„Entweder man hat es oder man hat es nicht“: Zonneveld sieht in Del Grosso den „X‑Faktor“, der Van der Poel besonders macht

Cyclocross
Dienstag, 13 Januar 2026 um 8:00
van der poel del grosso
Das Wochenende der nationalen Cross-Meisterschaften bot zahlreiche starke Auftritte und einige Überraschungen, doch die größte spielte sich wohl im Frauen-Eliterennen der Niederlande ab. Im meist erwarteten Rennen des Frauen-Cross galt Lucinda Brand als klare Favoritin. Doch… etwas stimmte nicht, und die 36-Jährige wurde „nur“ Dritte – erstmals seit fast einem Jahr.

Niederländische Cross-Meisterschaften: Alvarados Triumph und Brands Rätsel

„Sie kam überhaupt nicht vor“, beginnt Journalist Thijs Zonneveld seine Analyse im In de Waaier-Podcast. „Sie wurde schon in der ersten Runde abgehängt und war danach weg. Das ist ziemlich seltsam, wenn man bedenkt, dass sie dieses Jahr fast jedes Rennen gewonnen hat.“
Brand nannte die extreme Kälte als Grund für ihre schwache Leistung. „Es ist anders, wenn es so kalt ist. Jede und jeder hat einen Punkt, an dem die Leistung abfällt. Wenn du so sehr damit beschäftigt bist, warm zu bleiben, hast du ein Problem. Das kann von Tag zu Tag variieren, aber natürlich gibt es Fahrerinnen, die damit besser zurechtkommen als andere.“
Den Sieg holte sich die formstarke Ceylin Alvarado. „Sie fährt stark. Sie ist wegen Knieproblemen später in die Saison eingestiegen.“ Zonneveld sieht darin ihren Vorteil gegenüber der „überfahrenen“ Lucinda Brand, die seit Oktober kaum pausiert hat.
Aus diesem Rennen sollten dennoch keine Schlüsse für die in drei Wochen anstehenden Weltmeisterschaften gezogen werden. Auf dem Heimkurs in Hulst werden die niederländischen Damen wieder bis ans Limit gepusht. Und Zonneveld ist überzeugt, dass Brand dort „absolut“ den Schalter umlegen und wieder ihr bestes Niveau erreichen kann.
„Diese Kurse unterscheiden sich deutlich, wenn der Frost raus ist. Dann bekommst du Schlammpisten, die viel kraftbetonter und weniger technisch sind. Das ist wirklich anders. Es ist gut möglich, dass es in Hulst schlammig wird. Das spielt Brand in die Karten, denn man sieht, wie technisch versiert Alvarado ist.“

Del Grosso wandelt auf Van der Poels Spuren

Im Männerrennen fehlte hingegen der klare Favorit, auch wenn der Name Tibor del Grosso häufiger als alle anderen fiel. Und obwohl es alles andere als ein Spaziergang war, wurde der Einsatz des Alpecin-Deceuninck-Fahrers mit der erfolgreichen Titelverteidigung belohnt.
Seine schärfsten Rivalen verdienen laut Zonneveld ebenfalls Lob. „Ich habe [Lars] Van der Haar und [Pim] Ronhaar wirklich genossen, wie sie nicht nachgelassen haben. Aber auch, wie cool Del Grosso bleibt, selbst wenn er stürzt.“
Zonneveld hob vor allem den für ihn rennentscheidenden Moment hervor: „Del Grosso sprang vom Rad, über die Absperrung, und beim Wiederaufspringen bekam sein Pedal einen kleinen Schlag, wodurch die Kette runterfiel.“
Ein Malheur für Normalsterbliche, aber kein Hindernis für den Mann, der Matthieu van der Poel nacheifert: „Er legte die Kette während der Fahrt wieder auf! Er war eingeklickt, trat, merkte, dass kein Druck auf der Kette war, und legte sie mit der Hand auf – in Fahrt. Ich liebe das. Es sieht so leicht aus, ist es aber nicht, vor allem bei Kälte.“
„Das war so geschmeidig und so schnell“, schwärmt Zonneveld weiter. „Er verlor ein paar Sekunden, das war’s. Passiert das anders, etwa wenn er absteigen muss oder die Kette verklemmt, dann brauchst du richtig Zeit. So verlierst du im Zweifel die Landesmeisterschaften.“
Und so drängt sich der Vergleich mit dem großen Mathieu van der Poel auf. „Das ist der X-Faktor. Das ist Van der Poels Art zu sagen: ‚Ich schnippe einfach einen Kiesel weg‘ oder ‚Ich rette mich aus einem Sturz, bei dem alle anderen gestürzt wären.‘ Das sind die Kleinigkeiten… die hat man oder nicht. Das siehst du bei ihm, und das wirst du in den kommenden Jahren noch deutlicher sehen“, schließt Zonneveld.
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