Von Pogacar über Vingegaard zu Evenepoel? Giro d’Italia soll 2027 den nächsten Ausnahmekönner begrüßen – Belgier will offene Rechnung begleichen

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 17 September 2026 um 11:00
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Der Giro d'Italia konnte innerhalb von nur drei Jahren zunächst Tadej Pogacar und anschließend Jonas Vingegaard am Start begrüßen. Nun könnte mit Remco Evenepoel der nächste große Name des Grand-Tour-Sports seinen Fokus auf Italien richten.
Laut La Gazzetta dello Sport beschäftigt sich Evenepoel bereits mit seiner Saisonplanung für 2027 und zeigt Interesse an einer Rückkehr zum Giro d'Italia. Es wäre sein erster Start bei der italienischen Grand Tour seit vier Jahren.

Giro d'Italia 2027 für Evenepoel bislang nur ein mögliches Szenario

Eine endgültige Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen. La Gazzetta dello Sport betont, dass der Giro derzeit eher eine Idee und ein mögliches Szenario als einen bereits bestätigten Bestandteil seines Rennprogramms darstellt. Der besondere Reiz läge für Evenepoel in der Rückkehr zu jener Grand Tour, die er bislang zweimal in Angriff genommen, aber beide Male vorzeitig beendet hat.
Remco Evenepoel und Tadej Pogacar nach der Tour de France 2026.
Remco Evenepoel könnte 2027 zum Giro d'Italia zurückkehren und damit vier Jahre nach seinem letzten, im Rosa Trikot beendeten Anlauf erneut Italien ins Visier nehmen.
Seit seinem bislang letzten Giro-Start 2023 schaffte Evenepoel zweimal den Sprung auf das Podium der Tour de France. Bei seinem Debüt 2024 belegte er den dritten Gesamtrang, in diesem Sommer steigerte er sich hinter Pogacar auf Platz zwei. Neben seinem Gesamtsieg bei der Vuelta a Espana 2022 bleibt der Giro damit die einzige Grand Tour, die Evenepoel weder beendet hat noch auf dem Gesamtpodium abschließen konnte.

Zwei Giro-Starts, zweimal vorzeitig raus

Evenepoels erster Giro-Start 2021 war gleichzeitig sein erstes Rennen seit beinahe neun Monaten. Im August des Vorjahres hatte er bei Il Lombardia einen schweren Sturz erlitten. Zudem handelte es sich um die erste Grand Tour seiner Karriere. Trotzdem lag der Belgier bis zum ersten Ruhetag auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung, ehe sich sein fehlender Rennrhythmus im weiteren Verlauf zunehmend bemerkbar machte.
In den Bergen schwanden seine Ambitionen auf eine Spitzenplatzierung in der Gesamtwertung. Nach einem Sturz auf der 17. Etappe war sein Giro schließlich vorzeitig beendet. Angesichts der schwierigen Begleitumstände seines Comebacks hatte Evenepoel die Erwartungen bis zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits übertroffen.
Als er 2023 zum Giro zurückkehrte, waren die Voraussetzungen vollkommen andere. Evenepoel reiste als Sieger der Vuelta a Espana und amtierender Weltmeister nach Italien und gehörte zu den großen Favoriten auf die Maglia Rosa. Diesen Status untermauerte er umgehend mit einer dominanten Vorstellung im Auftakt-Zeitfahren an der Costa dei Trabocchi.
Nachdem er das Leadertrikot zwischenzeitlich abgegeben hatte, eroberte Evenepoel die Maglia Rosa mit seinem Sieg im Zeitfahren der 9. Etappe in Cesena zurück. Nur wenige Stunden später zwang ihn jedoch ein positiver Covid-Test zur Aufgabe – obwohl er zu diesem Zeitpunkt die Gesamtwertung anführte. Bis heute sind diese beiden Auftritte seine einzigen Starts beim Giro d'Italia.

Pogacar und Vingegaard haben ihren Anlauf bereits genommen

Pogacar feierte 2024 sein lange erwartetes Giro-Debüt und dominierte die Rundfahrt nach Belieben. Der Slowene gewann sechs Etappen und entschied die Gesamtwertung mit beinahe zehn Minuten Vorsprung für sich, ehe er im Sommer mit dem Sieg bei der Tour de France auch das Giro-Tour-Double perfekt machte.
Deutlich offener entwickelte sich die Ausgabe 2025. Simon Yates stellte das Rennen auf der vorletzten Etappe gegen Isaac del Toro auf den Kopf, nachdem zuvor auch Richard Carapaz, Primoz Roglic und Juan Ayuso in den Kampf um die Gesamtwertung eingegriffen hatten.
Vingegaard gab schließlich in dieser Saison sein Giro-Debüt, nachdem sich seine Grand-Tour-Planung über Jahre hinweg vor allem um die Tour de France und die Vuelta a Espana gedreht hatte. Er verließ Italien mit der Maglia Rosa und wurde damit erst zum achten Fahrer der Geschichte, dem Gesamtsiege bei allen drei Grand Tours gelungen sind.
Evenepoel besitzt durch seinen Triumph bei der Vuelta a Espana 2022 bereits einen Teil dieser Sammlung, während seine Entwicklung bei der Tour de France weiterhin nach oben zeigt. Auf den dritten Platz bei seinem Debüt 2024 folgte 2026 Rang zwei – einzig Pogacar stand auf dem Schlusspodium noch vor ihm.
Eine Rückkehr nach Italien wäre daher keineswegs als Signal zu verstehen, dass Evenepoel seine Ambitionen bei der Tour de France zurückstellt. Vielmehr würde er sich erneut jener Grand Tour zuwenden, bei der seine beiden bisherigen Anläufe endeten, bevor er das Ziel der Rundfahrt erreichen konnte.

Stärkste Saison bisher mit Red Bull - BORA - hansgrohe

Der Bericht über die möglichen Giro-Pläne fällt zudem in die Schlussphase eines herausragenden ersten Jahres von Evenepoel bei Red Bull - BORA - hansgrohe. Zum Saisonauftakt siegte er auf Mallorca, anschließend gewann er die Gesamtwertung der Volta a la Comunitat Valenciana. Im Frühjahr ließ er den Triumph beim Amstel Gold Race folgen, hinzu kamen der dritte Platz bei der Flandern-Rundfahrt und ein weiterer Podestplatz bei Lüttich-Bastogne-Lüttich.
Bei der Tour de France erzielte Evenepoel sein bestes Grand-Tour-Ergebnis seit seinem Triumph bei der Vuelta a Espana. Hinter Pogacar belegte er den zweiten Gesamtrang und gewann zudem zwei Etappen. Damit steigerte er sich gegenüber dem dritten Platz bei seinem Tour-Debüt zwei Jahre zuvor erneut.
Anschließend feierte Evenepoel einen weiteren Sieg bei der Clasica San Sebastian, bevor er im September in Kanada in den Rennbetrieb zurückkehrte. Dort gewann er den Grand Prix de Quebec und belegte in Montreal den fünften Platz.
Zunächst gilt Evenepoels volle Konzentration jedoch der Weltmeisterschaft, bei der sowohl das Einzelzeitfahren als auch das Straßenrennen noch vor ihm liegen, ehe seine Saison in die Schlussphase geht. Danach dürfte die Planung für 2027 endgültig in den Mittelpunkt rücken. Vier Jahre nachdem ein positiver Covid-Test seinen letzten Giro im Rosa Trikot abrupt beendet hatte, spielt Italien in Evenepoels Überlegungen offenbar wieder eine Rolle.
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