„15 Millionen Euro“ – Patrick Lefevere behauptet, Lidl-Trek habe so viel für den Freikauf von Juan Ayusos Vertrag bei UAE Team Emirates gezahlt

Radsport
Samstag, 06 Juni 2026 um 11:30
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Patrick Lefevere führt Soudal - Quick-Step zwar nicht mehr, bleibt aber eine der einflussreichsten und gefürchtetsten Stimmen im Profiradsport. Der belgische Routinier seziert die tiefgreifenden Veränderungen bei Lidl-Trek und lässt eine Salve scharfer Kritik am neuen Führungsteam los. Unter anderem spricht er darüber, was die Verpflichtung von Juan Ayuso die nun in Deutschland registrierte Mannschaft auf dem Transfermarkt gekostet haben könnte.
In seiner wöchentlichen Kolumne für Het Nieuwsblad stellt Lefevere sowohl den Abgang von Luca Guercilena als auch das von Lidl getriebene Ausgabenmodell und die spektakulären Deals am Markt infrage. Der Belgier sieht das Team in eine gefährliche Dynamik rutschen, geprägt von hohen Investitionen, überstürzten Entscheidungen und einer internen Umstrukturierung zum schlechtesten Zeitpunkt.
Zum Abgang von Luca Guercilena greift Lefevere zu einer schneidend scharfen Analogie. „Erst gab es die Ermordung von Julius Cäsar, jetzt gibt es die Pressemitteilung, mit der Lidl-Trek diese Woche Luca Guercilena entlassen hat“, schrieb Lefevere und deutete an, dass die Entscheidung für Beobachter der deutschen Mannschaft wie ein Schock kam.
Juan Ayuso, spanischer Fahrer
Juan Ayuso in den Farben von Lidl-Trek 
Besonders ins Visier nimmt der Belgier den betont konzernhaften Ton, mit dem der Abschied des Italieners verkündet wurde. „Wir danken ihm für seine Vision, Führung und Leidenschaft … bla bla bla“. Für Lefevere kaschieren diese Worte einen weitaus traumatischeren Abgang, als die öffentliche Version nahelegt.
„Es ist vielleicht kein wörtlicher Dolchstoß in den Rücken, aber feige ist es trotzdem“, ergänzt der frühere Quick-Step-Chef. Lefevere argumentiert, Guercilena habe nach so vielen Jahren Aufbauarbeit und der Etablierung des Teams in der WorldTour eine völlig andere Behandlung verdient.
„Offenbar ist man der Meinung, die aktuellen Ergebnisse passten nicht zu all den Investitionen, die bereits getätigt wurden“, schrieb Lefevere. Zugleich deutet er eskalierende Ausgaben an. „Wenn ich glaube, was man im Peloton hört, ist bereits furchtbar viel Geld verbrannt worden“, fügt er hinzu.

Die Verpflichtung von Juan Ayuso

Die schärfste Kritik folgt bei den Königstransfers. Lefevere erinnert daran, dass er selbst Juan Ayuso sondierte, als er noch Soudal - Quick-Step leitete. Seiner Darstellung nach war der Deal für Strukturen mit engerem Budget völlig unrealistisch.
„Ich habe schon gesagt, dass ich bei UAE Team Emirates wegen Juan Ayuso angefragt habe“, erinnerte er sich. Die Antwort von Joxean Matxin beendete jede Verhandlung. „‚Unmöglich‘, sagte er mir, ‚das kostet mindestens fünfzehn Millionen Euro‘“, schrieb der Belgier.
Lefevere bedient sich sogar eines gängigen belgischen Ausdrucks, um zu unterstreichen, dass der Transfer außerhalb der Quick-Step-Reichweite lag. „Das war nichts für unseren Teller“, sagte er. Wenige Monate später sah er, wie Lidl-Trek den spanischen Fahrer verpflichtete, und vermutet, dass eine ähnliche Summe im Spiel war. Zuvor kursierten Werte von bis zu 10 Millionen Euro.
Der frühere Manager stellt zudem die Verpflichtung von Derek Gee-West infrage und deutet an, dass die Zahlen bei Lidl-Trek selbst nach heutigen Maßstäben überzogen sind. Konkrete Beträge vermeidet er, macht seine Sicht auf den Transfer jedoch glasklar.
„Ich habe auch eine Zahl zur Verpflichtung von Derek Gee-West gehört“, erläutert Lefevere. „Nicht konkret genug, um sie hier zu wiederholen, aber sagen wir, selbst die Hälfte erschiene mir zu viel Geld“, fügte er in seiner Transfermarkt-Analyse spitz an.

Die prall gefüllten Kassen von Lidl und Red Bull

Für Lefevere verkörpern Lidl-Trek und Red Bull-BORA-hansgrohe aktuell ein neues Modell im internationalen Peloton. Beide Teams verhielten sich wie neu Reichgewordene, die in kurzer Zeit Prestige, Talent und sportliche Schlagkraft einkaufen wollten.
Ihre Budgets reichen zwar noch nicht an das von UAE heran, doch es ist gut möglich, dass Titelsponsoren wie Red Bull und Lidl für einzelne Transfers massiv nachgelegt haben – Gelder, die nicht im Jahresbudget standen. Damit schließen sie die Lücke zu den bislang komfortablen Spitzenreitern Schritt für Schritt.
„Lidl-Trek und Red Bull-BORA-hansgrohe sind die ‚Nouveaux Riches‘ des Pelotons“, schrieb er. Er argumentiert, beide Teams sprängen auf jeden modernen Trend im Radsport auf. „Sie geben Unmengen Geld für alles aus, was gerade in Mode ist“, fügte er hinzu.
Der Routinier stellt jedoch klar, dass das Horten von Stars und das Verpulvern von Millionen nicht automatisch Erfolg garantiert. „Die Frage ist, ob all diese Teile wirklich zusammenpassen“, merkte er an. Für Lefevere braucht es zum Aufbau einer Topmannschaft weit mehr als finanzielle Schlagkraft.
Derek Gee, kanadischer Fahrer von Lidl-Trek
Derek Gee, ein weiterer teurer Lidl-Trek-Transfer
„So ein dramatisches Stühlerücken einen Monat vor der Tour de France“, schrieb er sichtbar ungläubig. Aus seiner Sicht erzeugen diese Schritte Spannungen, Unsicherheit und Ablenkungen in einem Kader, der jetzt voll auf die Vorbereitung des wichtigsten Rennens des Jahres fokussiert sein sollte.
„Wenn Juan Ayuso oder Mattias Skjelmose bei der Tour etwas Großes gelingt, dann trotz dieser Reorganisation“, stellte er fest. Den Schlusssatz setzt er schneidend: „Sicherlich nicht dank ihr.“
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