Die
Vuelta a Espana 2026 hat zahlreiche herausragende Einzelleistungen hervorgebracht. Über allen steht
Enric Mas, der unmittelbar davorsteht, seinen Triumph im roten Trikot offiziell perfekt zu machen – nachdem er fast ein Jahrzehnt lang immer wieder nur knapp am ersehnten Grand-Tour-Gesamtsieg vorbeigeschrammt war.
Vom überraschenden Gesamterfolg von Mas über die frühen Etappensiege von
Tadej Pogacar und die Sprintdominanz von Matthew Brennan bis hin zu Mikel Landas spektakulärem Coup in der Sierra Nevada: Diese Vuelta hatte zahlreiche Protagonisten, die dem Rennen ihren Stempel aufdrückten.
Die „perfekte Acht“ der Vuelta a Espana 2026
Gesamtwertungsfahrer, Ausreißerhelden, Sprinter und Etappenjäger – das Rennen lieferte genügend Kandidaten für eine „perfekte Acht“. Vor dem großen Finale in Granada werfen wir nach 20 Renntagen in Spanien einen detaillierten Blick auf die acht Fahrer, die diese Vuelta besonders geprägt haben.
1. Enric Mas
An der Spitze dieser Auswahl kann nur Enric Mas stehen. Der Mallorquiner war trotz seiner vier vorherigen Podiumsplatzierungen bei der Vuelta nicht als Topfavorit der Organisatoren ins Rennen gegangen. Kurz vor dem Ende der Rundfahrt steht er nun jedoch als klarer Sieger dieser Ausgabe da.
Bereits in den ersten Tagen setzte Mas deutliche Zeichen. In den Bergen konnte er mit Tadej Pogacar mithalten, nach dessen Ausscheiden erwies er sich schließlich auch gegenüber seinen direkten Konkurrenten um das rote Trikot als überlegen.
Zum Schlüsselmoment wurde das Zeitfahren zwischen El Puerto de Santa Maria und Jerez de la Frontera. Mas zeigte dort das wohl beste Zeitfahren seiner Karriere, büßte nur wenig Zeit auf
Primoz Roglic ein und legte damit den entscheidenden Grundstein für seinen Gesamtsieg.
Auf den letzten beiden Bergetappen verwaltete der Spanier seinen Vorsprung souverän. Damit bestätigte er – ungeachtet der Aufgabe von Pogacar –, dass er der stärkste Fahrer dieser Vuelta war.
2. Tadej Pogacar
Der zweite Platz geht an Tadej Pogacar, obwohl der Slowene die Vuelta nicht beenden konnte. Nach einem Sturz auf der achten Etappe mußte er das Rennen aufgeben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Pogacar der Konkurrenz allerdings eine eindrucksvolle Lehrstunde erteilt: Drei Etappensiege unterstrichen einmal mehr, weshalb er als bester Radfahrer der Welt gilt.
Tadej Pogacar gewann drei Etappen der Vuelta a Espana 2026, ehe ein Sturz auf der achten Etappe den Slowenen zur Aufgabe zwang.
Sein Ausscheiden war die Folge eines Sturzes über einen auf der Straße liegenden Stein und beraubte die Vuelta eines möglichen großen Duells um den Gesamtsieg. Bis dahin hatte Pogacar eine klare Botschaft gesendet: Hätte er das Rennen fortsetzen können, wäre das rote Trikot sein primäres Ziel gewesen – und die Vuelta hätte vermutlich eine völlig andere Dynamik entwickelt.
3. Matthew Brennan
Matthew Brennan avancierte zu einer der großen Entdeckungen dieser Vuelta. Der junge britische Sprinter von Visma - Lease a Bike war in den Massensprints praktisch nicht zu bezwingen und sammelte im Verlauf der Rundfahrt beeindruckende fünf Etappensiege.
Doch Brennan überzeugte nicht nur mit seiner Endgeschwindigkeit. Auch auf anspruchsvollerem Terrain behauptete er sich, überstand wellige Passagen und deutete damit an, dass in ihm deutlich mehr steckt als ein reiner Massensprinter. Die Vuelta a Espana 2026 bestätigte endgültig den Aufstieg eines neuen Stars.
4. Wout van Aert
Auf Rang vier folgt mit Wout van Aert eine weitere der prägenden Figuren dieser Rundfahrt. Der Belgier sicherte sich das grüne Trikot, doch allein die Punktewertung wird seinem Einfluß auf das Rennen nicht gerecht. Vom Auftakt bis zum Finale gehörte Van Aert zu den aktivsten Fahrern im Peloton und suchte beinahe permanent seine Chancen.
