„Warum kann kein Mexikaner die Tour de France gewinnen?“ – Isaac del Toro weiß noch nicht, welche Rolle er 2027 spielen wird, und spricht über Tadej Pogačar
Radsport
Isaac del Toro weiß, dass seine Entwicklung im internationalen Radsport gerade erst begonnen hat. Nach einer Saison 2026 voller Erfahrungen, Erkenntnisse und neuer Herausforderungen blickt der Mexikaner ehrgeizig nach vorn, aber auch mit der Gelassenheit, die aus dem Wissen wächst, dass jeder Schritt Teil eines Prozesses ist. Seine Entwicklung bei UAE Team Emirates, das Leben an der Seite einiger der größten Namen im Peloton und die Unterstützung von Tadej Pogacar haben seine jüngste Karriere geprägt.
Der mexikanische Fahrer blickt positiv auf das Jahr zurück und ist überzeugt, dass ihm alles Erlebte helfen wird, sich weiter zu verbessern. „Ich bin ehrlich gesagt sehr glücklich. Ich freue mich, dass ich in diesem Jahr all diese Erfahrungen machen durfte. Und ich bin zufrieden, weil ich weiß, dass ich sie künftig nutzen und mich weiter Stück für Stück verbessern kann. Natürlich werde ich weiter hart arbeiten“, sagte er gegenüber Marca.
Eine der größten Veränderungen in seiner Karriere war, bei UAE Team Emirates nach und nach mehr Verantwortung zu übernehmen. Del Toro sagt, das Team habe seine Entwicklung von Anfang an unterstützt. Wie lange es dauern würde, bis er diesen Schritt machen könnte, sei jedoch offen gewesen.
„Wir haben versucht, das von dem Moment an umzusetzen, als ich unterschrieben habe. Wir wussten nicht, wie schnell oder langsam es gehen würde und ob es in einem so starken Team überhaupt möglich wäre, in dem jeder auf einem extrem hohen Niveau fährt“, erinnerte er sich.
Der Prozess begann bei der Tour Down Under. Der Mexikaner versuchte jedoch, die Führungsrolle möglichst lange aufzuschieben, um weiter lernen zu können. „Ich wollte die Verantwortung so lange wie möglich hinausschieben, damit ich lernen und nicht nur eine Galionsfigur sein konnte. Nach einem Jahr fand ich mich besser zurecht und begann zu verstehen, was für ein Fahrer ich bin. Mit vielen Situationen komme ich klar, auch wenn ich nicht weiß, ob ich in irgendeinem Bereich ein Spezialist bin.“
Auch Josean Fernández Matxin, Sportdirektor des Teams, hat bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle gespielt. Del Toro lobt seinen persönlichen Umgang und die Fähigkeit, sich auch abseits der Ergebnisse um die Fahrer zu kümmern.

