Vor der 21. und letzten Etappe der
Vuelta a Espana formiert sich Widerstand im Peloton. Die Mehrheit der Fahrer fordert für das Finale am Sonntag zumindest eine teilweise Neutralisierung der Zeiten für die Gesamtwertung. Grund dafür sind Sicherheitsbedenken hinsichtlich des anspruchsvollen Stadtkurses in Granada.
Zum Abschluß der Vuelta warten noch einmal 110 Kilometer auf das Peloton. Die Schlussetappe führt über einen Rundkurs durch das Zentrum von Granada, auf dem viermal ein 2,1 Kilometer langer Kopfsteinpflaster-Anstieg mit einer durchschnittlichen Steigung von mehr als sieben Prozent bewältigt werden muß. Genau diese Streckenführung bereitet Fahrern und Teams jedoch Sorgen.
Peloton fordert Neutralisierung der Gesamtwertungszeiten
Am Samstagnachmittag wurde berichtet, dass die Organisatoren der Forderung bislang ablehnend gegenüberstehen. Eine offizielle Entscheidung darüber, unter welchen Bedingungen die 21. Etappe ausgetragen wird, steht allerdings noch aus. Der Start ist für Sonntag um 16:20 Uhr MESZ vorgesehen.
„Bei einer Etappe wie dieser ist das grundsätzlich gut möglich. Es ist eine schwierige und gefährliche Schleife durch das Zentrum von Granada. Wir diskutieren darüber, die Zeiten zu neutralisieren, wie bei der Tour“, erklärte Decathlon-Profi Sander De Pestel nach der 20. Etappe gegenüber
Sporza.
Besonders problematisch sind aus Sicht der Fahrer die möglichen Folgen eines Sturzes oder technischen Defekts. „Angenommen, jemand stürzt oder hat 40 Kilometer vor dem Ziel einen Defekt, dann ist es unmöglich, wieder aufzuschließen. Die Organisation will die Zeiten nicht neutralisieren.“
Auf dem Stadtkurs muß das Peloton insgesamt vier Runden absolvieren. Herzstück der Schleife ist ein kurzer und technisch anspruchsvoller Kopfsteinpflaster-Anstieg. Mit dieser Streckenführung weicht die Vuelta vom traditionellen flachen Schaulaufen auf der letzten Etappe ab und ermöglicht noch einmal einen echten Kampf um den Tagessieg. Gleichzeitig befürchten die Teams, dass Stürze oder Defekte das nach drei Wochen entstandene Gesamtklassement auf den letzten Kilometern entscheidend verfälschen könnten.
Eine Neutralisierung der Gesamtwertungszeiten würde dabei keineswegs bedeuten, dass der sportliche Wettkampf um den Etappensieg entfällt. Das Rennen um den Tagessieg in Granada könnte unverändert fortgesetzt werden, während die für das Gesamtklassement relevanten Zeiten bereits an einem zuvor festgelegten Punkt vor dem Ziel genommen würden.
Sicherheitsbedenken auf dem Rundkurs in Granada
Neben dem Kopfsteinpflaster sorgen vor allem die technischen Abfahrten für Bedenken. „Es gibt viele Haarnadelkurven in den Abfahrten, und die Straßen sind im Stadtzentrum extrem rutschig.“
De Pestel fordert deshalb, bei der Entscheidung insbesondere die Fahrer zu berücksichtigen, die drei Wochen lang um ihre Positionen in der Gesamtwertung gekämpft haben. „Sie müssen wirklich ein bisschen an die Fahrer denken, insbesondere an die Klassementfahrer, die drei Wochen lang um jede Sekunde kämpfen und dann wegen eines Plattens zwei Minuten verlieren könnten. Das wäre schade.“
Seine Haltung faßte der Belgier anschließend unmißverständlich zusammen: „Das ist kein Zirkus.“
Die Forderung nach einer Neutralisierung ist im Grand-Tour-Radsport kein Novum. Sowohl beim Giro d’Italia als auch bei der Tour de France kamen in diesem Jahr auf Etappen mit Stadtkursen entsprechende Regelungen zum Einsatz.
Beim Giro wurden auf der 15. Etappe in Mailand auf Forderung der Klassementfahrer die Zeiten für die letzte Runde neutralisiert. Auch bei der Tour de France wurden auf der Schlussetappe bereits zum zweiten Jahr in Folge die für die Gesamtwertung relevanten Zeiten vor dem abschließenden Anstieg nach Montmartre genommen.