Die Fahrer-Gewerkschaft CPA positioniert sich unmissverständlich gegen einen Power-Data-Pass im Profiradsport. CPA-Präsident
Adam Hansen stellt klar, dass es im Peloton keinerlei Bereitschaft gibt, das Modell über die laufende Pilotphase hinaus mitzutragen.
„Jetzt testen sie es dieses Jahr nur mit vier Teams, und die Position der CPA ist ganz klar: Wir sind zu 100% dagegen, und die Fahrer auch“, sagte Hansen im Gespräch mit
Domestique.
Die Angst vor Sanktionen als rote Linie
Das Projekt wird von der International Testing Agency als langfristiges Monitoring-Instrument entwickelt, das auf Leistungsdaten der Fahrer basiert. Ziel ist es, die Anti-Doping-Arbeit zu unterstützen und Tests gezielter auszurichten.
Ex-Profi Hansen führt die CPA
Hansen sieht das Problem jedoch nicht nur in der aktuellen Nutzung der Daten, sondern vor allem in der Entwicklung des Systems. Ihn treibt die Sorge um, was passiert, wenn sich dieses Vorgehen im Radsport etabliert.
„Was sie dieses Jahr testen, sind Leistungsdaten“, erklärt Hansen. „Die Fahrer müssen alle Leistungsdaten einreichen, und dann wird alles durchgesehen. Wenn sie Unregelmäßigkeiten sehen, machen sie mehr gezielte Tests, oder vielleicht bedeutet das in Zukunft sogar eine Sanktion an sich.“
Genau hier zieht die CPA die Grenze. Ein System, das auf Trainings- und Rennfiles basiert und sich von reiner Analyse hin zu möglichen Konsequenzen entwickelt, ist für die Fahrervertretung nicht akzeptabel.
Hansen stellt zudem infrage, wie freiwillig ein Pilotprojekt langfristig bleiben kann, sobald die technische Infrastruktur existiert und Erwartungen an die Teilnahme entstehen.
„Okay, es ist nur ein Test. Es ist nur freiwillig, aber meine Frage ist: ‚Was passiert, wenn der Fahrer seine Leistungsdaten nicht einreicht?‘“, fragt Hansen. Die bisherige Beschwichtigung greife zu kurz. „Und dann heißt es: ‚Ach, es ist doch nur ein Test.‘“
Fehlende Daten, technische Probleme und die Realität des Trainings
Ein weiterer zentraler Punkt ist die praktische Umsetzung. Leistungsdaten sind im Alltag oft unvollständig oder gar nicht verfügbar – aus Gründen, die nichts mit Täuschung zu tun haben. Hansen verweist auf alltägliche Szenarien: „Und wenn dein Garmin abfällt, was vorkommt, und du deine Files nicht hochladen kannst, oder wenn der Garmin leer ist - heißt das, du darfst nicht trainieren?“
Für die Fahrer gehe es nicht nur um zusätzlichen Aufwand, sondern um die mögliche Auslegung fehlender Daten. „Es gibt so viele Gründe, warum ein Fahrer seine Trainingsdaten nicht hat. Wenn er sie nicht einreichen kann, ist das dann ein verpasster Kontrolltermin? Denn ein verpasster Test ist sehr gravierend.“
Hansen betont zudem den grundlegenden Unterschied zum Biologischen Pass. Während dieser auf stabilen biologischen Markern basiert, unterliegen Leistungsdaten starken kontextabhängigen Schwankungen.
„Dein Blut bleibt sehr konstant, deshalb ist der Biologische Pass keine schlechte Idee“, sagt Hansen. „Das Problem bei den Leistungsdaten ist: Woher wissen sie, was die Fahrer machen?“
Ohne Einblick in Trainingspläne und strategische Vorgaben des Coaches könnten Zahlen schnell falsch interpretiert werden. „Was, wenn dein Coach sagt, du fährst drei Wochen lang 80%, und morgen fährst du 120% für kürzer. Ohne das Trainingsprogramm des Coaches zu kennen, woher wissen sie, was der Fahrer macht?“
Auch die Idee eines belastbaren Referenzwertes sieht Hansen kritisch. „Und sie erstellen für den Athleten einen Baseline-Wert aus dieser lockeren Zone, aber das ist nicht die echte Basislinie.“
Über die technischen Fragen hinaus ordnet Hansen das Thema in den wachsenden Druck auf Profis ein. „Das erhöht nur den zusätzlichen Stress für die Athleten. Für mich wird es einfach zu viel. Deshalb brennen die jüngeren Jungs aus. Sie halten das nicht durch.“
Aktuell bleibt das Projekt der ITA auf wenige Teams begrenzt. Für die CPA ist jedoch weniger der Umfang entscheidend als die Richtung. Denn sobald Leistungsdaten mehr bedeuten als ein Hilfsmittel für Tests, könnten sie für Fahrer reale Konsequenzen nach sich ziehen.