Der Kampf um den Gesamtsieg bei der Vuelta a España geht in seine entscheidende Phase – und
Enric Mas trägt weiterhin das Rote Trikot. Gleichzeitig hat sich das
Movistar Team zu einem der bestimmenden Faktoren im Rennen entwickelt. Der Spanier von den Balearen verteidigte seine Führung auch an den anspruchsvollsten Tagen. Für
Alberto Contador ist die Ausgangslage der spanischen Mannschaft inzwischen deutlich günstiger als noch vor wenigen Tagen.
Der frühere Tour-, Giro- und Vuelta-Sieger aus Madrid analysierte die Entwicklung des Rennens bei
Eurosports „La Montonera“ und richtete seinen Blick insbesondere auf die Form von Mas sowie die Fähigkeit von Movistar, das Rennen auf den entscheidenden Etappen zu kontrollieren. Nachdem das Team die erste große Bewährungsprobe souverän gemeistert hat, sind für Contador die anfänglichen Zweifel an der Stärke der Mannschaft weitgehend verschwunden.
Contador sieht Movistar nach erster großer Prüfung gestärkt
Auch die Ausgangslage im Gesamtklassement hat sich durch den starken Auftritt von Felix Gall verändert. Der Profi von Decathlon CMA CGM befindet sich als Gesamtzweiter nun in einer ausgezeichneten Position. Damit könnte er nicht nur als direkter Rivale von Mas im Kampf um den Gesamtsieg eine entscheidende Rolle spielen, sondern aufgrund der taktischen Konstellation indirekt sogar zu einem Verbündeten des Trägers des Roten Trikots werden.
Enric Mas trägt das Rote Trikot der Vuelta a Espana und kann laut Alberto Contador mit Movistar gestärkt in den entscheidenden Kampf um den Gesamtsieg gehen.
Die neue Situation zwingt mehrere Fahrer dazu, ihre bisherige Rolle anzupassen. Als Zweiter der Gesamtwertung muss Gall bei möglichen Angriffen von Richard Carapaz oder Primoz Roglic mehr Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig hat Decathlon Fahrer und damit wichtige Möglichkeiten zur Kontrolle des Rennens verloren. Unter diesen Voraussetzungen glaubt Contador, dass Movistar die unsicherste Phase der Rundfahrt bereits überstanden hat.
„Movistars kritischer Moment liegt bereits hinter ihnen“
Contador räumte ein, zunächst durchaus Zweifel gehabt zu haben, als Mas erstmals das Rote Trikot übernahm. Zwar war er von der körperlichen Verfassung des Gesamtführenden überzeugt, bei dessen Mannschaft sah er jedoch zunächst ein Fragezeichen. „Ehrlich gesagt, als Enric zuerst Rot anzog, war ich besorgt. Ich sah, dass Enric die Beine hatte, aber ich wusste nicht, inwieweit das Team sie auch hatte“, erklärte der ehemalige Profi.
Die erste echte Bewährungsprobe folgte bei der Bergankunft am Calar Alto. Dort musste Movistar zeigen, ob die Mannschaft tatsächlich in der Lage ist, die Gesamtführung auch im Hochgebirge zu verteidigen. Der Auftritt der Spanier überzeugte Contador und beseitigte einen Großteil seiner vorherigen Zweifel. „Die erste wichtige Prüfung war Calar Alto, und sie haben das sehr gut gelöst. Ich denke, Movistars kritischer Moment liegt bereits hinter ihnen“, betonte er.
„Decathlon wird ein Verbündeter sein“
Ein weiterer Faktor könnte Mas in der entscheidenden Phase der Vuelta zusätzlich in die Karten spielen: die veränderte Situation bei Decathlon. Die französische Mannschaft hat Fahrer verloren und dadurch an Möglichkeiten eingebüßt, das Rennen zu kontrollieren. Gleichzeitig befindet sich Gall in einer Position, in der er zwangsläufig mehr Verantwortung übernehmen muss. „Jetzt wird das Team Decathlon ein Verbündeter sein“, stellte Contador fest.
Der Eurosport-Analyst geht davon aus, dass die personellen Verluste die Strategie von Decathlon auf den kommenden Etappen maßgeblich beeinflussen werden. „Heute haben sie einen ihrer Männer verloren, und man sah weniger Drang zu attackieren, zu führen, weil Felix Gall personell auf sich gestellt ist“, erklärte Contador. Für das französische Team bedeutet das, mit den verbliebenen Kräften deutlich sorgfältiger haushalten zu müssen.
Contador geht in seiner Analyse sogar noch einen Schritt weiter. Nicht nur Decathlon als Mannschaft, sondern vor allem Gall selbst könnte für Mas und Movistar zu einem entscheidenden Faktor im weiteren Rennverlauf werden. „Wenn ich von Decathlon spreche, meine ich nicht nur das Team, sondern auch Gall. Gall wird noch mehr zum Helfer, als er es bisher war“, sagte der Spanier.
Die taktische Logik dahinter ist für Contador eindeutig: Gall kann sich nicht darauf beschränken, seine eigene Position im Gesamtklassement zu verteidigen. Vielmehr muss der Österreicher auch auf Attacken seiner direkten Konkurrenten reagieren. „Er wird derjenige sein, der das Tempo machen muss, wenn Carapaz geht oder wenn Primoz Roglic geht, weil er ihnen Zeit abnehmen muss“, begründete Contador seine Einschätzung.
In dieser veränderten Konstellation sieht der ehemalige spanische Spitzenfahrer Mas und Movistar mit einem deutlichen Vorteil in die entscheidende Phase der Vuelta gehen. Verglichen mit der Unsicherheit, die noch herrschte, als Mas erstmals das Rote Trikot übernahm, habe sich die Ausgangslage erheblich verbessert. „Ich denke, das Schwerste liegt bereits hinter ihnen“, schloss Contador und zeigte sich überzeugt davon, dass Movistar das Finale der Vuelta nun aus einer wesentlich stärkeren Position bestreiten kann.