„Wir zahlen alle, um dabei zu sein“: Finn Fisher-Black enthüllt, dass Neuseelands Fahrer ihre WM-Reise selbst finanzieren müssen

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 17 September 2026 um 8:00
Finn Fisher-Black crosses the line on Stage 14 of the 2026 Vuelta a Espana
Finn Fisher-Black reist mit großen Ambitionen zur Weltmeisterschaft nach Montreal. Auf einem Kurs, der seinen Kletterqualitäten entgegenkommt, peilt der 24-Jährige einen Platz in den Top 10 an – und könnte damit für eines der besten neuseeländischen Männer-Ergebnisse seit mehr als einem Jahrzehnt sorgen. Seine Vorbereitung offenbart allerdings auch eine ungewöhnliche Begleiterscheinung: Die neuseeländischen Fahrer müssen ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft selbst finanzieren.
Fisher-Black hat gerade seine dritte Grand Tour der Saison, die Vuelta a Espana, beendet. Während der drei Wochen in Spanien stellte sich der Neuseeländer über weite Strecken in den Dienst seines Teamkollegen Primoz Roglic bei Red Bull - BORA - hansgrohe.

Nach drei Grand Tours wartet in Montreal die eigene Chance

Nach den Strapazen der Vuelta richtet Fisher-Black seinen Blick nun auf Montreal – und damit auf eine seltene Gelegenheit, wieder auf eigene Rechnung zu fahren. Der anspruchsvolle Rundkurs kommt seinen Kletterqualitäten entgegen und erinnert an Terrain, auf dem der 24-Jährige bereits einige seiner stärksten Leistungen gezeigt hat. Gleichzeitig ist Fisher-Black überzeugt, dass Neuseeland genügend Qualität mitbringt, um auch tief im Finale noch eine Rolle zu spielen.
Fisher-Black in Aktion.
Finn Fisher-Black kommt direkt von der Vuelta a Espana zur Weltmeisterschaft nach Montreal. Auf dem anspruchsvollen Kurs nimmt der Neuseeländer die Top 10 ins Visier.
„Ich würde liebend gern hinfahren und um die Top 10 kämpfen“, sagte Fisher-Black gegenüber CyclingNews. „Schön wäre es schon, einfach im Finale dabei zu sein.“
Damit setzt sich der Neuseeländer für die Weltmeisterschaft ein ambitioniertes Ziel. Nach einer kompletten Saison mit gleich drei Grand Tours soll die verbliebene Rennhärte nun dabei helfen, auf dem anspruchsvollen WM-Kurs bis in die entscheidende Phase dabei zu bleiben.

„Wir zahlen alle selbst“ – Neuseelands ungewöhnliche WM-Situation

Fisher-Blacks Herausforderung beginnt allerdings schon lange vor dem Startschuss. Neuseelands Elitefahrer erhalten weiterhin keine finanzielle Unterstützung des Verbandes für ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft und müssen die anfallenden Kosten selbst tragen. „Teil der Nominierungsbedingungen ist, dass die Fahrer ihre Teilnahme an der UCI-Straßen-Weltmeisterschaft 2026 selbst finanzieren“, heißt es in den Auswahlkriterien des Verbandes.
Diese Praxis begleitet Fisher-Black bereits seit Beginn seiner Elite-WM-Karriere und sorgt innerhalb der Nationalmannschaft für eine ungewöhnliche Ausgangslage. Neuseeland reist mit sechs Fahrern im Männer-Aufgebot nach Kanada, während bei den Frauen vier Fahrerinnen antreten.
„Für Neuseeland ist das eine seltsame Konstellation, weil wir von Cycling New Zealand keine Förderung bekommen; wir zahlen alle selbst, um dabei zu sein“, erklärte Fisher-Black. „Das führt auch dazu, dass irgendwie jeder sein eigenes Rennen fahren will. Aber wir sind gute Kumpel aus Neuseeland, also wird es wohl darum gehen, uns im Rennen gegenseitig zu helfen, im Finale in Überzahl zu sein – und dann schauen wir weiter.“
Die fehlende finanzielle Unterstützung ist keineswegs eine neue Entwicklung. „Das kam vor ein paar Jahren auf. Praktisch als ich mit den Elite-WMs anfing, wurde die Förderung gestrichen“, erklärte Fisher-Black. „So ist die Struktur von Cycling New Zealand: Priorität liegt auf Bahn und Straße im Verbandskontext; für die Straße gibt es keine Mittel.“
Auch herausragende Resultate neuseeländischer Fahrerinnen und Fahrer haben daran bislang nichts geändert. Fisher-Black verweist dabei auf seine Schwester Niamh, die im vergangenen Jahr im Straßenrennen der Frauen-Elite die Silbermedaille gewann.
„Wir liefern ab, meine Schwester war letztes Jahr Zweite. Man würde denken, das bewegt etwas, aber derzeit bleibt alles beim Alten“, sagte er. „Wir müssen es so machen und haben Glück, dass wir den Rest des Jahres viel Unterstützung von unseren Teams bekommen.“

Fisher-Black will die Vuelta-Form bis zur WM konservieren

Bei der Vuelta stellte Fisher-Black seine eigenen Ambitionen weitgehend zurück und arbeitete für Roglic. Die enorme Rennbelastung der drei Wochen könnte sich in Montreal allerdings noch als Vorteil erweisen – vorausgesetzt, es gelingt ihm, die Form nach der Grand Tour zu konservieren.
„Nach einer Grand Tour fühlt sich der Körper oft ziemlich durch, und sobald es ruhiger wird, schaltet er ab“, erklärte Fisher-Black. „Ich versuche, den Motor am Laufen zu halten und dann zu den Worlds zu kommen, wo wir ein gutes Rennen fahren. Wir werden ein starkes Team haben.“
Die neuseeländische Auswahl verbindet Fisher-Blacks Erfahrung mit mehreren Fahrern, die erstmals auf Elite-WM-Niveau antreten werden. Den größten Erfahrungsschatz bringt George Bennett mit, während Josh Kench und Ben Oliver vor ihrem Debüt auf dieser Bühne stehen. Laurence Pithie und Corbin Strong haben jeweils bereits eine Elite-Weltmeisterschaft bestritten.
Damit dürfte Fisher-Black innerhalb der Mannschaft eine der zentralen Rollen einnehmen – insbesondere dann, wenn der anspruchsvolle Kurs in Montreal tatsächlich für jene Selektion sorgt, die er erwartet. Nach drei Grand Tours innerhalb einer Saison wartet zum Abschluss noch einmal die Chance auf ein großes persönliches Ergebnis.
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