Isaac del Toro
Pogacar ist eine wichtige Stütze für seine Entwicklung
„Er ist ein wunderbarer Mensch, der uns Raum lässt, wir selbst zu sein, und uns mit größtem Respekt behandelt. Er achtet sehr auf das psychische Wohlbefinden jedes einzelnen Fahrers. Die Zusammenarbeit mit ihm ist unkompliziert. Es ist wichtig, jemanden mit so viel Menschlichkeit im Team zu haben“, sagte er. Matxins Unterstützung sei zudem weder von der Nationalität noch vom bisherigen Karriereweg eines Fahrers abhängig.
Im selben Team wie Tadej Pogacar zu fahren, bietet dem Mexikaner die Möglichkeit, von ihm zu lernen. Del Toro sagt, es sei etwas Besonderes, die Unterstützung eines so prominenten Fahrers zu haben, zumal der Slowene Interesse daran gezeigt habe, ihn als Radrennfahrer weiterzubringen.
„Es schmeichelt mir, aber es ist auch beeindruckend, dass er vielleicht etwas in mir sieht, das ich selbst nicht erkenne. Er möchte Teil meines Weges sein und unterstützt mich, wann immer er kann. Das ist wirklich etwas Besonderes, und ich fühle mich sehr privilegiert“, sagte er.
Der Mexikaner sprach auch über Pogacars Persönlichkeit abseits der Kameras. Seiner Ansicht nach entspricht ein Großteil des öffentlichen Bildes des Slowenen seinem Auftreten im Alltag.
„Er ist ein sehr authentischer und offener Mensch, deshalb können sich so viele mit ihm identifizieren. Es ist ihm sehr wichtig, ein guter Mensch zu sein, und er verfolgt andere Ziele, als viele vielleicht erwarten“, erklärte er lachend. Anschließend scherzte er darüber, wie schwierig es wäre, den slowenischen Champion auf dem Boden zu halten.
Bei der Frage nach Strecken, die Pogacar Schwierigkeiten bereiten könnten, sieht Del Toro kaum Anlass zu Zweifeln. „Wenn er überall gewinnt, wo er gewinnen möchte, glaube ich nicht, dass es eine Strecke gibt, auf der Pogacar scheitern könnte“, sagte er.
Seine Rolle für 2027 ist noch offen
Mit Blick auf 2027 bleibt der Mexikaner lieber bescheiden und wartet ab, bis UAE Team Emirates seine Pläne festgelegt hat. Ob er das Team beim Giro d’Italia anführen wird, hängt von der gemeinsamen Strategie und den Entscheidungen der sportlichen Leitung ab.
„Wir werden dem Gesamtplan des Teams folgen, ganz gleich, wie er aussieht. Jedes Team möchte in einem Jahr alle drei großen Rundfahrten gewinnen, das ist also nichts Neues. Wir werden sehen, welche Rolle ich 2027 habe, und versuchen, unser Bestes zu geben“, sagte er.
Del Toro möchte nichts überstürzen. Seine Priorität ist es weiterhin, hart zu arbeiten, sich weiterzuentwickeln und jede Chance bei einem der konkurrenzstärksten Teams im Peloton zu nutzen.
Mexiko zu vertreten, ist eine Verantwortung, die er nie vergisst
Seine sportlichen Fortschritte haben ihm auch mehr öffentliche Aufmerksamkeit eingebracht. Del Toro weiß, dass er für viele mexikanische Fans zum Vorbild geworden ist. Damit gehe eine Verantwortung einher, die manchmal schwer zu tragen sei.
„Manchmal bin ich einfach ein ganz normaler Mensch. Wir alle haben Probleme, und für einen Moment vergesse ich das. Vielleicht verliere ich mich eine halbe Stunde lang in meiner eigenen Welt. Aber am Ende erinnere ich mich daran, dass viele Menschen mich beobachten“, erklärte er.
Der Radrennfahrer weiß, dass seine Leistungen und sein Verhalten über die Ergebnisse hinaus Wirkung haben. Deshalb bemüht er sich, besonnen zu bleiben und sich bewusst zu machen, wofür er steht.
„Ich weiß, dass jemand etwas von mir erwartet und versucht, mich bestmöglich aufzustellen. Deshalb sehe ich das als Verantwortung“, ergänzte er.

Isaac del Toro, ein Star des internationalen Radsports
„Ich glaube nicht, dass es unmöglich ist, dass ein Mexikaner die Tour de France gewinnt“
Eine Aussage bringt Isaac del Toros Ehrgeiz auf den Punkt: seine Einschätzung, ob eines Tages ein mexikanischer Fahrer die Tour de France gewinnen kann.
Die Nationalität sieht er nicht als Hindernis auf dem Weg zu diesem Ziel. Er weiß, wie schwierig es ist, das größte Rennen des Kalenders zu gewinnen. Mexikanische Sportler hätten jedoch dieselben Fähigkeiten und Chancen, es zu versuchen.
„Warum nicht? Wenn andere sie gewonnen haben, warum sollte es kein Mexikaner schaffen? Wir haben zwei Beine, zwei Arme und einen Kopf … Ich glaube nicht, dass das ein ferner oder unmöglicher Traum ist. Es ist schwierig, aber ich sehe genau dieselben Chancen wie alle anderen“, sagte er.
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Seine eigene Karriere gibt ihm Grund, zuversichtlich nach vorn zu blicken. Nach seinem ersten Etappensieg in Barcelona und einem Podiumsplatz beim Giro d’Italia weiß er, dass er auf höchstem Niveau mithalten kann.
„Ich habe in Barcelona meine erste Etappe gewonnen, stand beim Giro auf dem Podium und weiß, dass ich konkurrenzfähig bin. In den kommenden Jahren werden weitere Fahrer nachrücken. Ich meine damit nicht nur mich. Wir Mexikaner können es ganz sicher schaffen“, sagte er abschließend.

Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Anfang 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de. Er berichtet dort über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf aktuellen Rennberichten, Einordnungen und Hintergrundtexten, mit denen er sportliche Entwicklungen im Peloton verständlich und präzise erklärt. Bei großen Renntagen arbeitet er zudem mit Live-Formaten, um das Geschehen fortlaufend zu dokumentieren und zeitnah einzuordnen.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er sportlich selbst aktiv und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
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