Das plötzliche Verschwinden von
Simon Yates aus dem Profiradsport wird weiterhin als unangenehme Fußnote behandelt. Nach Ansicht der dänischen Radsportikone
Brian Holm darf dieses Schweigen nicht länger hingenommen werden.
Was Holms Kritik an Vismas Schweigen über Yates’ Abgang offenlegt
Im Café Eddy-Podcast stellte Holm sowohl das Timing als auch den Umgang mit
Yates’ sofortigem Rücktritt in Frage und wunderte sich, warum bei der Medienrunde von
Team Visma | Lease a Bike wenige Tage später keine härteren Fragen gestellt wurden.
Seine Botschaft war unmissverständlich: Journalisten hätten nachhaken müssen statt zur Tagesordnung überzugehen.
„Es gibt keine Fahrer, die einfach im Januar aufhören“, sagte Holm bei Café Eddy. „Wenn es eine Pressekonferenz gibt, warum stechen sie nicht nach und fragen: ‚Was zum Teufel ist bei Yates los?‘“
Ein Rücktritt, der weiterhin nicht schlüssig ist
Yates kündigte am 07.01. an, seine Karriere mit sofortiger Wirkung zu beenden, und verwies auf fehlende Motivation. Auf dem Papier klang die Erklärung sauber. In der Realität ließ das Timing im Peloton die Augenbrauen hochgehen.
Der 33-Jährige war amtierender Giro d’Italia-Sieger, in die Frühjahrsplanung eingebunden und intern weiterhin als Teil von Vismas Überlegungen für 2026 genannt. Wenige Tage später war er weg. Kein Abschiedsrennen. Kein langsames Ausgleiten. Kein öffentliches Follow-up.
Holm wies offen zurück, dass Motivation allein einen solchen Abgang erklärt, und listete eine Reihe offener Fragen auf, die aus seiner Sicht nie sauber beantwortet wurden. Er ging so weit zu sagen, er habe Gerüchte über interne oder finanzielle Reibungen gehört, betonte aber, dass das völlige Schweigen seit Yates’ Ankündigung den Verdacht nur verstärke.
„Ist das ein Kindergarten? Gibt es Probleme mit Whereabouts? Gesundheitliche Themen? Hat man sich verkracht?“, fragte Holm. „Nichts davon wurde aufgeklärt.“
Vismas Schweigen unter der Lupe
Was Beobachter am meisten frustriert, ist nicht nur Yates’ Verschwinden, sondern die fehlende Klarheit seitens des Teams.
Dieses Vakuum hat Spekulationen befeuert. Seither hat sich die Erzählung rund um Visma leise verschoben. Analysten fragen, ob das Team im Vergleich zur Konkurrenz an Stärke verloren hat. Andere verweisen auf interne Umstellungen, wobei Fahrer wie
Ben Tulett womöglich in Rollen rutschen, die ursprünglich nicht vorgesehen waren.Holms Kritik trifft genau diesen wunden Punkt. Er argumentiert nicht, dass Yates jemandem eine Erklärung schulde, wohl aber, dass ein Team an der Spitze des Sports nicht erwarten könne, dass eine Geschichte dieser Tragweite ohne kritisches Hinterfragen zur Seite gelegt wird.
Warum das über Yates hinaus relevant ist
Es geht längst nicht mehr nur um einen Fahrer, der aufhört.
Yates’ Rücktritt ist Teil einer breiteren Debatte über Burnout, Druck und die Kosten des Leistungssports an der Spitze des modernen Radsports geworden. In den vergangenen Monaten sprach Visma wiederholt über Workload-Management, schlankere Rennkalender und die mentale Belastung durch permanente Erwartungen. Holms Aussagen stellen infrage, ob diese Themen offen genug diskutiert werden oder ob unbequeme Wahrheiten liegen gelassen werden.
Dass Yates seit seiner Ankündigung komplett verstummt ist, verstärkt das Unbehagen zusätzlich. Aus Holms Sicht beendet diese Abwesenheit die Geschichte nicht. Sie verschärft sie.
Für ein Team, das sich Transparenz, Prozesse und langfristige Planung auf die Fahnen schreibt, bleiben die Fragen rund um Yates ungelöst. Und wie Holm klar machte: Solange sie nicht sauber adressiert werden, werden sie weiter über Vismas Projekt 2026 schweben.