitän zu erreichen.
Keldermans Ausfall ist eine frühe Komplikation. Vingegaards eigene Form scheint hingegen eines der Probleme zu sein, das Visma derzeit nicht hat.