Die auffälligste Erkenntnis aus Mathieu van der Poels Querfeldein-Winter sind nicht nur die Resultate, sondern die Kurve seiner Form. Was als Kampagne auf Kontrolle und Erfahrung basierte, hat sich zu etwas deutlich Entschiedenerem entwickelt.
Van der Poels Winterform entschlüsselt wie Dominanz planbar wird
Laut einem ehemaligen niederländischen Profi ist die aktuelle Version nicht nur auf einen weiteren WM-Titel im Matsch zugespitzt, sondern wirkt bereits bereit, sich in wenigen Wochen auch auf der Straße durchzusetzen.
Im Podcast Live Slow Ride Fast beschrieb
Laurens ten Dam eine klare Verschiebung in der Art, wie Van der Poel mit fortschreitendem Winter dominiert. Frühe Siege kamen über Know-how und Rennintelligenz. Inzwischen sind die Abstände gewachsen.
„Wir haben ihn in
Namur gesehen. Er hat dort auch gewonnen, aber rein aus Routine und weil er weiß, wie man ein Rennen zu Ende fährt. Jetzt kann er machen, was er will“, sagte Ten Dam. Selbst wenn das Pech zuschlägt, ändert das nichts mehr am Ausgang. Van der Poel gewinnt trotz Reifenschäden und Zwischenfällen, ein Muster der jüngsten Weltcup-Rennen.
Von Kontrolle zu Selektion
Diese Entwicklung zeigt sich am deutlichsten in der Rennentscheidung. Ten Dam verwies darauf, wie Van der Poel nun Lücken reißt, die sich schlicht nicht mehr schließen lassen. „Wenn man sieht, wie er durch die Kurven geht – er fährt da so schnell durch. Hat er erst ein paar Sekunden, bekommt man diese Lücke nicht mehr zu.“
Das Bild kennt man aus dem letzten Rennmonat. Konkurrenten können eine Zeit lang mitgehen, überstehen manchmal sogar die erste Attacke, doch sobald Van der Poel freie Fahrt hat, ist das Rennen faktisch gelaufen. Der Unterschied ist nicht mehr taktisch. Er ist physisch.
Ten Dam hält diese Veränderung für geplant. „Er war am Anfang nicht super, aber er hat trotzdem gewonnen. Diese kurzen Anstiege ist er auf seiner Basisform gefahren, aber diese richtige Schärfe und 25 Sekunden pro Runde schneller als der Rest waren noch nicht da.“
Ein Motor für mehrere Formgipfel
Am meisten beeindruckt Ten Dam, wie kontrolliert dieser Aufbau ist. „Er hat sich so einen großen Motor aufgebaut. Mit drei oder vier spezifischen Einheiten kann er einen Peak setzen“, erklärte er. Ebenso wichtig: Dieser Peak lässt sich abflachen und erneut aufbauen. „Mit ein paar längeren Einheiten kann er ihn wieder fallen lassen. Mit wenigen Intervalltrainings Richtung Omloop kann er dann den nächsten Peak setzen.“
Diese Fähigkeit, die Form zu timen, reicht weit über den Cross hinaus. Van der Poel hat angedeutet, dass er erstmals
Omloop Het Nieuwsblad bestreiten könnte, auch wenn noch keine finale Entscheidung gefallen ist. Ten Dam war eindeutig, was das bedeuten würde. „Wenn man sieht, wie er fährt – wer soll ihn dort schlagen?“
Leistung hinter der Leichtigkeit
Bei aller scheinbaren Mühelosigkeit betonte Ten Dam, dass dieses Niveau nicht gratis kommt. Van der Poel lässt Dominanz simpel aussehen, doch sie basiert auf langfristiger Arbeit. Sein Erfolg beruhe nicht nur auf Talent, sondern auf Umfang und Präzision des Trainings, das ihn trägt.
In Summe ergibt sich für die Konkurrenz ein vertrautes, aber weiterhin unbequemes Bild. Van der Poel kommt nicht nur siegend aus dem Querfeldein-Winter, sondern mit wachsender Beschleunigung. Und wenn Ten Dam recht behält, endet dieser Schwung nicht, wenn die Absperrgitter abgebaut werden.