ANALYSE: Vuelta a Espana 2026 als letzte große Chance – wird es Mikel Landas Grand-Tour-Abschied?

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 14 August 2026 um 10:30
Mikel Landa
Mikel Landa wird die Vuelta a Espana 2026 mit einer ganz besonderen Motivation in Angriff nehmen. Der erfahrene Baske von Soudal Quick-Step ist am Donnerstag, 13. August 2026, bei der Tour of the Czech Republic gestartet, um dort an seiner Form zu feilen und sich bestmöglich für die letzte Grand Tour des Jahres zu rüsten. Es wird seine letzte Vuelta im Trikot des belgischen Teams – und womöglich sogar sein letzter Start bei einer Grand Tour überhaupt.
Für Landa besitzt die spanische Landesrundfahrt eine besondere Bedeutung. Über viele Jahre hinweg war der heute 36-Jährige dank des „Landismo“-Phänomens eine der prägenden Figuren des spanischen Radsports. Nach einer Saison voller Pech und körperlicher Rückschläge fühlt sich allein seine Teilnahme an der Vuelta deshalb beinahe wie eine Belohnung an.

Schwerer Sturz wirft Landas gesamte Saison über den Haufen

Landas Saison 2026 geriet bereits bei der Baskenland-Rundfahrt aus den Fugen. Auf der 2. Etappe stürzte der Baske bei der Abfahrt vom San Miguel de Aralar schwer – ein Zwischenfall, der seine ursprünglichen Saisonziele komplett zunichtemachte.
Mikel Landa bei der Tour de Suisse 2026.
Mikel Landa nimmt die Vuelta a Espana 2026 nach einer von Rückschlägen geprägten Saison in Angriff – es könnte eine seiner letzten Grand Tours sein.
Der Sturz kostete ihn die Teilnahme am Giro d'Italia, bei dem Landa Soudal Quick-Step als Kapitän anführen sollte. Besonders bitter: Der Corsa Rosa schien eine seiner großen Chancen zu sein, noch einmal in die absolute Spitze der Gesamtwertung einer Grand Tour zurückzukehren.
Nach dem verpassten Giro richtete sich der Blick auf die Tour de France. Landa arbeitete daran, wieder das erforderliche Niveau zu erreichen, und nutzte die Tour de Suisse als Vorbereitung auf die Grande Boucle. Doch die Folgen seines Sturzes machten ihm weiterhin zu schaffen. Der Baske konnte die Schweizer Rundfahrt nicht beenden und musste schließlich auch auf einen Start bei der Tour verzichten.
Inzwischen stellt sich die Situation vollkommen anders dar. Landa wird die Vuelta a España bestreiten, nachdem sein Wechsel zu Euskaltel Euskadi bis 2028 bereits bestätigt wurde. Der vor wenigen Wochen verkündete Transfer führt ihn zurück in eine baskische Mannschaft und dürfte, sofern nichts Unvorhergesehenes geschieht, die letzte Phase seiner Profikarriere prägen.

Ein Vuelta-Podium bleibt für Mikel Landa wohl ein Traum

Da Starts beim Giro und bei der Tour in den kommenden Jahren praktisch ausgeschlossen erscheinen, sofern Euskaltel Euskadi nicht überraschend eine Wildcard erhält, rückt die Vuelta als Landas letzte große Bühne besonders in den Mittelpunkt.
Entsprechend emotional ist dieser Start aufgeladen. Es wird die letzte Gelegenheit sein, Landa bei einer Grand Tour im Trikot von Soudal Quick-Step zu erleben – und eine der letzten Chancen, einen Fahrer auf dieser Bühne zu sehen, der über Jahre hinweg Tausende spanische Radsportfans zum Träumen brachte.
Doch Hoffnung ist das eine, die sportliche Realität das andere.
Landa reist ohne eine normale Saison in den Beinen zur Vuelta und hat noch erheblichen Nachholbedarf. Sein Comeback bei der Vuelta a Burgos verlief alles andere als spektakulär: In der Gesamtwertung reichte es lediglich zu Platz 37. Allerdings ging es dort in erster Linie darum, überhaupt wieder Rennrhythmus aufzunehmen.
Umso wichtiger ist die Tour of the Czech Republic. Dort muss Landa in diesen Tagen zeigen, dass seine Formkurve nach oben weist und sein Körper bereit ist, die Belastungen von drei Rennwochen auf hohem Niveau zu verkraften.
An ein Podium bei der Vuelta zu denken, erscheint deshalb eher utopisch als realistisch. Die Rundfahrt wird außergewöhnlich stark besetzt sein. Tadej Pogacar geht als klar herausragender Favorit ins Rennen, dahinter steht eine lange Reihe weiterer Fahrer bereit, die auf die Spitzenplätze der Gesamtwertung zielen.
Genau an diesem Punkt sollte Landa auch sein eigentliches Ziel definieren. Gerät die Gesamtwertung außer Reichweite, sollte er konsequent umdenken und alles auf einen Etappensieg setzen. Es wäre keineswegs irgendein Erfolg: Für Landa wäre es der zweite Vuelta-Etappensieg seiner Karriere – elf Jahre nach seinem Triumph im Jahr 2015.
Dieser Erfolg stammt aus einer völlig anderen Phase seiner Laufbahn. Nun kehrt Landa als Routinier zurück, nach einer komplizierten Saison und mit der Gewissheit, dass seine sportliche Zukunft bei Euskaltel Euskadi liegt. Gerade vor diesem Hintergrund würde ein weiterer Vuelta-Sieg enormes Gewicht besitzen.
Das Profil der Vuelta bietet einem Fahrer mit Landas Qualitäten durchaus Möglichkeiten. Vor allem auf den Bergetappen könnte er den Sprung in eine Fluchtgruppe schaffen und dort seine enorme Erfahrung ausspielen. Er muss diese Vuelta nicht gewinnen. Er muss nicht einmal um das Podium kämpfen. Landa braucht diesen einen Tag.
Einen Tag, an dem er sich wieder konkurrenzfähig fühlt. Einen Tag, an dem er aus der Distanz angreift und am Ende die Arme in die Höhe reißen kann – wahrscheinlich bei einer seiner letzten Grand Tours.
Nach allem, was Landa 2026 durchmachen musste, wäre es der perfekte Abschluss seines Kapitels bei Soudal Quick-Step. Und sei es nur für einen einzigen Tag, könnte er damit jenes Gefühl zurückbringen, das den „Landismo“ so lange getragen hat. Die Vuelta a España 2026 könnte seine letzte große Chance sein.

Landas Idealplan bei der Vuelta a Espana

ZielEinschätzung
GesamtwertungSehr schwierig
PodiumAktuell utopisch
EtappensiegeDas realistischste Ziel
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