Zwei Etappensiege gingen auf sein Konto, darunter eine herausragende Vorstellung am vorletzten Renntag. Gleichzeitig stellte sich Van Aert bei zahlreichen Erfolgen von Brennan in den Dienst seines Teamkollegen und fungierte als Weltklasse-Anfahrer für den jungen Briten. Seine Vuelta war eine Demonstration aus Kraft, Rennintelligenz und Konstanz.
5. Jakob Omrzel
Jakob Omrzel verkörpert dagegen vor allem die Zukunft. Der 2006 geborene Slowene feierte auf der zwölften Etappe einen bemerkenswerten Sieg aus einer Ausreißergruppe und machte damit eindrucksvoll auf sein enormes Potential aufmerksam.
Mit gerade einmal 20 Jahren spielte Omrzel seine taktischen Möglichkeiten geschickt aus. In einer Phase der Rundfahrt, in der die Gesamtwertung noch nicht vollständig gefestigt war, nutzte er seine Gelegenheit und erwies sich als stärkster Fahrer der Fluchtgruppe.
Auch in der Gesamtwertung hinterließ Omrzel einen bleibenden Eindruck. Er beendete die Vuelta in den Top 10 und verpaßte das weiße Trikot nur knapp. Seine Leistung liefert einen weiteren Beleg dafür, dass Slowenien bereits die nächste Generation für die Zeit nach seinen aktuellen Superstars hervorbringt.
6. Primoz Roglic
Platz sechs geht an Primoz Roglic, der einmal mehr seine außergewöhnliche Beständigkeit unter Beweis stellte. Nach schwierigen Monaten reiste der Slowene nicht in absoluter Topform zur Vuelta und gehörte im Vorfeld auch nicht zu den am stärksten hervorgehobenen Favoriten auf den Gesamtsieg.
Primoz Roglic bewies bei der Vuelta a Espana einmal mehr seine Konstanz und sicherte sich hinter Enric Mas den zweiten Platz der Gesamtwertung.
Trotzdem war Roglic über drei Wochen hinweg stets vorne dabei und steht am Ende auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung.
Es war nicht die allerbeste Version des viermaligen Vuelta-Siegers, die in Spanien zu sehen war. Dennoch bewies Roglic, dass er selbst unter schwierigen Voraussetzungen weiterhin zur absoluten Weltspitze gehört. Den Angriffen von Mas konnte er letztlich nicht entscheidend begegnen, doch seine Konstanz und Widerstandsfähigkeit brachten ihm ein weiteres Grand-Tour-Podium ein.
7. Felix Gall
Felix Gall komplettiert das Trio an der Spitze der Gesamtwertung. Der Österreicher beendet die Vuelta auf dem dritten Platz und erreicht damit zugleich eine bemerkenswerte Marke: Nach seinem zweiten Rang beim Giro d’Italia ist er in dieser Saison der einzige Fahrer, der bei zwei Grand Tours auf dem Podium stand.
In den Bergen vermittelte Gall phasenweise sogar den Eindruck, stärker als Roglic zu sein. Vollständig ausspielen konnte er diesen Vorteil jedoch nicht. Der Analyse zufolge spielten dabei sowohl die taktischen Entscheidungen von Decathlon als auch Galls Leistung im Zeitfahren eine Rolle.
Seinen Platz auf dem Podium konnte ihm dennoch niemand ernsthaft streitig machen. Weder Oscar Onley noch Sepp Kuss oder Richard Carapaz kamen dem Österreicher am Ende nahe genug, um ihn noch vom dritten Gesamtrang zu verdrängen.
8. Mikel Landa
Den letzten Platz in der „perfekten Acht“ erhält Mikel Landa – und damit der Protagonist einer der spektakulärsten Geschichten dieser Vuelta.
Bis zur 20. Etappe war der Baske weitgehend unter dem Radar geblieben. Doch ausgerechnet auf der Königsetappe vor der Kulisse der Sierra Nevada und Granadas zeigte sich plötzlich ein völlig anderer Landa. Aus einer zweiten Gruppe mit rund 50 Fahrern arbeitete er sich nach vorne und entwickelte sich zu einem der entscheidenden Akteure des Tages.
Dann schlug die Stunde des Basken. Mit den Händen im Unterlenker setzte Landa zu jener Attacke an, die den „Landismo“ noch einmal in seiner ganzen Pracht aufleben ließ. Am Ende stand ein ebenso überraschender wie beeindruckender Etappensieg – und ein ganz besonderer noch dazu: Elf Jahre nach seinem vorherigen Erfolg bei der Vuelta a Espana durfte Landa bei seiner Heim-Grand-Tour endlich wieder jubeln.