Für
Red Bull - BORA - hansgrohe beginnt der Weg Richtung Juli leise, planvoll und fernab des großen Tour-de-France-Rampenlichts. Dennoch kommt der Challenge Mallorca eine zentrale Bedeutung zu. Sie markiert den ersten greifbaren Schritt eines Tour-Projekts, das 2026 klar im Mittelpunkt der Teamambitionen steht. Im Fokus:
Florian Lipowitz, der erstmals gemeinsam mit
Remco Evenepoel ein Rennen bestreitet.
„Ich bin definitiv bereit für die neue Saison“, sagte Lipowitz vor seinem Auftakt auf der Insel. „Ich glaube, ich hatte genug Pause, um zu regenerieren und auch zu verarbeiten, was das letzte Jahr mit sich gebracht hat“, ergänzte er gegenüber dem SID.
Erster Prüfstein für ein gemeinsames Tour-Konzept
Diese Aussagen haben Gewicht. Im vergangenen Jahr reiste Lipowitz als vielversprechendes Talent zur
Tour de France. Er verließ Paris als Dritter der Gesamtwertung und Sieger des Weißen Trikots, nachdem er sein Niveau bereits zuvor mit Podestplätzen bei Paris–Nizza und dem Critérium du Dauphiné bestätigt hatte.
Im Jahr 2026 geht es für ihn nicht mehr um eine Entdeckungsphase, sondern um einen strukturierten Aufbau mit klar definierter Verantwortung.
Das Mannschaftszeitfahren beim Trofeo Ses Salines am Donnerstag ist dabei mehr als ein früher Programmpunkt. Die 23,8 Kilometer dienen als erste praktische Vorbereitung auf den Grand Départ der
Tour de France in Barcelona, der ebenfalls mit einem Teamzeitfahren beginnt. Für Red Bull ist es die Gelegenheit, Theorie in Praxis zu übersetzen.
„Das Mannschaftszeitfahren ist mit Blick auf die Tour ein großes Ziel für unser Team“, erklärte Lipowitz. „Natürlich sind die Erwartungen relativ hoch, aber ich denke, wir wollen auch kein unnötiges Risiko eingehen. Ein Podium ist hier das Minimum, das das Team erwartet.“
Diese Aussagen spiegeln die veränderte Rolle innerhalb der Mannschaft wider. Lipowitz agiert nicht mehr ausschließlich als Helfer, während Evenepoel als Fahrer kommt, um den herum große Ziele bewusst offen formuliert werden. Auf Mallorca geht es weniger um Hierarchien als um Abstimmung. Entscheidend ist, wie zwei Kapitäne zusammenarbeiten, bevor der Druck in den Sommermonaten steigt.
Abseits des Mannschaftszeitfahrens setzt Lipowitz seine persönlichen Ziele bewusst niedrig an. Beim Trofeo Serra Tramuntana am Freitag wird er voraussichtlich starten, jedoch mit angepasster Herangehensweise. „Für Freitag habe ich mir nicht allzu viele Ziele gesetzt. Das nehme ich eher ein bisschen spielerisch“, sagte er.
Die intensivere Phase beginnt später. Die Volta ao Algarve im Februar und die Volta a Catalunya im März sind jene Rennen, in denen Lipowitz sich ernsthaft testen und gezielt Podestplätze anpeilen will. Dieser dosierte Ansatz passt zur übergeordneten Philosophie des Teams für 2026: systematisch aufbauen, statt frühzeitig den Leistungshöhepunkt zu erreichen.
Mallorca steht damit nicht primär für Resultate. Es geht um Orientierung und Richtung. Die Saison soll den Rahmen schaffen, in dem Lipowitz und Evenepoel gemeinsam Verantwortung an der Spitze des Sports übernehmen. Das Projekt hat begonnen – ruhig, kontrolliert und mit einem Fahrer, der sich bereit fühlt für das, was kommt.