„Wenn Jonas dem Typen gesagt hat, dass es ihn stört, und er trotzdem weitermacht …“ – Rivale stellt sich hinter Jonas Vingegaard, während die Debatte über Fankultur nach Trainingssturz in Calpe an Fahrt gewinnt

Radsport
Mittwoch, 28 Januar 2026 um 18:00
vingegaard
Jonas Vingegaards Trainingssturz in Spanien hat eine unbequeme Debatte im Profiradsport neu entfacht, eine, die über den Sturz hinausgeht und die Frage aufwirft, wie Spitzensportler auf offenen Straßen zunehmend angegangen werden. Während Team Visma | Lease a Bike bestätigte, dass der Däne ohne schwere Verletzungen davonkam, lenken die Umstände des Vorfalls den Fokus auf das Verhalten von Fans in populären Winter-Trainingszentren wie Calpe.

So wichtig ist Abstand zu Profis

Der Sturz ereignete sich während einer Trainingsfahrt in Südspanien, bei der Vingegaard Berichten zufolge eng von einem Hobbyfahrer verfolgt wurde. Visma rief anschließend öffentlich dazu auf, Profis beim Training Platz zu lassen und warnte, gut gemeintes Verhalten könne schnell gefährlich werden, wenn bei Tempo an Grenzen gegangen wird.
Diese Botschaft findet im Peloton Rückhalt. Gegenüber RMC Sport sagte Groupama - FDJ United-Profi Paul Penhoet, er könne Vingegaards Frust gut nachvollziehen, wenn Grenzen missachtet werden. „Wenn Jonas dem Typen gesagt hat, dass es ihn stört, und der ist trotzdem weitergefahren, kann das echt nerven“, so Penhoet.
Penhoets Aussagen spiegeln die Realität vieler Profis in Wintercamps in Spanien wider, wo die schiere Masse an Fahrern auf der Straße das Training und die Dynamik in kritischen Situationen spürbar verändert.

„Die Straße gehört allen, aber wir sind bei der Arbeit“

Penhoet erklärte, dass Begegnungen mit Amateuren unvermeidlich sind, besonders wenn in Gruppen mit hohem Tempo trainiert wird. „Wenn wir in der Gruppe fahren, geht es schneller, daher sind meist weniger Leute da“, sagte er. „Aber wer hier alleine trainiert, hat öfter Leute, die dranhängen wollen, vor allem bei großen Namen.“
Er betonte, dass sich die meisten Hobbyfahrer respektvoll verhalten, unterstrich aber, wie wichtig das Bewusstsein ist, dass Profis arbeiten. „Die Straße gehört allen, aber die Leute sollten verstehen, dass wir trainieren, und das muss ebenfalls respektiert werden“, sagte er und ergänzte, dass es kein Problem gibt, solange niemand gefährdet wird.
Oft könne einfache Kommunikation Konflikte verhindern. „Warum nicht fragen, ob es uns stört, wenn sie bei uns bleiben?“, sagte Penhoet.

Alleine trainieren und der Bedarf an Raum

Beim Solo-Training verändert sich die Lage, bleibt aber meist respektvoll. „Manche versuchen, hinten dranzubleiben, andere kommen gelegentlich ins Gespräch, aber dort, wo ich trainiere, ist es sehr respektvoll“, sagte er. „Von daher gibt es kein Problem.“
Strukturiertes Training erfordere jedoch Konzentration. „Wenn wir mit Efforts beginnen, sind wir gerne in unserer Blase und für uns“, sagte er und merkte an, dass Situationen stark vom Verhalten Einzelner abhängen, nicht von deren Absicht.
Genau dieser Unterschied steht im Zentrum des Vingegaard-Vorfalls, bei dem der Frust wohl aufkam, nachdem eine Bitte um Abstand ignoriert wurde.

Rad-Autobahnen und Druck durch soziale Medien

Die Straßen in Südspanien zu dieser Jahreszeit beschrieb Penhoet als nahezu permanent belebt. „Selten vergeht fünf Minuten, ohne dass man einem anderen Rad trifft“, sagte er mit Blick auf das Gemisch aus Profis, Hobbygruppen und organisierten Trainingscamps, die die Region mittlerweile prägen.
Vor allem die Routen rund um Calpe seien zu „Rad-Autobahnen“ geworden, besonders an Wochenenden. Groupama–FDJ United hat sich weiter nördlich bei Denia niedergelassen, um ruhigere Straßen zu finden, doch selbst dort nimmt die Dichte spürbar zu.
Als weiteren Faktor nannte Penhoet soziale Plattformen wie Strava. „Strava ist ein eigenes soziales Netzwerk geworden, mit Fotos und Beschreibungen“, sagte er. Er räumte ein, dass Amateure oft stolz sind, mit Profis gefahren zu sein, betonte aber, dass die ganz großen Namen den Druck ständiger Aufmerksamkeit deutlich stärker spüren.
Vor diesem Hintergrund steht Vingegaards Sturz weniger als isoliertes Missgeschick, sondern als Symptom eines größeren Problems. Ob geteilte Straßen sicher bleiben, hängt zunehmend von Respekt, Kommunikation und Zurückhaltung ab.
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