Jonas Vingegaard hat offenbart, dass ihn
Tadej Pogacar nach seinem folgenschweren Sturz bei der
Tour de France 2026 persönlich kontaktierte. Der Däne erklärte zudem, dass sich das Verhältnis zwischen den beiden größten Rundfahrt-Rivalen der vergangenen Jahre inzwischen deutlich verändert habe.
Nachdem sich Vingegaard auf der 15. Etappe das Schlüsselbein gebrochen hatte und die Tour aufgeben musste, reagierte Pogacar nicht nur öffentlich auf den Unfall. Der Kapitän von UAE Team Emirates - XRG schrieb seinem Kontrahenten auch eine private Nachricht.
Vingegaard: „Er hat mir eine Nachricht geschickt“
„Er hat mir eine Nachricht geschickt“,
sagte Vingegaard während der Dänemark-Rundfahrt in seiner Heimatstadt Glyngore gegenüber dänischen Medien. „Das hat mich sehr gefreut. Ich bin einfach froh, dass er an mich gedacht hat, und ich finde es großartig, wie sich die Rivalität zwischen uns entwickelt hat.“
Jonas Vingegaard and Tadej Pogacar ride alongside each other at the 2026 Tour de France
Der Sturz ereignete sich in einem Kreisverkehr rund 20 Kilometer vor dem Ziel der 15. Etappe auf dem Weg zum Plateau de Solaison. Vingegaard war als Gesamtzweiter mit einem Rückstand von 4:30 Minuten auf Pogacar in den Tag gestartet.
Visma - Lease a Bike bereitete zu diesem Zeitpunkt einen Angriff auf dem Schlussanstieg vor, ehe der Unfall sämtliche Pläne zunichtemachte.
Der Schlüsselbeinbruch machte eine Operation erforderlich und beendete das nächste große Duell der beiden Tour-Stars vorzeitig. Pogacars persönliche Nachricht folgte auf Jahre, in denen sich beide nahezu jedes bedeutende Rennen um das Gelbe Trikot geliefert hatten.
Seit der Tour de France 2021 prägen Pogacar und Vingegaard die größte Rundfahrt der Welt. Gemeinsam gewannen sie alle sechs vergangenen Austragungen. Pogacar triumphierte 2021, ehe Vingegaard 2022 und 2023 zurückschlug. Der Slowene holte sich das Gelbe Trikot 2024 zurück und feierte nun seinen dritten Tour-Sieg in Folge, nachdem Vingegaards Sturz das jüngste Kapitel ihrer Rivalität vorzeitig beendet hatte.
Aus Rivalen wurden gegenseitige Respektspersonen
Abseits des Rennens verlief das Verhältnis der beiden zunächst deutlich distanzierter.
„Am Anfang war es vielleicht ein bisschen, nicht feindselig, aber auch nicht besonders freundschaftlich“, sagte Vingegaard. „In den letzten ein, zwei Jahren sind wir viel freundlicher geworden. Das finde ich wirklich schön. Manchmal führen wir gute Gespräche, die mir gefallen.“
Während Visma - Lease a Bike und UAE Team Emirates - XRG ihre Grand-Tour-Programme immer wieder gezielt aufeinander ausrichteten, lieferten sich ihre beiden Kapitäne regelmäßig spektakuläre Duelle und distanzierten den Rest des Feldes oftmals deutlich.
Auch Verletzungen prägten diese Rivalität. Vingegaard verlor nach seinem schweren Sturz bei der Baskenland-Rundfahrt einen Großteil seiner Vorbereitung auf die Tour de France 2024. Pogacar wiederum hatte sich bereits im Frühjahr 2023 das Handgelenk gebrochen.
Dennoch standen beide jeweils rechtzeitig wieder am Start der Tour de France und kämpften erneut um den Gesamtsieg. Pogacar musste sich 2023 noch Vingegaard geschlagen geben, ehe er ein Jahr später nach der verkürzten Vorbereitung seines Rivalen den Spieß wieder umdrehte.
Die Rivalität begann, als Vingegaard 2021 erstmals als ernsthafter Herausforderer Pogacars auftrat. Sechs Tour-de-France-Ausgaben später haben ausschließlich diese beiden Fahrer das wichtigste Etappenrennen der Welt gewonnen.
Vingegaard glaubt weiter an einen Tour-Sieg
Trotz Pogacars inzwischen besserer Bilanz glaubt Vingegaard unverändert daran, den Slowenen künftig wieder schlagen zu können. Bei seinem Auftritt in Glyngore machte der Däne deutlich, dass er fest mit einer Rückkehr zur Tour de France rechnet.
Zwar hat der 29-Jährige das Training nach seiner Operation bislang noch nicht wieder aufgenommen. Ob er 2026 noch einmal ins Renngeschehen zurückkehrt, ist weiterhin offen. Ein Start bei den Weltmeisterschaften in Montreal gilt zwar als möglich, doch Vingegaard möchte eine überhastete Rückkehr wie nach seinem schweren Sturz im Baskenland vor zwei Jahren diesmal vermeiden.
„Ich habe auch aus meinem Sturz vor zwei Jahren etwas gelernt“, sagte er. „Ich will nichts erzwingen, denn es braucht viel, um zurückzukommen.“
Seinen verletzten Arm kann Vingegaard inzwischen wieder bewegen. Allerdings räumte er ein, dass die volle Kraft noch nicht zurückgekehrt sei. Zugleich betonte er, dass er zu diesem Zeitpunkt der Saison ohnehin eine Pause eingelegt hätte, nachdem er bereits den Giro d'Italia gewonnen und zwei intensive Wochen bei der Tour de France absolviert hatte.
Pogacars jüngster Tour-Sieg hat den Slowenen in der direkten Bilanz zwar weiter nach vorne gebracht. Für Vingegaard ändert das jedoch nichts an seinem langfristigen Ziel.
Abseits der Rennen ist aus einer einst kühlen Rivalität gegenseitiger Respekt geworden. Auf der Straße aber will Vingegaard Pogacar auch künftig wieder herausfordern – im Kampf um das Gelbe Trikot der Tour de France.