„Wenn du eines davon auslässt, reduzierst du schlicht deine Siegchancen“ – Tom Boonen kritisiert Wout Van Aerts E3-Verzicht

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 26 März 2026 um 15:00
Wout van Aert
Wout Van Aerts Verzicht auf die E3 Saxo Classic gilt als bewusst kalkulierter Schritt mit Blick auf die Flandern-Rundfahrt und Paris - Roubaix. Doch nicht alle Experten sind überzeugt, dass diese Entscheidung tatsächlich zu seinen Gunsten ausfällt.
Im Podcast Wielerclub Wattage stellte Tom Boonen infrage, ob der Verzicht auf einen der wichtigsten Kopfsteinpflaster-Tests des Frühjahrs nicht eher ein Risiko als ein Vorteil darstellt - zumal Van Aerts echte Siegchancen in den Klassikern begrenzt sind.

Ein fehlender Referenzpunkt vor der Flandern-Rundfahrt

„Ich finde es schade, dass er nicht startet. Realistisch hat er nur vier oder fünf Rennen, in denen er wirklich gewinnen kann. Wenn du eines davon auslässt, reduzierst du schlicht deine Siegchancen.“
Wout Van Aert bei Tirreno–Adriatico 2026
Wout Van Aert bei Tirreno–Adriatico 2026
Dieses Argument widerspricht der Strategie von Team Visma - Lease a Bike, das nach Mailand - Sanremo gezielte Vorbereitung höher bewertet als zusätzliche Rennkilometer. Van Aert hatte seinen Kalender früh auf einen Formaufbau Richtung Sanremo ausgerichtet, gefolgt von einem Trainingsblock mit klarem Fokus auf die Monumente.
Für Boonen bedeutet das Auslassen der E3 Saxo Classic nicht nur eine verpasste Siegchance, sondern auch den Verlust eines der wichtigsten Formindikatoren vor der Flandern-Rundfahrt. „Es ist kein Geheimnis, dass ich E3 immer gern gefahren bin, aber dann wüssten wir wirklich, wo er steht.“
Diese Einschätzung unterstreicht die Rolle des Rennens im Kalender. Die E3 Saxo Classic gilt seit Jahren als die realistischste Simulation der Anforderungen in Flandern - sowohl im Terrain als auch in der Intensität.
Boonen schlug sogar vor, dass im Zweifel ein anderes Rennen eher gestrichen worden wäre. „Ich würde eher Gent-Wevelgem, jetzt In Flanders Fields, auslassen. Dieses Rennen ist für seinen Aufbau auf die Flandern-Rundfahrt weniger relevant.“

Zweifel auch aus Van Aerts Umfeld

Boonen steht mit seiner Einschätzung nicht allein. Jan Bakelants, enger Freund und Trainingspartner von Van Aert, räumte ebenfalls ein, dass die Entscheidung schwer nachzuvollziehen ist - besonders mit Blick auf Van Aerts starke Historie bei diesem Rennen.
„Offenbar wurde das schon lange beschlossen, aber ich verstehe es auch nicht wirklich. Ich finde es eine seltsame Entscheidung, weil E3 sehr aussagekräftig ist, um zu sehen, wo er wirklich steht. Er hat dort zudem schon zweimal gewonnen.“
Diese Aussagen zeigen die Spannung im Kern der Debatte. Auf der einen Seite steht ein kontrollierter, langfristiger Aufbau mit klarem Fokus auf die Topform bei der Flandern-Rundfahrt und Paris - Roubaix. Auf der anderen Seite bleibt der Wert der E3 Saxo Classic als Maßstab und Siegchance bestehen.
An Van Aerts Form gibt es dennoch kaum Zweifel. Sein Auftritt bei Mailand - Sanremo, wo er nach einem Sturz noch aufs Podium fuhr, bestätigte sein hohes Niveau. Trotzdem fehlt ihm durch den Verzicht auf die E3 Saxo Classic einer der letzten echten Wettkampftests vor den wichtigsten Rennen seines Frühjahrs.
Stattdessen setzt er seinen Formaufbau über ein selektiveres Rennprogramm fort, das gezielte Wettkämpfe mit Trainingseinheiten in den Tagen vor der Flandern-Rundfahrt und Paris - Roubaix kombiniert.
Ob dieser Ansatz ihn optimal vorbereitet oder offene Fragen hinterlässt, wird sich erst bei den Monumenten zeigen. Vorerst bleibt Boonens Einschätzung bestehen: Diese Entscheidung steht gleichermaßen für Entschlossenheit und Risiko.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Loading