Die
UCI hat die
Weltmeisterschaften 2026 in Montreal genutzt, um ein breit angelegtes Maßnahmenpaket zu beschließen, das den Profiradsport ab der Saison 2027 prägen wird.
Das Management Committee des Weltverbands tagte in Kanada vom 20. bis 22.09. und bestätigte Änderungen in den Bereichen Straßenradsport, Sicherheit, Rennkalender, Ausrüstungsregeln und Punktesystem. Zu den markantesten Beschlüssen zählt eine grundlegende Kalenderverlegung der
La Vuelta Femenina, die ab 2027 im Oktober ausgetragen wird.
Weitere Maßnahmen betreffen neue Standards für Zielbereichsabsperrungen, den Ausbau der GPS-Ortung von Fahrerinnen, Fahrern und Rennfahrzeugen, ein überarbeitetes Punktesystem für Straßenprofis in anderen Disziplinen sowie einen neuen Konsultationsrahmen mit Herstellern von Ausrüstung.
Neue Absperrungen in den letzten 200 Metern verpflichtend
Die Zielankunftssicherheit wird ab 2027 eines der größten Reformfelder, denn die UCI hat neue Vorgaben für Absperrungen in den Schlussabschnitten von Rennen beschlossen.
Ab der Saison 2027 müssen Rennen der UCI WorldTour und UCI Women’s WorldTour in den letzten 200 Metern vor dem Ziel Absperrungen einsetzen, die festgelegten Standards entsprechen.
Die Anforderungen basieren auf Forschung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Westschweiz Valais-Wallis. Das daraus entstandene Protokoll wird Herstellern zur Verfügung gestellt, damit Produkte an die neuen Spezifikationen angepasst werden können.
UCI treibt Echtzeit-GPS-Tracking voran
Die UCI bekräftigte zudem die Absicht, GPS-basiertes Sicherheitstracking im Straßenradsport auszuweiten.
Das System soll Echtzeitdaten zu Positionen von Fahrerinnen, Fahrern und Rennfahrzeugen liefern, zunächst mit Fokus auf WorldTour- und Women’s-WorldTour-Events. Die UCI erarbeitet nun Protokolle, Regelwerke und einen Implementierungsfahrplan.
GPS-Tracking kam bei den Weltmeisterschaften 2025 in Kigali in allen Kategorien zum Einsatz, ebenso bei Montreal 2026, und wird auch bei künftigen WM-Ausgaben fortgeführt.
Neue Punkte für Straßenprofis in anderen Disziplinen
Eine weitere Neuerung ab 2027 betrifft das UCI-Punktesystem.
Für Straßenprofis, die in anderen Radsportdisziplinen starten, wurde eine neue Punkteskala verabschiedet. Damit wird das bestehende System erweitert, über das Straßenteams über Leistungen ihrer Fahrerinnen und Fahrer in anderen Disziplinen Zähler für das UCI World Ranking sammeln können.
Punkteberechtigt sind unter anderem Weltmeisterschaften und Weltcups im Cyclocross, auf der Bahn und im Mountainbike sowie die Gravel-Weltmeisterschaften.
Größere Kalenderreform für La Vuelta Femenina
Die La Vuelta España Femenina by Carrefour.es rückt ab 2027 an eine völlig neue Kalenderposition. Das Rennen findet vom 03.10. bis 10.10. direkt im Anschluss an die Vuelta a España der Männer statt.
Diese Verlegung betrifft auch die Vuelta a Burgos Féminas, die auf den 06.–10.05. wechselt und damit die bisherigen Daten der La Vuelta Femenina übernimmt. Im WorldTour-Kalender der Männer kehrt Eschborn-Frankfurt auf seinen traditionellen Termin am 01.05. zurück.
Neue Pflichtschulungen für Sportliche Leiter
Die UCI führt eine zweite Zertifizierungsstufe für Sportliche Leiter ein, aufbauend auf der bereits geforderten Qualifikation für Mitarbeitende von Profiteams.
Im Vorfeld der UCI Radsport-Weltmeisterschaften 2027 in Haute-Savoie Mont-Blanc müssen alle Sportlichen Leiter von Nationalteams eine Online-Zertifizierung erwerben. Ab 2028 gilt die Pflicht auch für Sportliche Leiter in UCI Continental- und UCI Women’s Continental-Teams.
Mehr Einfluss der Industrie auf Ausrüstungsregeln
Zudem will die UCI die Entwicklung der Ausrüstungsregeln neu aufsetzen und einen Konsultationsrahmen mit Herstellern und weiteren Branchenakteuren etablieren.
Hersteller und unabhängige Expertinnen und Experten können sich direkt in die technischen Diskussionen zu Ausrüstungsregeln einbringen, wobei die Fahrersicherheit zentral bleibt.
