Remco Evenepoel geht als unangefochtener Favorit in das Zeitfahren der Elite-Männer bei den Weltmeisterschaften am Sonntag – und könnte damit zum vierten Mal in seiner Karriere den Titel holen. Gelingt ihm der Sieg, wäre es sein vierter Regenbogenstreifen in Serie.
Gilt weithin als
bester Zeitfahrer seiner Generation, wurde der Red Bull-Fahrer in dieser Disziplin bei Grand Tours und Rundfahrten nur selten geschlagen, besonders in den vergangenen drei Jahren.
Ein WM-Titel ist jedoch kein Selbstläufer. Er verlangt enormes Training, perfektes Material und eine optimale Sitzposition. Evenepoels spezielle Aero-Haltung und seine Silhouette auf dem Rad, kombiniert mit kompromissloser Detailarbeit, haben ihn an die Weltspitze gebracht.
Vor dem Rennen am Sonntag stellt sich vielen Fans und Fahrern die Frage: Wie schlägt man den Belgier? Es kommt nicht oft vor, aber einige Rivalen haben ihn im Kampf gegen die Uhr bereits bezwungen.
Wir haben uns die
letzten vier Zeitfahr-Niederlagen des 26-Jährigen angesehen – ausgenommen das Bergzeitfahren der Tour de France 2025, als er krank war und die folgende Etappe aufgab.
Evenepoel hat drei Zeitfahr-Weltmeisterschaften in Serie gewonnen
Tour de Romandie 2025 Prolog
Zuletzt wurde Evenepoel in einem Einzelzeitfahren – abgesehen von der krankheitsgeprägten 11. Etappe der Tour de France 2025 – im Prolog der Tour de Romandie 2025 geschlagen. Der 3,4-Kilometer-Test begünstigte explosive Kraft gegenüber reiner Motorleistung.
Samuel Watson gewann die Etappe, Evenepoel wurde Achter. Watson lag 4,43 Sekunden vor ihm. Dazwischen lagen Fahrer, die nur durch Wimpernschläge getrennt waren, darunter Stefan Küng, Ivo Oliveira und Iván Romeo.
In diesem Fall führte die kurze Distanz zum Rezept gegen Evenepoel. Der Belgier hatte weniger Strecke, um seine Überlegenheit auszuspielen. Zwar startet er Zeitfahren oft stark und führt lange, doch meist auf Kursen, auf denen andere ihre Kräfte über längere Distanzen einteilen. Hier unterlag er in einem Vollgas-Effort von unter fünf Minuten.
Tour de France 2024 Etappe 21
Am Ende seiner ersten Tour-de-France-Teilnahme verlor er das Zeitfahren der 21. Etappe in Nizza und wurde Tagesdritter. Vor ihm lagen nur Jonas Vingegaard und Etappensieger Tadej Pogačar.
Wie über die gesamte Rundfahrt hinweg belegte er im wohl intensivsten Tour-Jahrgang der jüngeren Vergangenheit Rang drei. Auf dem 33 Kilometer langen Bergkurs nahm Pogačar ihm und Vingegaard jeweils über eine Minute ab.
Um Evenepoel hier zu schlagen, kamen mehrere Faktoren zusammen. Am letzten Tag einer Grand Tour ist er nicht in seiner besten Zeitfahr-Form. Zudem lag der kletterlastige Parcours Pogačar, der auf dem Weg zu seinem ersten Gelben Trikot seit 2021 war.
Itzulia Basque Country 2024 Etappe 1
Die Tour war nicht seine erste Niederlage jener Saison. Bereits im Frühjahr wurde er in einem Zeitfahren bezwungen. Auf der 1. Etappe der Itzulia Basque Country wurde er Vierter und verpasste das Podium um 11 Sekunden.
Primož Roglič siegte vor Jay Vine und Mattias Skjelmose. Der überwiegend flache 10-Kilometer-Kurs schien Evenepoel zu liegen, und er war nah dran.
Ein kurzer Anstieg gleich zu Beginn könnte die Erklärung liefern. Evenepoel verlor bis zur ersten Zeitmessung 9 Sekunden und drehte das Blatt danach nicht mehr.
Chrono des Nations 2023
Ein Blick weiter zurück führt ins Jahr 2023. Zum Saisonende wurde Evenepoel beim Eintageszeitfahren Chrono des Nations Zweiter.
Er unterlag um nur 13 Sekunden dem damals 19-jährigen Joshua Tarling, der sich als eine der kommenden Zeitfahr-Größen ankündigte. Der 45,4-Kilometer-Kurs spielte Tarling in die Karten. Das flache Profil erlaubte dem jungen Briten eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit von 52,38 km/h.
Hier zeigte sich, dass ein langer, flacher Kurs nicht zwingend Evenepoels Stärke ist. Zwar erwartet ihn am Sonntag kein derart ausgedehnter Parcours, doch über nahezu eine Stunde kann er von ausgewiesenen Spezialisten mit langer Ausdauerleistung geschlagen werden.