Davide Piganzoli gehört zu den großen Entdeckungen der Radsportsaison 2026. Als der 24-jährige Italiener zu Jahresbeginn zu
Visma - Lease a Bike wechselte, war noch ungewiss, wie schnell er sich auf höchstem Niveau etablieren würde. Nur wenige Monate später hat er sich zu einem der wichtigsten Fahrer der niederländischen Mannschaft entwickelt und wird bei der
Lombardei-Rundfahrt, dem letzten Monument der Saison, sogar als Kapitän an den Start gehen.
„Ich hatte mit Fortschritten gerechnet, aber eher mit einer schrittweisen Entwicklung. Stattdessen war es ein großer Qualitätssprung – nicht nur bei Leistung und Ergebnissen, sondern auch körperlich“, erklärte Piganzoli im Gespräch mit der
Gazzetta dello Sport.
Vom Nachwuchstalent zum Visma-Kapitän: Piganzolis beeindruckender Aufstieg
Vor seinem Wechsel hatte Piganzoli mehrere Jahre in der von Alberto Contador geprägten Struktur von Polti verbracht, wo er sowohl im U23-Bereich als auch bei den Profis Erfahrungen sammelte. Visma - Lease a Bike verfolgt seit geraumer Zeit die Strategie, vielversprechende Talente aus niedrigeren Rennklassen frühzeitig zu verpflichten und gezielt weiterzuentwickeln. Der Italiener passte perfekt in dieses Konzept und erhielt einen Dreijahresvertrag. Schon nach seiner ersten Saison lässt sich feststellen, dass sich diese Investition für die niederländische Mannschaft in beeindruckender Weise ausgezahlt hat.
Davide Piganzoli hat sich in seiner ersten Saison bei Visma - Lease a Bike zu einem der großen Aufsteiger entwickelt. Nach seinem Solosieg beim Giro dell'Emilia will der Italiener nun auch bei der Lombardei-Rundfahrt für eine Überraschung sorgen.
Mit Gesamtsiegen bei La Route d'Occitanie und der Tour de Luxembourg sowie einem spektakulären Solotriumph beim traditionsreichen Giro dell'Emilia hat Piganzoli seine Klasse eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Hinzu kommen wertvolle Helferdienste beim Giro d'Italia und der Tour de France. Obwohl der 24-Jährige bereits vor seinem Wechsel Erfahrungen auf höchstem Niveau gesammelt hatte, übertraf seine erste Saison im Trikot von Visma - Lease a Bike sämtliche Erwartungen.
Entsprechend selbstbewusst blickt Piganzoli nun auf die Lombardei-Rundfahrt. „Ich fühle mich gut. Und das Team ist in großartiger Form. Bei der Emilia hatten wir drei Fahrer unter den ersten fünf, Tulett wurde Vierter und Jorgenson Fünfter. Wir werden versuchen, unsere Spuren zu hinterlassen“, kündigte der Italiener an.
Dass diese Zuversicht keineswegs unbegründet ist, zeigte sich zuletzt beim Giro dell'Emilia. Dort setzte sich Piganzoli mit einer späten Attacke in der Abfahrt entscheidend ab und feierte einen eindrucksvollen Solosieg. Der Erfolg war zugleich das Ergebnis einer cleveren Mannschaftstaktik, bei der Visma gleich mehrere Fahrer in der Spitzengruppe platzieren konnte. Eine ähnliche Herangehensweise könnte auch bei der Lombardei-Rundfahrt zum Erfolg führen. Da Tadej Pogacar auf einen Start verzichtet, sieht Piganzoli realistische Chancen, mit seiner Mannschaft den zweiten Monument-Sieg des Jahres einzufahren.
„Wegen Pogacars Abwesenheit wird es ein offenes Rennen. Vielleicht aber weniger chaotisch als bei der Radsport-WM, weil mehr Höhenmeter zu bewältigen sind und der Schwierigkeitsgrad höher ist. Dadurch wird die Liste der Favoriten etwas kürzer.“
Persönliche Nachricht von Jonas Vingegaard: „Das hat mir wirklich viel bedeutet“
Mit der Lombardei-Rundfahrt beendet Piganzoli eine Saison, in der er seine eigenen Erwartungen deutlich übertroffen hat. Dabei stellte er nicht nur seine individuellen Qualitäten unter Beweis, sondern zeigte sich auch als wertvoller Mannschaftsfahrer. Bei der Radsport-WM ordnete er seine eigenen Ambitionen den Interessen von Giulio Ciccone unter und unterstützte seinen italienischen Landsmann. Dass er selbst über das Potenzial für große Siege verfügt, hatte er kurz zuvor bei der Tour de Luxembourg demonstriert. Dort legte er mit einer entschlossenen Attacke auf der dritten Etappe den Grundstein für seinen späteren Gesamtsieg, nachdem er zahlreiche Fahrer aus der ursprünglichen Ausreißergruppe eingeholt hatte.
Auch innerhalb von Visma - Lease a Bike hat sich Piganzoli längst Anerkennung erarbeitet. Während der Saison 2026 unterstützte er Jonas Vingegaard bei zahlreichen Einsätzen. Besonders stolz ist der Italiener darauf, dass der dänische Superstar seine Leistungen auch dann aufmerksam verfolgt, wenn beide nicht gemeinsam Rennen bestreiten. Während der Tour de Luxembourg erhielt Piganzoli sogar eine persönliche Nachricht von seinem prominenten Teamkollegen. „Er schrieb mir, dass er mich während der Tour de Luxembourg verfolgt habe. Das hat mir wirklich viel bedeutet. Er ist für mich ein Vorbild und eine Inspiration.“
Mit Blick auf die kommenden Jahre könnte sich Piganzoli zunehmend zu einem ernsthaften Anwärter auf eigene Kapitänsrollen bei großen WorldTour-Rennen entwickeln. Insbesondere die Saisons 2027 und 2028 bieten ihm die Möglichkeit, seine sportliche Entwicklung weiter voranzutreiben. Die Lombardei-Rundfahrt am Samstag wird dabei zu einem wichtigen Gradmesser: Gegen einige der besten Fahrer der Welt kann der Italiener beweisen, dass er nicht nur als Helfer, sondern auch als Führungspersönlichkeit auf höchstem Niveau bestehen kann.
Ein wichtiges Vorbild bleibt für ihn dabei Vingegaard, dessen mentale Stärke und Gelassenheit er besonders bewundert. „Jonas bleibt in der Gruppe bis zum entscheidenden Moment des Rennens sehr ruhig. Dann hört er selbst bei Problemen nie auf, an sich, das Team und alles zu glauben, was er bis zu diesem Punkt geleistet hat.“