Team Visma | Lease a Bike hat beschlossen, in den Sprintetappen des Giro d’Italia nicht mehr um die Positionen zu kämpfen. Das niederländische Team sieht das Sturzrisiko größer als die Gefahr, in einer Windkante Zeit zu verlieren, und setzt auf eine Taktik, die es in dieser Saison bereits mit
Jonas Vingegaard erprobt hat.
„Das haben wir schon im Winter besprochen. Wir haben viel Energie investiert, um der Hektik und der Gefahr zu entgehen, aber das ist nicht mehr unser Ansatz“, sagte Sportdirektor
Marc Reef im Gespräch mit The Cycling Podcast.
In den vergangenen Jahren ist der Positionskampf für alle Topteams immer stärker in den Fokus gerückt, mit eigener Logistik – etwa Personal, das die gesamte Etappe abfährt, um Engstellen und potenziell gefährliche Passagen zu markieren.
Um ihre Gesamtwertungskapitäne so weit vorne wie möglich zu halten, wird das Feld auf Sprintetappen inzwischen oft bis zur 3‑Kilometer‑Marke von Kletterern und Sprintzügen aufgefächert – ab dort führen Stürze nicht zu Zeitverlusten.
Das erhöht jedoch die Fahrerzahl an der Spitze, das Grundtempo und die eingegangenen Risiken. Der Giro‑Auftakt zeigte das Ausmaß dieser Positionskämpfe mit zwei Massenstürzen an den ersten Renntagen.
Auffällig war auf den Etappen 1 und 3, die beide auf Massensprints hinausliefen, ein deutlicher gelber Block am Ende des Feldes. Jonas Vingegaard, eng umringt von seinen Team Visma | Lease a Bike‑Kollegen. Das ist eine bewusste Entscheidung.
„Wir haben das im Winter besprochen, auch mit Jonas und den anderen Fahrern“, erklärt Reef. Bei Paris–Nizza und der Katalonien-Rundfahrt testete das Team den neuen Ansatz bereits, so wie nun beim Giro. „Auffällig war, dass auch andere Gesamtwertungsteams zurückfielen, sodass vorne nur noch die Sprintermannschaften übrig blieben.“
Bislang hat die Strategie nicht zu unnötigen Zeitverlusten geführt. Visma hofft, bei möglichen Stürzen oder Zersplitterungen geschlossen Lücken zufahren zu können. Ziel ist es letztlich, die Spitze des Feldes – und deren Gefahren – zu meiden.
„Schaut man sich alle Giro‑Etappen an, kann diese Taktik gut funktionieren. Wir haben die Sprintetappen der letzten Grand Tours analysiert. Ein- oder zweimal hat ein Klassementfahrer Zeit verloren. Damals waren die Teams aber nicht bereit, das zu korrigieren.“
Jonas Vingegaard auf der 3. Etappe des Giro d'Italia 2026
Visma sitzt in den Sprintetappen des Giro am Ende des Feldes
Auf Etappe 2 führte der Anlauf zu einem Anstieg, nicht zu einem Massensprint. Dort zeigte sich jedoch, dass selbst in guter Position ein Sturz ein Team massiv treffen kann. UAE Team Emirates – XRG gehörte auf einer Abfahrt zu den führenden Mannschaften, als fünf Fahrer stürzten. Adam Yates, Jay Vine und Marc Soler mussten aufgeben; zwei Visma‑Fahrer waren ebenfalls in den Sturz verwickelt.
„Entweder man investiert viel Energie oder man sitzt sicher hinten. Wir glauben, dass wir etwas korrigieren können, wenn die ganze Mannschaft beisammen ist. Auf der ersten Etappe gab es im Finale zum Beispiel keine einzige Kurve. Außerdem erhöht das die Gesamtsicherheit im Sport.“
„Die ersten Erfahrungen bei Paris–Nizza waren gut, die Fahrer positiv. Vielleicht wird es uns in einer Situation auf die Füße fallen, in anderen hilft es uns. Es sorgt dafür, dass wir viel physische und mentale Energie sparen“, schloss Reef.