Es entstehen spezialisierte Technische Komitees für einzelne Produktkategorien, darunter Bekleidung, Schutzausrüstung, Laufräder, Reifen und Rahmen.
Die Komitees setzen sich aus Vertretungen der Fahrradindustrie, unabhängigen Expertinnen und Experten sowie der UCI zusammen, mit ausgewogener Besetzung zwischen Verband und Industrie. Nach einer Pilotphase für Bahn, Gravel und Laufräder wird das System ab Februar 2027 auf alle Komitees ausgeweitet.
Lugano-Charta wird nach 30 Jahren überprüft
Die UCI hat außerdem eine Überprüfung der Lugano-Charta gestartet, jenes 1996 verabschiedeten Dokuments, das die Grundsätze und Werte des internationalen Radsports festhält.
Drei Jahrzehnte später sieht der Weltverband Aktualisierungsbedarf, um Entwicklungen in der Sportpraxis, gesellschaftliche Veränderungen und moderne Sicherheitsanforderungen abzubilden.
Ein Entwurf wird vor einer Konsultationsphase erstellt, die zwischen Februar und April 2027 verschiedene Bereiche des Sports sowie Ausrüstungshersteller einbindet. Die überarbeitete Charta soll dann später im Jahr präsentiert werden.
UCI-Studie findet schwerere Verletzungen bei Fahrerinnen
Der Weltverband hat zudem erste Daten seiner im März 2026 gestarteten Studie zu Stürzen im Straßenradsport erhalten, die Rennen der WorldTour und Women's WorldTour umfasst.
Nach fünf Monaten Monitoring deuten die ersten Ergebnisse darauf hin, dass Verletzungen bei Fahrerinnen häufiger und im Schnitt schwerer ausfallen als bei Fahrern, während die durchschnittliche Rückkehrzeit in den Wettkampf etwa doppelt so lang ist.
Die Studie läuft weiter. Die entstehende Datenbank soll künftige Maßnahmen zur Risikoreduktion steuern und deren Wirksamkeit bewerten.
Neues Format für den Junior Nations Cup
Der neue UCI Junior Road Nations Cup verfügt nun über einen Kalender für seine Premierensaison 2027.
Elf Veranstaltungen finden zwischen Februar und Juli statt: vier in Europa, vier auf dem amerikanischen Kontinent, zwei in Ozeanien und eine in Afrika. Eine Asien-Runde ist noch nicht bestätigt.
Jede Veranstaltung umfasst Rennen für Männer und Frauen, mit Teams aus fünf Fahrerinnen und Fahrern. Nationale Auswahlen werden voraussichtlich den Großteil des Feldes stellen. Das Format soll die Teilnahme erleichtern und Reisewege verkürzen.
Es gibt vier Wertungen: kontinentale Rankings für Männer und Frauen, die die Qualifikation für das Finale bestimmen, sowie nationale Rankings für Männer und Frauen, die zur Festlegung der Quoten für die Straßen-Weltmeisterschaften dienen.
Italiens Piccola Tre Valli Varesine richtet das Finale vom 29.07. bis 01.08.2027 aus, mit 26 Männer- und 26 Frauenteams am Start.
Steherrennen kehren zu den Weltmeisterschaften zurück
Eine der auffälligeren Änderungen betrifft das Bahnprogramm: Die UCI hat die Rückkehr des Steherrennens zu den Weltmeisterschaften beschlossen.
Die Disziplin steht bei den UCI Radsport-Weltmeisterschaften 2027 in Haute-Savoie Mont-Blanc auf dem Programm und feiert damit ihr erstes WM-Startrecht seit mehr als 30 Jahren. Zuvor war sie 1994 in Palermo vertreten.
Gefahren wird im Windschatten eines Motorrads. Die Disziplin kehrt mit einer weiteren historischen Neuerung zurück: Erstmals werden bei den Weltmeisterschaften Wettbewerbe für Männer und Frauen ausgetragen.
Mehr Unterstützung für aufstrebende Radsportnationen
Die UCI hat zudem zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen im Vorfeld der Weltmeisterschaften 2027 angekündigt.
In Zusammenarbeit mit dem UCI World Cycling Centre organisiert sie vor den Titelkämpfen ein einmonatiges Trainingslager in Frankreich.
Nationale Verbände aus aufstrebenden Radsportnationen werden eingeladen, zwei junge Athletinnen und Athleten zu entsenden, je eine Frau und einen Mann. Zudem wird das UCI Solidarity Programme ausgebaut, um ihre Teilnahme zu finanzieren.
Die in Montreal beschlossenen Änderungen werden den Profiradsport ab 2027 in mehreren Bereichen prägen. Der Oktober-Termin für La Vuelta Femenina zählt dabei neben neuen Standards für Zielbereichssicherheit, erweitertem GPS-Tracking und Anpassungen im Materialreglement zu den wichtigsten Maßnahmen.