Bram Tankink brauchte kurz, um sich festzulegen, doch als er gefragt wurde, welchen Fahrer er lieber als Weltmeister in Montréal sehen würde, stellte sich der frühere niederländische Profi am Ende hinter
Wout van Aert.
Tankink musste zwischen zwei Fahrern derselben Generation wählen, die bereits außergewöhnliche Palmarès vorweisen. Sein erster Impuls war, Landsmann
Mathieu van der Poel zu unterstützen, doch nach kurzem Überlegen änderte Tankink seine Antwort.
„Darf ich die Frage noch einmal beantworten?“, sagte Tankink im Podcast
De Rode Lantaarn. „Wout van Aert.“
Die Auftritte des Belgiers bei der
Vuelta a España scheinen diese Präferenz untermauert zu haben. Van Aert hat in Spanien bereits zwei Etappen gewonnen und zudem maßgeblich dazu beigetragen, dass Teamkollege Matthew Brennan vier Etappensiege vollendete.
Für Tankink deuten die Zeichen jedoch darauf hin, dass Van Aert das Rennen auch als Vorbereitung auf etwas deutlich Größeres später im Monat nutzt.
Wout van Aert gewann die 15. Etappe der Vuelta a España 2026
Van Aerts Vuelta-Form schürt Erwartungen
Tankink räumte ein, dass bei seiner Wahl auch persönliche Sympathie mitschwingt, zugleich sieht er für Van Aert aber eine echte Chance, eine der wenigen großen Lücken in seinem Palmarès zu schließen.
„Er hat es verdient, nach Paris–Roubaix diesen großen Preis zu gewinnen“, sagte Tankink. „Das stellt ihn auf eine Stufe mit Van der Poel, zwei Fahrer derselben Generation. Und wenn Van Aert die Chance hat, Weltmeister zu werden, dann in diesem Jahr.“
Ein Straßentitel in Montréal wäre ein weiterer Meilenstein in der Karriere des Belgiers, und Tankink hält die Umstände für ungewöhnlich günstig. Van Aerts aktuelle Vuelta bestärkt den Optimismus. „Wie er diese Bergpunkte einsammelt, hat rein mit Trainingssteuerung zu tun“, erklärte Tankink.
„Es ist wirklich nicht so, dass er dieses Bergtrikot unbedingt will, denn wahrscheinlich wird er es ohnehin nicht bis zum Ende tragen. Diese wiederholten Antritte bergauf; in seinem Kopf denkt er klar an die Weltmeisterschaft.“
Belgiens Zwei-Kapitäne-Strategie könnte Van Aerts Chancen entscheiden
Es gibt jedoch eine weitere zentrale Frage zu Van Aerts Chancen: wie Belgien ihn an der Seite von Remco Evenepoel einsetzt.
Evenepoel zählt ebenfalls zu den Topfavoriten auf das Regenbogentrikot, sodass Belgien mit zwei siegfähigen Fahrern nach Kanada reist. Ihre unterschiedlichen Stärken könnten sie für die Konkurrenz besonders schwer kontrollierbar machen, zugleich birgt das eine potenzielle taktische Zwickmühle.
Greift Evenepoel vor dem entscheidenden Finale an, könnte Van Aert nicht folgen und auf die Nachführarbeit anderer Teams angewiesen sein. Umgekehrt kann Belgien Van Aerts Präsenz nutzen, um das Feld unter Druck zu setzen, bevor Evenepoel seine Attacke setzt.
Tankink sieht eine naheliegende Option. „Aber Van Aert kann doch sogar noch früher gehen als Evenepoel, oder?“, schlug er vor.
Diese Variante gäbe Belgien eine weitere Karte auf einem Montréal-Kurs, der ein selektives Rennen erwarten lässt. Van Aert muss nicht zwingend darauf warten, dass Evenepoel den ersten Schritt macht, und wenn seine Vuelta-Form weiter steigt, könnte er die anderen Favoriten selbst zu Entscheidungen zwingen.