OFFIZIELL: Lotto-Intermarché holt den „Philosophen“ des Radsports zurück – fünfmaliger Tour-Top-15-Fahrer träumt von neuem Grand-Tour-Coup

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 17 September 2026 um 11:30
martin
Guillaume Martin wird Groupama - FDJ United zum Ende der Saison 2026 verlassen und künftig für Lotto-Intermarché fahren. Der 33-jährige Franzose hat beim belgischen Team einen Einjahresvertrag unterschrieben und kehrt damit sieben Jahre nach dem Ende seiner ersten Zeit in der von Jean-Francois Bourlart geführten Struktur zurück.
Dabei kommt Martin keineswegs nur mit der Perspektive, künftig als Straßenkapitän zu fungieren. Nach seinem elften Gesamtrang bei der Vuelta a Espana ist der Franzose überzeugt, noch einmal in die Top 10 einer Grand Tour fahren zu können. Daran ändert auch eine Saison 2026 nichts, in der seine Ambitionen bei der Tour de France nie richtig Fahrt aufnahmen und er die Rundfahrt letztlich auf Rang 31 beendete.

„Ich glaube weiterhin, dass ich das Zeug habe“

„Ich bin in den vergangenen zwei Jahren vielleicht ein wenig unter dem Radar geflogen“, sagte Martin anlässlich der Bestätigung seines Wechsels zu Lotto-Intermarché. „Ich glaube weiterhin, dass ich das Zeug habe, um in einer Grand Tour um die Top 10 zu kämpfen. Der elfte Platz bei der jüngsten Vuelta bestärkt mich darin.“
Guillaume Martin bei Itzulia Basque Country 2026.
Guillaume Martin kehrt 2027 nach sieben Jahren in die Struktur von Jean-Francois Bourlart zurück und will bei Lotto-Intermarché weiter eigene Grand-Tour-Ziele verfolgen.
Dieses Selbstvertrauen kommt von einem Fahrer, dessen bisherige Grand-Tour-Bilanz vor allem von bemerkenswerter Konstanz und weniger von Siegen geprägt ist. Martin beendete die Tour de France bereits fünfmal unter den besten 15 der Gesamtwertung, darunter als Achter 2021 und als Zehnter 2023. Bei der Vuelta a Espana belegte er 2021 den neunten Gesamtrang, ein Jahr zuvor gewann er dort zudem die Bergwertung.
Auch bei seiner jüngsten Vuelta fehlte Martin am Ende lediglich ein Platz zu einem weiteren Top-10-Ergebnis. Auf der 19. Etappe nach Penas Blancas fuhr er auf Rang sieben, ehe er die dreiwöchige Rundfahrt schließlich als Gesamtelfter abschloss.

Giro-Top-10 bleibt unerledigtes Ziel

Martins Wechsel erfolgt nach zwei Saisons bei Groupama - FDJ United. Seine Zeit beim französischen Team begann 2025 mit Siegen beim Classic Grand Besancon Doubs und bei der Tour du Jura, während die Saison 2026 weniger herausragende Ergebnisse bereithielt.
Vor der Tour de France belegte Martin den zehnten Gesamtrang bei der Tour Auvergne-Rhone-Alpes. Nach seinem 31. Platz bei der Tour zeigte er sich anschließend gut erholt und präsentierte sich während der drei Wochen der Vuelta a Espana deutlich stärker.
Für die nächste Phase seiner Karriere hat Martin nun unter anderem den Giro d'Italia als eines seiner großen Ziele ausgemacht. „Der Giro d'Italia ist die einzige Grand Tour, bei der ich noch nicht in den Top 10 war. Das bleibt ein Traum von mir“, sagte Martin. „Aber natürlich habe ich auch die Tour de France im Kopf. Für jeden Franzosen, und ehrlich gesagt für jeden Fahrer, bleibt sie ein ganz besonderes Rennen.“

Zurück bei Bourlart nach sieben Jahren

Mit seinem Wechsel zu Lotto-Intermarché kehrt Martin zugleich in jenes belgische Umfeld zurück, in dem er zwischen 2016 und 2019 vier Saisons für Wanty-Groupe Gobert bestritt. In dieser Zeit absolvierte er seine ersten Teilnahmen an der Tour de France und entwickelte sich zunehmend zu einem regelmäßigen Kandidaten für die Gesamtwertung. Zur Saison 2020 wechselte er zu Cofidis, wo er fünf Jahre blieb, ehe er sich 2025 Groupama - FDJ United anschloss.
Der Kontakt zu Bourlart brach während all dieser Jahre nie ab. „Eine Rückkehr in ein belgisches Team war meine erste Wahl“, sagte Martin. „Ich habe nur gute Erinnerungen an meine vier Jahre bei Wanty-Groupe Gobert. CEO Jean-Francois Bourlart und ich kennen uns aus dieser Zeit und sind stets in Kontakt geblieben.“
„Als klar war, dass ich ein neues Team suchen muss, habe ich ihn sofort angerufen. Natürlich hat sich seit 2019 viel verändert, aber zugleich trete ich nicht völlig ins Unbekannte. Ich bin sehr glücklich, zurückzukehren.“
Martin bringt zudem reichlich Erfahrung in das laut Lotto-Intermarché jüngste Team des Pelotons ein. „Mit 33 werde ich den Altersschnitt des jüngsten Teams im Peloton ein wenig anheben“, scherzte er. „Aber genau deshalb werde ich eine interessante Doppelrolle haben. In bestimmten Rennen bekomme ich die Chance, meine eigenen Ambitionen zu verfolgen, gleichzeitig möchte ich meine Erfahrung weitergeben und als Straßenkapitän für die jungen Talente im Team agieren.“
Auch für Bourlart steht fest, dass Martin keineswegs ausschließlich aufgrund seiner Erfahrung verpflichtet wurde. „Wir verpflichten ihn nicht ausschließlich als Mentor“, sagte der CEO von Lotto-Intermarché. „Guillaume hat bei der jüngsten Vuelta erneut gezeigt, dass er noch auf sehr hohem Niveau performen kann. Wir wollen ihm die Freiheit geben, eigene starke Ergebnisse anzustreben, und zugleich auf ihn zählen, wenn es darum geht, unsere jungen Fahrer auf und neben dem Rad zu führen.“
Martin startet damit 2027 wieder an der Seite eines Managers und in einem Umfeld, die ihm bestens vertraut sind. Sein Status hat sich gegenüber jenem Fahrer, der Wanty-Groupe Gobert 2019 verließ, allerdings grundlegend verändert. Diesmal kehrt er als fünfmaliger Top-15-Finisher der Tour de France, ehemaliger Gewinner der Vuelta-Bergwertung und erfahrener Grand-Tour-Kapitän zurück – und mit dem festen Ziel, seiner Karriere ein weiteres Top-10-Ergebnis bei einer dreiwöchigen Rundfahrt hinzuzufügen.
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